Haldensleben l Geht es um das Thema Taxis in Haldensleben, ist der Ärger in den sozialen Netzwerken bei einigen Nutzern groß: „Die Taxi-Versorgung in Haldensleben ist eine einzige Katastrophe. Unternehmen gehen nach 19 Uhr gar nicht mehr ans Telefon“, schreibt einer. Ein anderer Nutzer berichtet: „In der Woche vormittags vom Bahnhof aus keine Chance. Ich habe vier Unternehmen angerufen. Wir sind dann mit Koffern zu Fuß gegangen.“ Noch jemand anderes berichtet: „Ich wurde trotz Zusage wochentags am späten Abend sitzengelassen“.

Kritik kommt auch von Michael Richter. Er ist Gastwirt, natürlich bleiben die Gäste auch mal bis 22 Uhr am Abend in seinem Lokal, der Gaststätte Richter in Haldensleben. Wenn sie dann los wollen und ihn bitten, ein Taxi zu rufen, er aber keines bekommt, haben die Gäste ein Problem. Und er als Kneipier auch, betont Richter. Er habe seine Gäste auch schon einmal selbst nach Hause gefahren.

Dass sie zu später Stunde nicht mehr verfügbar seien, dass sie nicht am Bahnhof bereit stünden. Beides Vorwürfe, die Taxi-Unternehmer Alfred Cornelsen nicht zum ersten Mal hört. Seit 26 Jahren fährt der Haldensleber Taxi. Und das werde er auch weiterhin tun, sagt der 70-Jährige. Nur mit seinem Taxi-Unternehmen ist es womöglich bald vorbei. Cornelsen überlegt, zum Jahresende aufzuhören. Es sei heute einfach schwieriger, als Taxi-Unternehmer Geld zu verdienen, sagt er.

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Mit Fahrten für Privatpersonen verdiene er ohnehin kaum noch Geld, berichtet Cornelsen. Am Bahnhof stehen und auf Kundschaft warten? Das lohne sich nicht, sagt er. Am späten Abend fahren? Er habe am Tag viel zu tun, Taxifahrer müssten auch Ruhepausen einhalten, betont er.

Früher, in den 1990er Jahren, da sei es noch anders gewesen. „Da hat man mit Taxifahren noch Geld verdient“, sagt Cornelsen. Zehn Mitarbeiter habe er einst gehabt. Er habe sogar Fahrten abgeben müssen, weil er die Arbeit nicht geschafft habe.

Harter Preiskampf

Heute hat Cornelsen noch einen Mitarbeiter. Es sei schwierig, neue Leute zu finden, sagt er. Viele seiner Fahrten seien heute Krankentransporte, die von Krankenkassen bezahlt werden. Wenig lukrative „Knebelverträge“ seien das zum Teil, sagt er. Es gebe einen „harten Preiskampf“ mit anderen Unternehmen aus Haldensleben und Umgebung. Darüber hinaus fehle die politische Unterstützung. „Wir Taxifahrer haben einfach keine Lobby mehr.“

Tatsächlich gibt es den Landesverband für Taxifahrer so nicht mehr. Unter der Telefonnummer des Verbands, die noch immer im Internet zu finden ist, erreicht man Winfried Bahr, den Chef der Taxi- und Mietwagengenossenschaft Halle. Er sagt: „In der ganzen Bundesrepublik gibt es einen Mangel an Taxifahrern, über all, auch in Sachsen-Anhalt.“

Ältere Kollegen würden in Rente gehen, sagt Bahr, jüngere wechselten zum Teil in andere Berufe. Und die Politik erlaube Fahrdienste, die dem Taxigewerbe Konkurrenz machen, etwa das amerikanische Unternehmen Uber. Gerade auf dem Land hätten viele Kollegen zudem das Problem, dass die Krankenkassen zu wenig zahlten, bestätigt Bahr. „Wir ziehen der Oma vor der Fahrt teilweise noch die Strümpfe an“, betont er.

Nicht alle Firmen klagen

Allerdings sind nicht alle Taxi-Unternehmer mit ihrer derzeitigen Situation unzufrieden. Rainer Vollbeding etwa. Seit 30 Jahren ist er Taxi-Unternehmer in Haldensleben. Ja, früher hätten sie für Kunden öfter den Bahnhof angefahren. Da habe es auch noch mehr Kneipen dort gegeben, erinnert sich der 62-Jährige. „Damals haben sie uns hier die Türklinken abgerissen“, berichtet er.

Heute seien eben weniger Privatleute seine Kunden, dafür mache er mehr Fahrten für Menschen mit Behinderungen sowie Krankentransporte. Es gehe ihm nicht schlecht als Taxi-Unternehmer, betont er. Sechs Mitarbeiter habe er zu Höchstzeiten gehabt, derzeit seien es drei. Es sei nicht einfach, neue Leute zu finden, berichtet Vollbeding, aber nicht aussichtslos. In dieser Woche hat gerade ein neuer Mitarbeiter bei ihm angefangen.

Ihn für Schichten am Bahnhof abzustellen, kommt für Vollbeding nicht in Frage. „Das ist einfach nicht wirtschaftlich.“