Haldensleben l Unter dem Namen „St. Marienkirche findet Stad(t)t“ haben sich in den vergangenen Monaten Architekten, Pfarrer, Dezernenten und Kirchenmitglieder zusammengesetzt und ein neues Konzept für das Gotteshaus auf die Beine gestellt. Eine Million Euro Fördermittel stehen dafür in Aussicht, sind jedoch nocht nicht bewillig. „Die Kirche soll nicht nur Speicherort für Geschichte sein, sondern Begegnungsort“, sagte Pfarrer Matthias Simon bei einer Informationsveranstaltung zu den aktuellen Plänen. Diese sind sehr umfangreich und sollen in kürzester Zeit – bis August 2021 – realisiert werden. Ein Überblick:

Kirchturm

Der Turm der Kirche ist das Sorgenkind. Seit dem Frühjahr 2018 wird der instabile Gebäudeteil bereits saniert. Im ersten Schritt wurde die Haube erneuert, im zweiten soll das Turminnere gesichert werden. Denn: Im Jahr 2015 wurden in Folge eines Sturmschadens immense Schäden am Tragwerk als auch an dem Gebälk festgestellt. Seither ist der Turm im Inneren notgesichert und wird nun Ebene für Ebene saniert. Außerdem soll das verrottete Holzgeländer auf der Aussichtsplattform erneuert werden.

„Im Jahr 2021 wird der Kirchturm 200 Jahre alt“, sagt Judith Vater, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrats von St. Marien. Bis dahin solle der Turm fertig sein. Damit können dann auch die Glocken der Kirche wieder erklingen. „Die Glocken werden sich dann anders anhören“, verspricht sie. Denn die sogenannten Schallluken, die bisher verschlossen waren, können nach der Sanierung wieder ein Stück weit geöffnet werden.

Offener Raum

Der kleine Raum unter der Empore wird gänzlich neu gedacht. Dort soll ein neuer Kommunikationsort entstehen. Dafür wird eine Teeküche gebaut. Die Empore wird erweitert, sodass ein Stuhllager und sanitäre Anlagen darunter Platz finden. Letztere fehlten bisher gänzlich in der Kirche.

Kirchenschiff

Das Innere der Kirche soll neu gestaltet und genutzt werden. In beiden Seitenschiffen werden die Bänke entfernt, die in der Mitte bleiben jedoch. „Bestimmte Veranstaltungen können dann in der Mitte des Schiffes stattfinden“, erklärt Judith Vater die Idee. So solle der strenge Gottesdienst-Charakter mit Blick zum Altar aufgelöst werden. „Wir können uns vorstellen, dass dann weltliche Lesungen in einem intimeren Rahmen angeboten werden können“, so Vater. Die Seitenschiffe sollen kreativ genutzt werden und in bestimmte Bereiche unterteilt werden. Sie werden jedoch nicht vom Hauptraum getrennt, sondern bleiben offen wie bisher.

Ausstellungsbereich

Das südliche Kirchenschiff soll künftig für Ausstellungszwecke genutzt werden. So ´werden einige Dinge innerhalb der Kirche umziehen und im neuen Ausstellungsraum untergebracht. Ebenso sind historische Fenster in diesem Bereich angedacht, die die Stadtgeschichte beleuchten soll und die Ausstellungsstücke miteinander verbinden. „Es soll jedoch keine museale Dauerpräsentation entstehen. Wir wollen das zum Leuchten bringen, was wir haben“, erklärt Judith Vater.

Präsentationsbereich

Auch das nördliche Kirchenschiff wird in Zukunft neu gedacht. Dort soll eine kleine Präsentationsfläche entstehen, wo die Evangelische Kita oder die Evangelische Sekundarschule kleine Projekte und Ausstellungen zeigen können.

Bereich Gedenken

Neben der Präsentation soll ein Bereich für das Gedenken entstehen. Dort sollen die Gefallenentafel und ein Nagelkreuz Platz finden. Ebenso sollen Leuchter integriert werden, die diesen Bereich optisch hervorheben. Die Idee ist, dass Gäste an dieser Stelle Kerzen entzünden können. „Hier sollen sich Besucher zurückziehen können“, erklärt Judith Vater die Idee hinter dem Beleuchtungskonzept.

Licht

Die Beleuchtung des Innenraumes soll ebenfalls verändert werden. Dafür wurde ein Konzept erstellt, dass mehr Licht in die Kirche bringt. So sollen neue Lampen in neun Metern Höhe hängen, die eine besondere Atmosphäre in den Raum bringen. Angedacht ist auch, dass die Seitenschiffe optisch zurücktreten, um den Gedenkcharakter zu stärken.

Fenster

Die bisherigen Fenster der Kirche weichen ebenfalls einer neuen Idee, denn sie tragen im Wesentlichen zu den Lichtverhältnissen im Innenraum bei. Bei den bisherigen Fenstern handelt es sich laut Planer Berthold Heinecke um eine Notverglasung. Auch die Vergitterung sei nicht mehr zeitgemäß und defekt. „Die Fenster lassen zu viel Licht herein“, erklärt er.

Um auch in diesem Bereich neue Impulse zu erhalten, soll für die Fenster ein Wettbewerb ausgeschrieben werden. Dabei können Glaskünstler Vorschläge einreichen, über die eine Jury dann entscheidet. „Einen solchen Wettbewerb haben wir auch in der Schönebecker Stadtkirche veranstaltet und sehr gehaltvolle Ideen erhalten“, berichtet Heinecke.

„Zum gesamten Projekt wird es mit Sicherheit noch viel Diskussionsbedarf geben“, mutmaßt Judith Vater. Viele Ideen werden aufgrund der eingeschränkten finanziellen Mittel auch in den Kinderschuhen stecken bleiben. „Doch die Hauptsache ist, dass sich etwas bewegt“, sagt sie.