Haldensleben l Die Marienkirche im Herzen Haldenslebens wird ihr Gesicht im kommenden Jahr verändern – zumindest im Inneren. Unter dem Motto „St. Marienkirche findet Stad(t)t“ haben sich im vergangenen Jahr zahlreiche Akteure zusammengesetzt und ein neues Konzept auf die Beine gestellt. „Wir wollen die Kirche nicht nur sanieren, sondern sie auch wieder in die Mittel der Gesellschaft rücken“, sagt Judith Vater, stellvertretende Vorsitzende des Gemeindekirchenrats von St. Marien.

Insgesamt eine Million Euro Fördermittel stehen zur Verfügung, die im Jahr 2021 ausgegeben werden müssen, da die Förderperiode sonst endet. Von Anfang an war die Modernisierung ein Mammutprojekt. Nun hat die Corona-Pandemie die Pläne verzögert. „Es scheint unrealistisch, dass wir das schaffen. Wir hoffen aber weiter auf Lockerungen bei den Förderbedingungen“, sagt Judith Vater. Die Pläne werden jedoch weiterhin fleißig geschmiedet. Ein Überblick:

Fenster

An den fünf riesigen Chorfenstern am Altar nagt der Zahn der Zeit. Auch die Vergitterung ist nicht mehr zeitgemäß und defekt. Die Fenster haben in den 1970er Jahren eine Notverglasung erhalten und lassen wenig Licht in den Kirchenraum. Das soll sich ändern, immerhin ist Licht in einem Gotteshaus ein wichtiger Aspekt. Um hier neue Impulse zu erhalten, wurden vier Künstler im Zuge eines Wettbewerbes gebeten, Entwürfe für neue Kirchenfenster zu kreieren.

„Wir haben den Künstlern freigestellt, das farbige Altglas der bisherigen Fenster in ihre Entwürfe einzubinden“, sagt Judith Vater. Die vier Entwürfe werden am Montag, 21. September, um 18.30 Uhr in der Marienkirche vorgestellt. Gemeindemitglieder und Interessierte Haldensleben können sich im Gemeindebüro für diese Veranstaltung anmelden.

Im Anschluss an die Veranstaltung werden die Entwürfe öffentlich ausgelegt. Interessierte können dann für ihren Favoriten stimmen. Es sei „unüblich“, die Gemeindemitglieder bei einer solchen Entscheidung teilhaben zu lassen, sagt Judith Vater. „Wir wollen die Bürger aber an dem Prozess beteiligen, auch wenn die Entscheidung letztendlich beim Gemeindekirchenrat liegt“, erklärt Judith Vater.

Kirchturm

Der 200 Jahre alte Turm der Kirche war lange das Sorgenkind der Bauherren, inzwischen ist er rundum saniert. Seit dem Jahr 2018 wurden die instabilen Zwischendecken des Turmes notgesichert. Zuerst wurden die Turmhaube mitsamt Dachtraufe und Gebälk instandgesetzt, anschließend wurde Ebene für Ebene saniert. Nun sind die Balken mit Eisenträger verstärkt. Auch an der Balustrade auf der Aussichtsplattform ist das hölzerne Geländer einer Metallkonstruktion gewichen.

Offener Raum

 

Der kleine Raum unter der Empore wird gänzlich neu gedacht. Dort soll ein neuer Kommunikationsort entstehen. Dafür soll eine Teeküche gebaut werden. Außerdem sollen sanitäre Anlagen darunter Platz finden. Laut Judith Vater sind diese Leistungen bereits in der Ausschreibung. Außerdem soll ein barrierearmer Zugang zum Kirchenschiff gestaltet werden.

Kirchenschiff

Das Innere der Kirche soll neu gestaltet werden und in verschiedene Bereiche unterteilt werden. In beiden Seitenschiffen werden die Bänke entfernt, jene in der Mitte sollen stehenbleiben. Löcher zeugten vom starken Schädlingsbefall, etwa 150 Jahre alt seien die Bänke der Marienkirche. Die Bänke werden derzeit restauriert. „Sie sind allerdings in einem so schlechten Zustand, dass wir nicht alle behalten werden“, sagt Judith Vater. Nach der neuen Raumaufteilung können ausgewählte Veranstaltungen dann in der Mitte des Schiffes stattfinden. Damit soll der strenge Gottesdienst-Charakter mit Blick zum Altar aufgelöst werden. Die Seitenschiffe indes sollen künftig kreativ genutzt werden und in bestimmte Bereiche unterteilt werden. Sie werden jedoch nicht vom Hauptraum getrennt, sondern bleiben offen wie bisher.

Ausstellungsbereich

 

Das südliche Kirchenschiff soll künftig für Ausstellungszwecke genutzt werden. Die Skulptur von Johannes Tanker, der bisher auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchenschiffes steht, ist bereits umgezogen. Auch eine Ausstellung zu den Gebrüdern Alstein wird in den künftigen Ausstellungsbereich umziehen. Außerdem werden weitere Dinge, die bislang im Kirchenschiff verteilt sind, im neuen Ausstellungsraum Platz finden. Weitere Ideenkonzepte seien in der Realisierung, so Judith Vater.

Bereich Präsentation Bereich Präsentati

 

Auch das nördliche Kirchenschiff wird in Zukunft neu gedacht. Dort soll zum einen eine kleine Präsentationsfläche entstehen, wo die Evangelische Kita oder die Evangelische Sekundarschule kleine Projekte und Ausstellungen zeigen können. Des weiteren soll ein Bereich für das Gedenken entstehen. Dort sollen die Gefallenentafel und das Nagelkreuz Platz finden. Die Idee ist, dass Gäste an dieser Stelle Kerzen entzünden können.

Licht

 

Die Beleuchtung des Innenraumes soll ebenfalls verändert werden. Dafür wurde ein Beleuchtungskonzept erstellt, dass mehr Licht in die Kirche bringt. So könnte die Ausstellung oder einzelne Figuren des Altars beleuchtet werden. „Die Umsetzung unserer Ideen ist abhängig von den Angeboten. Das ist eine Geldfrage“, sagt Judith Vater.

Termine

 

Für Kirchenmitglieder und interessierte Haldensleber soll ein neues Format ins Leben gerufen werden. Bei regelmäßigen Baustellenführungen sollen die Besucher einen Einblick in die Arbeiten erhalten. „Wir wollen auch, dass die Haldensleber sich mit einbringen“, sagt Judith Vater. Die erste Baustellenführung soll zum Tag des offenen Denkmals am 13. September um 10 Uhr stattfinden. Interessierte können sich bis zum 9. September im Gemeindebüro unter der Telefonnummer 03904/725 92 40 anmelden. Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Bei Bedarf wird eine zweite Baustellenführung angeboten.