Haldensleben l Simon Okbamichael strahlt. Albert Konrad hat dem jungen Mann aus Eritrea ein Keyboard geschenkt. Albert Konrad kennt den Flüchtling aus dem Eine-Welt-Chor, er hat bei den Chorproben schon öfter auf seinem Keyboard gespielt. Das Musikinstrument kann dem jungen Mann helfen, in seiner neuen Heimat Fuß zu fassen.

Seit er in Deutschland ist, lernt er die Sprache. Er ist froh, dass ihn die katholische Gemeinde St. Liborius so gut aufgenommen hat. Hier darf der Katholik bereits den Gottesdienst mit gestalten.

Am Montag beginnt für den 28-Jährigen ein neuer Abschnitt seines Lebens in Deutschland. Er wird gemeinsam mit seinem Landsmann Teklesenbet Teweldemedlin, der ebenfalls Lehrer ist, an der Johanne-Nathusius-Schule das schulische Leben kennenlernen und mit gestalten. „Wir freuen uns schon darauf“, sagt Schulleiter Sven Teßmann. Vor einigen Jahren hatte die Nathusius-Schule, eine Förderschule für Geistigbehinderte, ein gemeinsames Projekt mit der Erich-Kästner-Grundschule unter dem Motto „Menschen, die anders sind“ veranstaltet. Dazu kam auch eine afrikanische Trommlergruppe. Darauf will die Schule jetzt aufbauen und 2016 vielleicht ein Integrationsfest feiern.

Schulleiter Teßmann hat zunächst den Eltern der Schüler erzählt, dass Flüchtlinge aus Eritrea an die Schule kommen werden und gemeinsam mit ihren Kindern Zeit verbringen werden. Das wurde gut aufgenommen, sagt er. Nun sollen die beiden jungen Männer am Montag in die Schule kommen.

Simon Okbamichael freut sich schon auf die Schule. Auch die Schüler freuen sich schon, weiß Sven Teßmann. Sie wissen zum Beispiel, dass die beiden Fahrrad fahren können, und so wollen sie mit ihnen auf alle Fälle Fahrrad fahren. Das Fahrrad von Simon Okbamichael ist zwar gerade kaputt, aber er hofft, dass er es wieder repariert bekommt. Beim Hauswirtschaftsunterricht können die beiden Flüchtlinge auch dabei sein. Gemeinsam zu kochen, ist schon jetzt fest vereinbart. Der Schulleiter will mit den Eritreern abstimmen, in welchen Stunden sie erstmal zum Kennenlernen dabei sein werden. Simon ist Lehrer für Religion und Mathematik, er wird also den Ethik- und Religionsunterricht kennenlernen. „Vielleicht können wir sogar zu Weihnachten ein gemeinsames Krippenspiel vorbereiten“, lässt Sven Teßmann seine Gedanken schon wieder weiter schweifen. Natürlich wird auch wieder gemeinsam gesungen werden.

Jetzt ist erstmal ein Praktikum für ein paar Wochen vereinbart und auch mit dem Landkreis abgestimmt. Ronald Juhl, der seit kurzem als Integrationshelfer für die Asylbewerber in Haldensleben im Einsatz ist, hat den Kontakt zur Nathusius-Schule hergestellt.