Haldensleben l Als die Veranstaltung „Eine Stadt gegen Mobbing“ von Anti-Mobbing-Trainer Carsten Stahl in der vergangenen Woche abgesagt wurde, waren Veranstalter, aber auch Schüler und Eltern schockiert. Dabei stand vor allem ein Brief eines Schulleiters im Mittelpunkt, der die Absage zu der Veranstaltung damit begründete, er habe „Warnhinweise“ erhalten, die Veranstaltung könne „bei einigen Kindern schwere psychische Probleme auslösen“. Die Volksstimme hat bei Streetworkern, dem Haldensleber Jugendleiter sowie Bildungsminister Marco Tullner (CDU) nachgefragt, wie sie die Arbeit von Carsten Stahl einschätzen.

Eine, die den Trubel direkt miterlebt hat, ist Simone Schulz. Sie ist Streetworkerin der Verbandsgemeinde Flechtingen. „Die Eltern und Kinder waren sehr aufgeregt, enttäuscht und wütend nach der Absage“, erzählt sie. Ihr Telefon habe nicht mehr stillgestanden. Sie beschäftige sich seit mehreren Jahren mit Stahls Arbeit. „Ich sehe darin eine Arbeit mit und für Kinder, Augen öffnend für das, was da draußen jeden Tag passiert“, sagt sie. Doch die Kinder würden davon nicht, wie in dem Brief beschrieben, psychisch krank werden. „Die meisten sind es schon vorher gewesen“, sagt sie.

Stahl hat viel Neugier erzeugt

Auch unter den Haldensleber Jugendlichen wurde die Absage diskutiert. Das bestätigt Stadtjugendpfleger Rolf Koppenhöfer. Dies sei aber weniger aus persönlicher Betroffenheit gewesen, sondern eher, weil die öffentliche Bekanntheit Stahls viel Neugier erzeugt habe. Zu den umstrittenen Methoden des Anti-Mobbing-Trainers sagt Koppenhöfer: „Die Arbeit von Herrn Stahl ist mir nur durch seine Eigendarstellung bekannt, insofern gibt es da nichts zu bewerten.“ Generell sei Mobbing natürlich ein Thema, das die Stadtjugendpflege, der Streetworker und auch die Schulsozialarbeiter aufgreifen, aber im kleineren Rahmen und im direkten Gespräch.

Bildungsminister Marco Tullner hat sich in der vergangenen Woche – unabhängig von den Geschehnissen in Haldensleben – mit Carsten Stahl zu einem persönlichen Gespräch getroffen. Wie steht er zu einer Zusammenarbeit mit dem Anti-Mobbing-Trainer auf Landesebene? „Es gibt fachlich unterschiedliche Ansätze – uns eint aber das Ziel, die Anstrengungen im Kampf gegen Mobbing weiter zu intensivieren. Wir haben vereinbart, weiter im Gespräch zu bleiben“, lässt Tullner verlauten.

Nicht nur schulisches Problem

Das Thema Mobbing sei ein gesamtgesellschaftliches und nicht ein allein schulisches Problem. Die Mobbing-Prävention sei in Schulen aber von großer Relevanz. „Wir dürfen die Schulen hierbei nicht allein lassen“, so Tullner.

Es brauche gute Unterstützungsangebote, aber auch eine enge Partnerschaft zwischen Eltern und Schule. Die Programme „Gemeinsam Klasse sein“ und „Mind Matters“ befassen sich mit dem Thema Mobbing. „Zudem arbeiten pädagogische Mitarbeiter oder Schulsozialarbeiter an den Schulen, um Probleme früh zu erkennen und gegenzusteuern“, so der Bildungsminister.