Haldensleben l Marlis Schünemann kennt bittere Kinderschicksale. Fälle von Misshandlungen, von Kindswohlgefährdungen. „Ich sehe, dass Kinder benachteiligt werden“, sagt die Vorsitzende des Kinderschutzbundes in Haldensleben. „Das sind junge Menschen, die sich nicht so artikulieren können, wie ich das kann“, betont sie. Ihnen zu helfen, das sei ihre Motivation.

Die politischen Fronten, an denen Schünemann für Kinder streitet, waren zuletzt zahlreich. Da ist die drohende Schließung der Kinderklinik Gardelegen. Für den Erhalt sammelte Schünemann auch in Haldensleben einige Unterschriften. Mehr als 14.000 Signaturen hat der Förderverein der Kinderklinik in der vergangenen Woche dem Sozialministerium übergeben.

Schon etwas länger wirbt der Kinderschutzbund für zwei weitere Petitionen: Zum einen geht es um die Forderung, Kinderrechte explizit in die Verffassung aufzunehmen. Rund 460 Unterschriften hat der Kinderschutzbund nach eigenen Angaben dafür gesammelt. Zum anderen fordert der Verein, den Weltkindertag am 20. September zum Feiertag zu erklären. Wie die Mitarbeiterinnen in Haldensleben berichten, seien dafür etwa 540 Unterschriften zusammengekommen.

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An Präsidentin übergeben

Übergeben hat der Kinderschutzbund beide Petitionen am vergangenen Mittwoch an Sachsen-Anhalts Landtagspräsidentin, Gabriele Brakebusch (CDU). Nun soll der Petitionsausschuss darüber beraten. Schünemann sagt, es sei die erste Petition, die sie als Kinderschutzbund Börde übergeben hätten. In Thüringen ist die Idee eines gesetzlichen Feiertags am Weltkindertag tatsächlich Realität geworden. Seit dem vergangenen Jahr haben die Thüringer am 20. September einen freien Tag.

Gefeiert wurde der Tag beim Kinderschutzbund in Haldensleben zuletzt ohnehin. In diesem Jahr ist das anders, wegen Corona hab man die Veranstaltung mit Schaustellern abgesagt, berichtet Schünemann. Stattdessen solle es aber ein generationsübergreifendes „Ersatzfest“ im Park des Hagenhofs geben.

Noch sind auch die Räume des Kinderschutzbundes am Waldring weniger frequentiert als vor der Coronakrise. Wie Mitarbeiterin Larissa Engelhardt berichtet, kämen zu Spielenachmittagen derzeit zwei Gruppen zu je 10 bis 13 Personen. Zuvor seien an einem Nachmittag bis zu 60 Personen gekommen.