Groß Bartensleben l Er ist in den großen Kirchen von Frankreich, Belgien oder Österreich genauso zu Hause wie in den kleinen Dorfkirchen von Groß Bartensleben, Morsleben und Alleringersleben. Wenn Organist Matthias Müller am königlichsten aller Instrumente sitzt, fließen die Noten geradezu von allein über die Tasten, Pedale, Register und Pfeifen direkt in das Herz der Zuhörer.

Am Sonntag lud der Wahl-Nordgermersleber mal wieder zu einer kleinen Orgelwanderung ein. Da war Matthias Müller gerade mal ein paar Stunden aus Frankreich zurück, hatte kurz zuvor noch in Antwerpen gespielt, um nach der Wanderung gleich wieder nach Österreich aufzubrechen, wo schon eine Orgel darauf wartete, von ihm wieder auf Vordermann gebracht zu werden.

Ein kleiner Autounfall in Frankreich hatte ihn aufgehalten, ein Haufen Papierkram war die Folge, repariert werden konnte das Auto so schnell nicht, also rein in den Zug.

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Doch Matthias Müller macht einen ganz gelassenen Eindruck, als er den erfreulich vielen Besuchern in der Groß Bartensleber Kirche, der ersten Station von drei an diesem Nachmittag erklärt, warum ihm inzwischen seit mehr als zehn Jahren die Orgelwanderungen so wichtig sind. Es sind die vielen kleinen Kirchen im Land, die von den Leuten vor Ort liebevoll gehegt und gepflegt werden, um jederzeit geöffnet werden zu können. In Frankreich sei das keinesfalls selbstverständlich. Viele Gotteshäuser seien in einem schlechten Zustand.

Verstimmte Orgel soll kein Hindernis sein

Die Troch-Orgel in Groß Bartensleben verfügt noch über sechs klingende Register. „Sie ist allerdings ziemlich verstimmt“, warnte Matthias Müller vor seinem Spiel. Wer ihn kennt, weiß, dass er gern improvisiert und Werke von Meistern auswählt, die nicht jeder kennt. „Alles, was ich spiele, ist grundsätzlich originale Orgelmusik“, sagte der Kantor.

So auch in der romanische Gutskirche von Groß Bartensleben, die als Patronatskirche der Familie von Veltheim erstmals um 1120 urkundlich erwähnt wurde. Veränderungen folgten in den Jahren 1530 und 1620. Im Inneren befinden sich mehrere Epitaphe der Familie von Veltheim und ein prächtiger Holzschnitzaltar vom Helmstedter Mathias Hermann aus dem Jahr 1676.

Trotz der Verstimmung erlebten die Zuhörer ein angenehme halbe Stunde klangvoller Orgelmusik. Anschließend blieb noch ein paar Minuten Zeit, in der Kirche zu verweilen.