Wieglitz l Über Stock und Stein, mit Kompass und Karte ausgerüstet, geht die wilde Tour beim Orientierungslauf durch den Wald bei Wieglitz. Wohin nun? Helmut Huchel, einer von 77 Läufern, studiert die kleine Landkarte mit den kryptischen Symbolen. Nach kurzem Überlegen legt der Wieglitzer, der zwar zu den Neueinsteigern gehört, aber einen Heimvorteil hat, wieder los und setzt seinen Lauf zielstrebig fort. Im Eiltempo fegt er hinweg und entschwindet rasch dem Blickfeld des staunenden Betrachters. Huchels Ziel? Der nächste Kontrollposten.

Die Gruppe der Orientierungsläufer des Universitätssportclubs (USC) Magdeburg hat 44 Mitglieder und ist zum zweiten Mal in Wieglitz zu Gast. Die zwölfjährige Julia Schley ist die jüngste, während Peter Wichmann mit 76 Lenzen der betagteste aktive Läufer der Gruppe ist.

Die richtige Reihenfolge

Doch wie funktioniert dieser Sport eigentlich? Die Aufgabe eines jeden Läufers ist es, sich einen Weg durch ein ihm zumeist unbekanntes Gelände zu bahnen. Auf der Karte, die der Läufer erst unmittelbar nach dem Startschuss ansehen darf, sind zahlreiche Kontrollposten eingezeichnet, die der Sportler in der richtigen Reihenfolge anlaufen muss. Doch ist dabei nicht immer der direkte Weg der beste, meistens empfiehlt es sich, unwegsames Gelände taktisch zu meiden. Erreicht der Läufer einen der Kontrollposten, „stempelt“ er mit einem Chip ab und garantiert so, dass er diesen Punkt gefunden hat. Danach begibt er sich zum nächsten. So lange bis er auch den letzten erreicht hat. Im Ziel wird dann geprüft, ob sich der Läufer an die richtige Reihenfolge gehalten und alle Kontrollposten gefunden hat. Derjenige, der die schnellste Zeit abliefert, ist Sieger.

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Rainer Enoch vom UCS Magdeburg ist seit 1962 beim Orientierungslauf. „Zu DDR-Zeiten war ich Trainer. Jetzt nehme ich für Sachsen-Anhalt und die gesamte Bundesrepu- blik das Kernstück des Orientierungslaufes - nämlich die Karte – im Gelände auf und kreiere die Bahnen“, sagt der 67-jährige Magdeburger und ergänzt: „Die Wieglitzer waren ein so herrlicher Gastgeber, deshalb sind wir wieder da. Wir laufen diesmal weiter nach Süden. Das Unterholz ist hier relativ ruppig. Das habe ich auch in der Karte eingezeichnet. Da muss man sich durchkämpfen oder dieses Gebiet umlaufen.“

Mit dem Kopf fürs Herz

Die Faszination, die den Sport ausmacht, erklärt Enoch, sei der Mix aus körperlicher und geistiger Leistung: „Laufe mit Kopf für dein Herz! Auch wenn du nicht der Schnellste bist, hast du die Chance, wenn du eine tolle Route wählst, zu gewinnen.“

Wer es schafft, ins Ziel zurückzufinden, auf den wartet eine kulinarische Rundumversorgung. Die Veranstaltung ist sehr gut besucht. Dazu hat sicher das sommerliche Wetter, als auch die Grillwürstchen und der Kuchen, gebacken von den Wieglitzer Frauen, beigetragen. „Ein großes Dankeschön geht an die Bäckerinnen und an das bewährte Grill-Team um Reinhard Schulze, an alle fleißigen Helfer beim Auf- und Abbauen sowie beim Verteilen und Bedienen“, sagt Angelika Huchel von der Kirchengemeinde. Die Wieglitzerin betont: „Wir arbeiten alle zusammen – der Dorferneuerungsvereins, die Feuerwehr und die Kirchengemeinde.“

„Ein besonderes Lob geht an Familie Huchel, aber auch an alle anderen Wieglitzer, die mitgeholfen haben“, erklärt Walter Ohk vom USC, der die Gesamtleitung des Laufes in seinen Händen hält.