Kämkerhorst/Mannhausen l „Wir bauen heute eine Igelbutze. Jetzt – im Herbst – benötigen Igel einen Unterschlupf, in dem sie ihren Winterschlaf halten können“, verrät Cornelia Schulze, die in einer Behinderteneinrichtung der Evangelischen Stiftung Neinstedt wohnt.

Mehr als 30 freiwillige Helfer aus dem Biosphärenreservat Drömling, darunter Menschen mit Behinderung der Lebenshilfe Altmark West GmbH aus Mieste und Zienau sowie der Lebenshilfe Wolfsburg und der Evangelischen Stiftung Neinstedt aus Calvörde und Etingen krempeln im Rahmen des Projektes „Ungehindert engagiert“ wieder einmal die Ärmel hoch. Auf dem Gelände des Informationshauses in Kämkerhorst wird alles winterfest gemacht. Tierische Gäste sind willkommen. Neben Igel können auf dem Areal auch Vögel, Wildbienen und Fledermäuse die kalten Monate verbringen.

„Ein dichter Laubhaufen oder ein Holzstapel in einer ruhigen Ecke sind eigentlich als Igelbehausung völlig ausreichend. Wir bauen eine Igelbehausung. Gerade für junge, unerfahrene Igel sind diese Quartiere eine echte Hilfe, denn sie sind nachgewiesenermaßen noch schlechte Häuslebauer“, weiß Sabine Wieter, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit im Biosphärenservat. Sie organisiert die Arbeitseinsätze des Projektes, die Menschen mit und ohne Beeinträchtigung zusammenbringen. „Von außen wird die Igelvilla mit verschiedenen Materialien, wie Reisig, Laub und Borke, dicht gemacht, damit unsere stachligen Freunde nicht frieren“, erklärt Roberto Liebrecht aus Calvörde, der wieder und wieder Karren voller Laub heranfährt.

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Instinkt lässt Igel auf Quartiersuche gehen

„Igel sind nützliche Tiere. Sie fressen Schädlinge“, weiß Brigitte Lars, die im Calvörder Wohnheim zuhause ist. „Ja, Igel sind geborenen Überlebenskünstler. Im Sommer fressen sie sich Winterspeck an, der ihnen über die kalten Monate hinweg hilft“, erklärt Sabine Wieter. Die Dicke der Fettschicht und das Körpergewicht sind entscheidend für den Zeitpunkt des Winterschlafs. Jungtiere und solche mit Untergewicht würden den Winterschlaf noch eine Weile heraus zögern, um sich doch noch ein paar Pfunde anzufuttern. Ab November etwa sagt ihnen ihr Instinkt, dass es Zeit ist, sich ein Winterquartier zu suchen.

Während die eine Gruppe Etage für Etage das Igelhotel baut, sind andere Gruppen beim Grabensäubern und beim Bäumepflanzen. Die Mission ist es, unter der fachlichen Anleitung der Ranger Frank Wieter, Thomas Klöber und Ulrich Kaatz zwei von drei Apfelbäumen in die Erde zu bringen und mit Drahtmanschetten vor dem Biber, der ganz in der Nähe seine Burg hat, zu schützen.

„Die beiden Bäume sind ein Symbol für die gute Zusammenarbeit mit den Behinderteneinrichtungen der Lebenshilfen Altmark-West in Gardelegen und in Wolfsburg“, erklärt Sabine Wieter. Der dritte Apfelbaum der Freunde der Lebenshilfe Lüneburg-Harburg wächst bereits im Biosphärenreservat Elbtalaue in Niedersachsen. „Unsere Freundschaft und auch die Bäume wachsen und werden gute Früchte tragen“, blickt die Reservatsmitarbeiterin voraus. Sabine Wieter erinnert sich, dass es die Kooperation zwischen der Lebenshilfe Altmark West und des einstigen Naturparks Drömling schon 15 Jahre gibt. Neu als Partner für den Drömling ist die Lebenshilfe Wolfsburg dazu gekommen. Unterstützt wird das Projekt und im Besonderen die Pflanzaktion mit finanziellen Mitteln von Europarc Deutschland, von der Allianz Umweltstiftung und von der Heidehof Stiftung.

Die Arbeiten sind für alle freiwilligen Helfer durchaus anstrengend. Als Stärkung sowie für neue Energie und Schaffenskraft gibt es ein würziges Gulasch und selbst gebackenen Kuchen.