Haldensleben l Eines vorweg: Wer im Museum Haldensleben nach Gold und Juwelen sucht, der wird enttäuscht. Wertvolle Klunker, die mal eben schnell auf dem Schwarzmarkt verhökert werden können, lagern in der 1910 gegründeten Haus nicht. „Aber der Wert einer Sache ist ja nicht immer nur materieller Natur“, sagt Museumsleiterin Judith Vater. „Es gibt auch ideelle Werte, wir haben Ausstellungsstücke, die künstlerisch oder kulturhistorisch einmalig sind.“

Ganz oben auf der Liste der Schätze des Museums findet sich die „Lucretia“. Das kleine Gemälde wurde 1519 von einem der bekanntesten deutschen Renaissance-Maler geschaffen – nämlich von Lucas Cranach. Zwar hängt das Bildnis im Eingangsbereich des Museums – hinter Glas und mit speziellen Vorkehrungen ist es aber besonders gesichert. Die „Lucretia“ gehört zur Sammlung des königlichen Bauinspektors Friedrich Loock, die in Teilen im Schloss Hundisburg zu besichtigen ist. Auch die dortigen Gemälde seien besonders geschützt – vor allem weil sie „frei“ hängen, also nicht hinter Glas, wie Judith Vater erläutert.

Im Museum gibt es Alarmanlagen sowie alarmgesicherte Fenster. Details zu anderen, speziellen Sicherungen verrät die Museumsleiterin allerdings nicht. Aber davon gebe es im Museum einige. Panzerglas und massive Gitter dürfe man jedoch nicht erwarten. Denn eine Besonderheit des Hauses sei auch, dass es sehr offen gestaltet ist. So hängen und stehen viele der Ausstellungsstücke frei im Raum. Gerade an den Wochenenden sind die Mitarbeiter zu den Öffnungszeiten nur allein vor Ort und können nicht jederzeit kontrollieren, wo sich die Museumsbesucher gerade aufhalten und was sie tun.

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Möbel der Gebrüder Grimm

Einige der bekanntesten Ausstellungsstücke des Museums sind ebenfalls nicht hinter Glas verborgen. Dabei handelt es sich unter anderem um Möbel aus dem Nachlass der Gebrüder Jacob und Wilhelm Grimm. Im November 1963 hatte das Museum diese sowie Bücher, Kleidungsstücke, Haushaltsgegenstände und Plastiken aus dem Besitz der beiden großen deutschen Germanisten erhalten.

In der Einrichtung finden sich außerdem ein frei zugängliches Biedermeier-Zimmer und eine Ausstellung zur Ur-und Frühgeschichte mit Zeugnissen aus den Jahren 5500 bis 3500 vor Christus, wie einem Kupfer- und einem Jadebeil. Eine Ausstellung zur Fabrikanten- und Künstlerfamilie Jakob Uffrecht gibt Auskunft über die Geschichte der Region – unter anderem mit grazilen Keramikerzeugnissen.

Atmen als Gefahr

Museumsleiterin Judith Vater erklärt, dass Menschen nicht immer nur willentlich durch Diebstahl oder Vandalismus den kostbaren Stücken im Museum etwas anhaben können. „Die Besucher atmen ja auch, sorgen also für eine bestimmte Luftfeuchte, oder bringen Staub und Dreck mit herein.

Außerdem scheint die Sonne durch die Fenster. Auch das setzt vielen alten Ausstellungsstücken zu“, sagt sie. Deshalb bestehe der Schutz der einzelnen Zeitzeugnisse auch darin, Präventivmaßnahmen zu ergreifen, sie teils zu konservieren, manchmal auch zu restaurieren.

Geschulte Mitarbeiter

Für den Fall dass es doch einmal zu Einbrüchen, Angriffen oder Vandalismus im Haldensleber Museum kommen sollte, sind die Mitarbeiter geschult, sagt Judith Vater. So gehe der Personenschutz in dem Haus immer vor. Niemand solle sein Leben riskieren, auch nicht für besondere Stücke. Der Diebstahl ausgewählter Museumsschätze würde der Fachfrau zufolge sowieso kaum etwas bringen. Denn man müsste diese schon an echte Kenner verkaufen, damit man eine hohe finanzielle Summe damit erzielen könne. Ohne Aufsehen zu erregen, sei das kaum möglich.

So bleibt sicherlich auch der bekannteste Bewohner des Museums an Ort und Stelle: Das Original des Reitenden Rolands von Haldensleben aus dem Jahr 1528 wäre wohl ohnehin zu schwer, um ihn mal eben in einer Nacht- und Nebelaktion mitgehen zu lassen.