Wedringen l In der Umgebung der künftigen B71n wird derzeit gearbeitet, was das Zeug hält – und dabei haben die eigentlichen Straßenbauarbeiten noch nicht einmal begonnen. Neben den Archäologen sind nun auch Arbeiter am Werk, die sich um die Umverlegung von Gasleitungen kümmern.

Wobei „Umverlegung“ ein irreführender Begriff ist. „In unserem Jargon wird diese Maßnahme so bezeichnet. Genauer gesagt, handelt es sich um einen Ersatzneubau“, wie Ralf Borschinsky, Pressesprecher von Ontras erklärt. Die alten Rohre, die aus den 1970er Jahren stammen, werden also nicht selbst umverlegt, sondern neue Leitungen im Boden eingesetzt, die die Funktion der alten übernehmen. Diese werden jedoch erst abgeschaltet und ausgebaut, wenn die neuen Rohre einsatzbereit sind. „Die Verbraucher sollen davon nichts mitbekommen und unbeeinträchtigt bleiben“, so Borschinsky.

Das grobe Prozedere der Umverlegung beschreibt er wie folgt: „Zunächst kommen die Archäologen. Wenn sie einen Abschnitt freigeben, wird dort der restliche Mutterboden auf einer Breite von 22 Metern abgetragen. Nachdem die Rohre verlegt sind, kommt die Erde wieder drauf. Was bleibt, ist ein vier Meter breiter Schutzstreifen. Die Landwirtschaft kann dort ungehindert weitergehen. Jedoch dürfen auf dieser Strecke keine Tiefwurzler gepflanzt werden und der Streifen muss jederzeit erreichbar sein.“

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Teilstücke wiegen 1,2 Tonnen

Bevor die Rohre jedoch in den Boden kommen, müssen die zwölf Meter langen und etwa 1,2 Tonnen schweren Teilstücke verschweißt werden. Und das nicht nur einmal. „Das geschieht in fünf Lagen. Anschließend werden die Schweißnähte mit einem Röntgenfilm noch genauestens überprüft“, sagt Borschinsky.

Das Schweißen geschieht unter einem Zelt. Dies hat drei Gründe, wie der promovierte Geologe erklärt: „Darunter herrscht ein gleichbleibendes Klima. Es schützt die Umgebung vor Funkenflug und im Inneren ist man vor Wind geschützt.“ Sobald zwei Rohre verschweißt sind, folgt das nächste, welches mit einem Bagger bis auf drei Millimeter heranrangiert und dann zentriert wird. Mit einer Profilschaufel wird anschließend eine Schneise ausgehoben, in der die Leitungen gelegt werden. Der Scheitelpunkt der Rohre befindet sich am Ende circa 1,30 Meter unter der Erde.

Das Erdgas, welches durch die Rohre strömt, stammt aus unterschiedlichen Quellen: „In unseren Leitungen kommt es unter anderem aus Erdgasfeldern in Norwegen und Nordwestdeutschland, aber auch von Biogasanlagen. Eine weitere Quelle ist Erdgas aus der Altmark. Einmal im Netz ist das nicht mehr zu unterscheiden“, sagt Borschinsky.

Die Gesamtlänge der fünf zu verlegenden Leitungen beträgt insgesamt etwas mehr als zwei Kilometer. Ihr Durchmesser variiert zwischen 40 und 90 Zentimetern. Seitens Ontras hofft man, die Arbeit an drei der Leitungen noch in diesem Jahr und bis vor Beginn der Frostperiode beenden zu können.