Hillersleben l Fährt man in Richtung Hillersleben-Siedlung, ist schon von Weitem der Gebäudekomplex der ehemaligen Hillersleber Schule zu sehen. Seit rund einem Jahr steht das Haus leer, nachdem die letzten Flüchtlinge ausgezogen sind. Sie hatten hier bei der großen Einreisewelle ab 2015 eine erste Bleibe gefunden.

Vor vier Jahren endete die Ära als Schule. Das Land hatte die Mindestschülerzahlen für Grundschulen erhöht. Damit war das Aus der Ohretal-Grundschule besiegelt. Im Jahr 1972 war der moderne Schulneubau als zehnklassige Polytechnische Oberschule eröffnet worden. Nach der Wende blieb lediglich die Grundschule. Außerdem lernten hier Berufsschüler.

3500 Quadratmeter Wohnraum

Jetzt soll ein neues Kapitel in der Geschichte des Komplexes aufgeschlagen werden. „Er liegt nahe dem bedeutenden Industriegebiet Haldensleben und die bauliche Struktur ist bereits annähernd barrierefrei. Diese Gegebenheiten haben uns sofort für ein Generationen-Wohnprojekt begeistert“, sagt Christian Köhler, gemeinsam mit Stephan Pohl einer der beiden Geschäftsführer der Projektgesellschaft Wohnen im Ohretal.

Auf 3500 Quadratmetern sollen hochwertige, barrierefreie Wohnungen entstehen. Interessante Gemeinschaftsflächen wie die ehemalige Aula oder die Sporthalle bieten zusätzlich Möglichkeiten, Gemeinschaft leben zu können. „Wir freuen uns, attraktive Wohnungen zu gestalten und im Umfeld spannende Angebote für Familien und Ältere anbieten zu können. Wir beziehen das umfangreiche Außengelände mit der Sporthalle in die Planungen ein und bieten Platz für gemeinsame Aktivitäten, grüne Oasen, Grillbereich, Sport- und Spielplatz, sowie die Möglichkeit zusammen zu gärtnern und Tiere zu halten“, so Stephan Pohl.

Die Liegenschaft, bestehend aus den drei Gebäuden Schule, Sporthalle und Aulagebäude auf zirka 2,5 Hektar Gelände ist derzeit weitgehend ungenutzt. Sie wird allerdings für eineinhalb Jahre Ausweichquartier für die Grundschule Samswegen. Die Sporthalle wird weiterhin von den ansässigen Vereinen genutzt.

Voruntersuchungen stehen noch aus

„Eine hochwertige und haltbare Ausstattung der Oberflächen und technischen Einrichtungen wird geplant. Dazu ist eine abschließende statische Prüfung der bestehenden Schäden erforderlich. Das Schulgebäude wird in der Bauphase in jeglicher Hinsicht auf den Stand der Technik gebracht. Die Umsetzung soll grundsätzlich möglichst zügig durchgeführt werden, um die Investitionen schnell und kosteneffizient umzusetzen“, versprechen die beiden Geschäftsführer.

Dabei bestünden allerdings Unwägbarkeiten, die sich aus der jetzigen Perspektive nicht exakt abschätzen lassen. Detaillierte Voruntersuchungen der Bausubstanz und Statik stehen noch aus. Eine Festlegung der Meilensteine mit Terminrahmen, Generalablaufplan, Steuerungsablaufplänen und Detailablaufplänen soll unmittelbar nach Projektbeginn getroffen werden.

Wissenschaftliche Arbeiten als Grundlage

Für die Wohnungsentwicklung und Planung der Ausstattungsgrade, Oberflächen, Installationen und Grundrissgestaltung sollen wissenschaftliche Arbeiten an der Magdeburger Universität und der Hochschule Anhalt genutzt werden, um nachhaltig gute Entscheidungen zu treffen.

„Moderne flexible Wohnungstypen – von attraktiven Singlestudios bis hin zu familiengerechten Zwei- bis Fünfzimmerwohnungen in barrierefreier, offener und freundlicher Bauweise - sollen entstehen und den Bewohnern einen individuellen und gemütlichen Rückzugsort bieten“, so Stephan Pohl. Dafür werden aus den ehemaligen Klassenräumen großzügige und lichtdurchflutete Wohnungen gestaltet, die mit einem Zugang auf Balkon oder Terrasse versehen sind. Das zentrale Treppenhaus wird mit einer Aufzuganlage ausgestattet, so dass alle Wohnungen bequem erreichbar sind. Wohnungen und Apartments werden so ausrüstet, dass Notrufsysteme für ältere Menschen eingebaut und genutzt werden können. Ein Mobilitätskonzept sieht neben der öffentlichen Busanbindung die Möglichkeiten des Carsharings und der Bereitstellung von E-Bikes vor.

„Potentielle Interessenten sind gern aufgerufen, ihre Vorstellungen mit einzubringen, um so direkt auf die Gestaltung Einfluss nehmen zu können“, sind die Investoren für weitere Ideen dankbar, „wir wollen analysieren, welcher Nutzungsmix langfristig spannend ist und das Projekt nachhaltig ausfüllt. Das ist ein Langstreckenprojekt, das nicht kurzfristigen Renditeforderungen unterworfen ist. Sicherlich müssen Kapitalgeber das Projekt gutheißen. Wir sind aber nur selbst zufrieden, wenn das Projekt immer weiterwächst und sich zur Zufriedenheit aller entwickelt.“

Nun werden Dienstleister wie Friseur, Podologe oder Massage als Mieter angefragt. Möglichkeiten der Tagespflege oder die Ansiedlung von Ärzten ist zu prüfen. „Ziel wäre langfristig eine Zusammenarbeit mit einem gewerblichen Nutzer aus dem Bereich Kiosk/Café sowie Sportwissenschaften oder Rehateams, um einen dauerhaften Anker in der jetzigen Aula zu errichten. Mit einem Versorgungsangebot und einer Begegnungsmöglichkeit für alle Bewohner und deren Gäste, wie auch der Sportler und übrigen Einwohner der Siedlung Hillersleben“, beschreiben die Investoren ihre Visionen.