Haldensleben l Wer wäre besser geeignet, Hausaufgaben zu erteilen, als eine ehemalige Lehrerin? Das weiß auch Marlis Schünemann, und schritt am Sonnabend zur Tat. In ihrer Eigenschaft als Vorsitzende des Kinderschutzbundes im Landkreis Börde eröffnete sie nicht nur die Kindertagsfeier auf dem Gelände der Haldensleber Kulturfabrik, sondern gab den aus der Landeshauptstadt angereisten Politikern, darunter Landtagspräsidentin Gabriele Brakebusch und Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) gleich noch einen Auftrag für den Heimweg mit.

Zwei Petitionen, gerichtet an die Adresse des Landes, sollten die Beiden nach Magdeburg bringen. Erstens fordert der Kinderschutzbund Börde, dass Kinderrechte künftig ins Grundgesetz aufgenommen werden sollen. So würden „die Interessen der Kinder mehr in den Fokus von Politik, Verwaltung und Rechtssprechung gerückt und so besser gewahrt werden“, heißt es in der Petition. Die zweite Petition, die sich jetzt auf dem Weg nach Magdeburg befindet: Der Weltkindertag, also der 21. September, soll Feiertag werden. Das solle aus Respekt vor den Kindern geschehen, heißt es, denn: „Die Achtung und die Anerkennung unserer Kinder als kleine Persönlichkeiten sind sowohl bei einigen Eltern und Politikern als auch in der Gesellschaft noch nicht angekommen.“

Petitionen können unterschrieben werden

Anders bei Marlis Schünemann. „Kinder müssen eine Lobby haben“, ist sie überzeugt. Deswegen die Petitionen. Diese liegen noch bis zum Jahresende beim Kinderschutzbund, in der Kulturfabrik und an anderen Stellen aus und sollen dann an den Petitionsausschuss gehen.

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Jeder, der das Anliegen unterstützt, kann die Petition unterschreiben und damit dazu beitragen, dass Marlis Schünemann ihr Ziel erreicht. Im kommenden Jahr, wenn vor der Kulturfabrik zum zehnten Mal der Weltkindertag gefeiert wird, sollen die Petitionen in die Tat umgesetzt worden sein.

Gabriele Brakebusch sicherte zu, es versuchen zu wollen, „die Landtagskollegen davon zu überzeugen“. Ob es gelingt, das müsse man aber sehen.

Viele Kinder bei großem Fest

Aber nicht nur um Politik, auch wenn es solche für Kinder ist, sollte es am Sonnabend gehen. Schließlich war Weltkindertag, die Sonne schien und Hausaufgaben gab es nur für die Großen. Also tummelten sich wie in jedem Jahr die Jüngsten der Stadt und aus dem Kreis auf dem Areal vor der Kulturfabrik, tobten auf der Hüpfburg und an der Kletterwand, ließen Riesenseifenblasen in die Luft steigen, erfreuten sich am Bühnenprogramm und an den Konzerten der Musikschulkinder und, ganz wichtig, probierten aus, was der Koch Leckeres in der Gulaschkanone zauberte. Die war eigens zu Festbeginn von der Feuerwehr Haldensleben auf das Gelände gefahren worden, angekündigt mit lautem Tatü-Tata, damit es auch jeder bemerkte. Rund 600 Kinder kommen jedes Jahr zum Fest des Kinderschutzbundes, schätzte Mitarbeiterin Sarah Schmidt. Eine Zahl, die auch im neunten Jahr sicherlich wieder erreicht wurde.