Haldensleben l Mit einem beherzten Schnitt durchtrennt Stephan Klinkau von der Polizeidirektion Nord das behördliche Siegel an der Kellertür. Im Raum dahinter liegen Akten in kleinen Stapeln auf dem Boden. Vor knapp eineinhalb Jahren waren sie unter ungeklärten Umständen aus dem Büro der stellvertretenden Bürgermeisterin Sabine Wendler entfernt worden. Seither sorgten sie für viel Aufregung.

Behördliches Siegel gebrochen

Nacheinander betreten die Anwesenden den engen Raum und nehmen die Unterlagen in Augenschein. Neben Sabine Wendler und dem Stadtratsvorsitzenden Guido Henke (Linke) waren Vertreter aller Stadtratsfraktionen dabei. Gleich zu Beginn hatte Stephan Klinkau erläutert, dass es bisher noch keine Ermittlungsergebnisse gebe.

Für Boris Kondratjuk (Bürgerfraktion) war das Anlass zu Kritik: Erst habe es Monate gedauert, bis die Akten plötzlich im Rathaus wieder aufgetaucht seien. „Jetzt warten wir wieder Monate. Das ist eine gezielte Kampagne“, so der Ratsherr. An Henke gerichtet erklärte er: „Sie machen aus Nichts ein Politikum, um jemandem zu schaden.“ Stephan Klinkau erwiderte, dass die Ermittlungen laufen würden. Das dauere einige Zeit. „Sobald Ergebnisse vorliegen, werden wir Frau Wendler unterrichten“, so der Polizist.

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Ratsherr vermutet Kampagne

Zur Erinnerung: Im Februar 2017 wurde Bürgermeisterin Regina Blenkle vorläufig suspendiert. Zu dieser Zeit verschwanden auch die Akten sowie einige persönliche Gegenstände Wendlers aus deren Büro. Die Stadt erstattete zunächst Anzeige gegen Unbekannt. Einer von Regina Blenkles Rechtsanwälten erklärte später, seine Mandantin habe die Akten sichern lassen, um sie vor Manipulation zu bewahren. Zum Aufenthaltsort der Unterlagen machte Blenkle öffentlich allerdings keine Angaben. Es gab mehrere Wohnungsdurchsuchungen.

Ende Juni 2018 wurden die Akten dann in einem Abstellraum des Rathauses entdeckt. Er befindet sich noch hinter dem Kellerraum, in dem die Akten gestern lagen. Die Polizei hatte sie herausgeholt. Der Fund stand im Zusammenhang mit Wartungsarbeiten am Aufzug. Boris Kondratjuk wies darauf hin, dass solche Arbeiten in regelmäßigen Intervallen stattfänden. Warum seien die Akten nicht früher gefunden worden?

Akten eineinhalb Jahre vermisst

Sabine Wendler erklärte, dass der Fahrstuhl tatsächlich jedes Vierteljahr gewartet werde. Üblicherweise öffne der Hausmeister die Tür für die Fachfirma und gehe wieder. Dieses Mal habe es jedoch Probleme gegeben. Deshalb sei der Hausmeister bei den Arbeiten persönlich dabei gewesen. In diesem Zusammenhang habe er festgestellt, dass das Schloss des angrenzenden Abstellraumes ausgetauscht worden war. Erst ein Schlüsseldienst konnte die Tür öffnen. Nachdem Sabine Wendler die Akten sah, benachrichtigte sie nach eigener Darstellung umgehend die Polizei und die Staatsanwaltschaft.

Warum die Räume gerade gestern freigegeben wurden, begründete Stephan Klinkau so: Zunächst habe die Spurensicherung ihre Arbeit verrichtet. Anschließend habe die Polizei noch eine Weile gewartet, um sicherzugehen, dass die Spurensicherung nicht noch einmal tätig werden musste. Dann habe man grünes Licht gegeben.

Vollständigkeit wird geprüft

Guido Henke ergänzte, dass auf einer Stadtratssitzung der Wunsch geäußert worden sei, dass alle Fraktionen mit einem Vertreter bei der Öffnung der Tür dabei sein sollten. Die Terminsuche habe eine Weile gedauert. Weiterhin erklärte Henke, dass die Akten nun sortiert würden. Dabei werde geprüft, ob es sich wirklich um alle verschwundenen Unterlagen handele. Anschließend sollen diese wieder Teil des regulären Verwaltungsbetriebs werden.

Die Volksstimme hakte darüber hinaus bei der Staatsanwaltschaft Magdeburg nach. Diese bestätigte, dass die Ermittlungen andauerten. Wann ein Ergebnis vorliegen werde, sei unklar. Sprecher Armin Gebauer bestätigte lediglich, dass unter anderem gegen Regina Blenkle ermittelt werde.

Ermittlungsende nicht abzusehen

„Ich hoffe, dass der Fall bald abgeschlossen ist. Das Thema erhitzt die Gemüter. Und eine Verwaltung braucht Ruhe, um arbeiten zu können“, erklärte Sabine Wendler.