Beendorf l Die hohe Kunst des Bierbrauens hat Arne Egerer und Thomas Schönrock seit 13 Jahren nicht mehr losgelassen. Damals besuchten die beiden einen Bierbraukurs in Wippra und durften erstmals selbst Bier brauen. Sechs Wochen später erhielten sie das Ergebnis ihrer eigenen Hände Arbeit, abgefüllt in einer Flasche, und durften probieren, was sie selbst geschaffen hatten. Der Prozess des Bierbrauens hat sie seitdem fasziniert. Später kam zum Brauer-Duo noch Daniel Kramer hinzu.

Nach dem deutschen Reinheitsgebot von 1516 dürfen nur vier Zutaten verwendet werden, um Bier zu brauen: Wasser, Hopfen, Malz und Hefe. Das klingt einfach, doch es kommt auf viele Kleinigkeiten im Brauprozess an, damit das Getränk schmackhaft und so aromatisch wie gewünscht wird, hat das Trio im Laufe der Jahre festgestellt. Dabei reifte ebenso wie das Bier der Wunsch, das Bierbrauen professioneller aufzuziehen.

Vor rund einem Jahr wurde es dann richtig ernst. In der Garage von Arne Egerer wurde eine kleine Brauerei eingerichtet - mit Equipment zur Herstellung von ein paar Liter Bier. Parallel begannen Recherchen für die Einrichtung eines Gewerbes im Nebenberuf. „Es ist gut, dass wir nicht davon leben müssen, sondern alle einem Beruf nachgehen“, sagt Arne Egerer. Die Bierbrauer brauchen nämlich seither einen langen Atem.

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Seit 18 Jahren wohnt Arne Egerer in Beendorf und fühlt sich mit seiner Familie dort heimisch. Seine Garage stellte er nach Absprache im Familienrat für die Brauerei zur Verfügung, im Garten daneben steht ein Kühlhaus mit bei diesen hochsommerlichen Temperaturen angenehmen 1 Grad Celsius im Inneren.

Alles ist bereit für einen richtigen Start, alle Genehmigungen liegen vor - nur von einem Amt des Landkreises fehlt noch das Okay. Vor Ort sehen lassen hat sich noch niemand. „Das würde sicher viele Fragen auf einmal beantworten“, ist Arne Egerer sicher, dass es keine Probleme mehr geben dürfte.

Brauen verursacht keinen Lärm

Das Brauen verursacht keinerlei Lärm oder andere Immissionen für das Umfeld. Lediglich eine Kühlzelle im Garten der Egerers steht außerhalb der Brauereiräumlichkeiten. Sie ist aber von außen weder zu sehen noch zu hören. Angenehme 1 Grad Celsius lassen in ihrem Inneren den naturtrüben und unbehandelten Gerstensaft frisch halten.

Laut Flächennutzungsplan der Gemeinde Beendorf ist der Papenweg, an dem die Brauerei liegt, ein reines Wohngebiet. Die Gemeinde bemüht sich um eine entsprechende Änderung, aber auch das dauert in den amtlichen Mühlen der Bürokratie seine Zeit.

Offiziell brauen darf das Trio bereits seit längerem, nur der Verkauf stockt aufgrund der ausstehenden Genehmigung. Die drei Bierfreunde wundern sich immer wieder, dass die Produktion eines Lebensmittels so wenig Auflagen beinhaltet. Im Prinzip könne jeder sein eigenes Bier herstellen.

Jüngst war ein Brauvorgang abgeschlossen, das Altdeutsche wollte verkostet werden. Gemeinderat, Feuerwehr, Sportverein und noch einige Leute mehr aus dem Umfeld waren zum Verkosten eingeladen.

Lokal und Handwerklich

Das Trio hat sich für Altdeutsches entschieden. Es kommt geschmacklich dem an nächsten, was sich die drei Männer vorstellen, und es passt am besten zu ihrem Anliegen: lokal - regional und handwerklich zu sein. Ihr eigenes Rezept haben sie in monatelanger Arbeit immer wieder verfeinert. Sie wissen: Es kommt auf die richtige Mischung an, eine Portion Gespür oben drauf. Man dürfte auch nicht vergessen, dass jeder neue Sack voller Zutaten von der Zusammensetzung etwas anders ist als sein Vorgänger - eben ein Produkt aus der Natur.

50 Prozent der Arbeit eines Brauers besteht aus Reinigungsarbeiten, erzählen die Männer bei einem Frischgezapften. Sauberkeit hat oberste Priorität, sonst würde der Brauprozess auch gar nicht gelingen, haben Arne Egerer, Thomas Schönrock und Daniel Kramer im Laufe der vergangenen Monate festgestellt. Trotz der Arbeitsintensität brennen sie für ihre Brauleidenschaft.

So einen Brausud anzulegen, kostet die Männer nicht selten mehr als zwölf Stunden am Stück. Hinterher sind alle drei schachfertig. Doch es ist der Brauprozess an sich, der die Faszination ausmacht, die vielen Arbeitsschritte zwischendurch, immer wieder muss die Qualität des Suds getestet werden.

Kosten verursacht das ehrgeizige Vorhaben des Beendorfer Brauhauses schon eine ganze Weile. Flaschen, Kisten, Fässer, Zapfgarnituren, die Rohzutaten, die technische Ausrüstung - einige Braukessel befinden sich noch auf dem Seeweg - all das steht in den Startlöchern. Zunächst wird es das „Beendorfer Altdeutsches“ vorrangig in 30-Liter-Fässern geben. Wirtsleute und Veranstalter können sich bereits an das Beendorfer Brauhaus wenden. „Zunehmen gibt es Anfragen vor Privatleuten“, sagen die Brauer aus Helmstedt und Beendorf.

Für das Trio wird es höchste Zeit, dass auch verkauft werden kann. Die Braumeister wollen endlich richtig durchstarten, wissen um die Rückendeckung aus der Gemeinde und lassen sich auch von einem einzigen, noch ausstehenden Okay nicht mehr beirren. „Wir waren und sind überzeugt, dass es uns gelingt“, so Arne Egerer.

Aktuelle Infos: www.beendorfer.de