Flechtingen l Zweifellos ist der Neubaublock im Ortsteil Flechtinger Bahnhof gegenwärtig ein Schandfleck. Der Leerstand macht dem typischen 50-WE-Block aus DDR-Zeiten schwer zu schaffen. Doch das soll sich nun in absehbarer Zeit ändern. Daniel Ebeling hat den Block käuflich erworben und möchte aus dem Schandfleck ein völlig neues Wohnen mit attraktivem Umfeld gestalten. Das erklärte der Käufer während der jüngsten Sitzung des Flechtinger Gemeinderates im Rockwool-Werk. Er erwäge gegenwärtig ebenso einen Komplettabriss wie auch eine vollständige Sanierung der vorhandenen Bausubstanz. Da gehen die Meinungen auch auseinander, hat die Bausubstanz doch erheblich gelitten, gab es in der Vergangenheit immer wieder mal Diebstahl, Vandalismus und Zerstörung.

Daniel Ebeling stellt sich Wohnungen in unterschiedlichen Größen vor, die mit einem Fahrstuhl zu erreichen sind. Zum Umfeld gehören für ihn Grünbereiche und ein Spielplatz. Daniel Ebeling zeigte sich jedoch auch noch sehr flexibel, denn er wolle auf jeden Fall gemeinsam mit der Gemeinde etwas bewegen.

Gemeinde möchte Bahnhofsumfeld aufwerten

Gemeinderat Uwe Müller meinte, dass es zum Beispiel auch eine Option wäre, zwei Etagen runterzunehmen, dann wäre eventuell noch nicht einmal ein Fahrstuhl nötig. Ein Wohnraumgrößenmix wäre auch für ihn sinnvoll für eine gute Durchmischung der Generationen.

Bürgermeister Tim Krümmling sah das ganze Vorhaben auch im Zusammenhang mit dem Flechtinger Bahnhof, der gegenwärtig nicht mehr als ein hässlicher Ein- und Aussteigepunkt für Pendler darstellt. Er sprach in diesem Zusammenhang von einer Herausforderung für die Dorfentwicklung, die aber auf jeden Fall in Angriff genommen werden sollte.

Für Berufspendler stünden derzeit keine vernünftigen Stellplätze für ihre Fahrzeuge zur Verfügung, Beleuchtung und Sicherheit seien vollkommen unzureichend. Das Bahnhofsgebäude selbst stehe seit 1988 leer, sei entsprechend vernachlässigt und verwahrlost. Mit der Nasa (Nahverkehrsservice Sachsen-Anhalt) habe es deshalb bereits eine Kontaktaufnahme gegeben.

Fördermöglichkeiten ausloten

Das Gemeindeoberhaupt brachte das so genannte Schnittstellenprogramm ins Gespräch, mit dem Maßnahmen bis zu 80 Prozent gefördert werden könnten. Dabei geht es beispielsweise um eine Verbesserung der Zugänglichkeit und Verknüpfung des Schienenverkehrs mit anderen Verkehrsträgern. Gefördert werden können aber auch die Neugestaltung von Bahnhofsvorplätzen und Zuwegungen, Bushaltestellen, Stellplätze und Fahrgastinformationssysteme.

Um eine Verbesserung der Taktzeiten zwischen Bahn und Bus zu erreichen, hat die Gemeinde Flechtingen bereits Kontakt mit dem Landkreis Börde als zuständigen Träger der Buslinien Kontakt aufgenommen, berichtete Kora Duberow von der Gemeindeverwaltung Flechtingen. Man hoffe auf eine Berücksichtigung. Gegenwärtig sei es so, dass er Bus gerade weg sei, wenn der Zug auf dem Bahnhof ankommt.

Ratsmitglied Jochen Dettmer sieht einen Verkehrsmix sowohl aus Pendler- als auch aus touristischer Sicht als zukunftsweisend.

Wenn der Bahnhof dann auch noch eine vernünftigen Radweganbindung in den Ort hinein erhält, würde dies das Gesamtbild am Flechtinger Bahnhof auf jeden Fall aufwerten und verbessern. „Schließlich ist der Ortsteil auch so etwas wie unser Eingangsportal. Gelingt es uns, das im Blickfeld attraktiv und lebenswert zu gestalten, hat auch der 50-WE-Block eine Chance“, zeigte sich Tim Krümmling optimistisch.