Haldensleben l Die Obdachlosenunterkunft ist ein Ort der Sachlichkeit. Mehrbettzimmer, alte Metallspinde, an Wänden und Türen hängen Hinweisschilder, das Rauchen zu unterlassen und den Müll zu trennen. Bilder aufhängen ist aus Brandschutzgründen verboten. Wer die Waschmaschine benutzen will, zahlt den genau kalkulierten Preis von 1,02 Euro pro Wäsche.

Dass Menschen sich in der Unterkunft an der Güntherstraße wohlfühlen und bleiben, ist nicht vorgesehen. Daran wird sich auch nach der Sanierung nichts ändern. „Wir stellen da keine tollen Ikea-Möbel rein“, sagt Einrichtungsleiter Thomas Brunke. Dazu betont er, die Unterbringung der Obdachlosen sei eine kommunale Pflichtaufgabe.

Bis ins vergangene Jahr sei die Unterkunft sogar noch mit Kachelöfen und Kohle beheizt worden, berichtet Stadtsprecherin Stefanie Stirnweiß. Mittlerweile gibt es eine Gasheizung. Nun folgt die energetische Sanierung des Gebäudes. Insgesamt 180.000 Euro sind im städtischen Haushalt dafür vorgesehen. Im kommenden Jahr soll die Planung beginnen, ein Jahr später die Sanierung. Geplant ist vorerst nur, Fenster und Türen auszutauschen und eine neue dämmende Fassade anzubringen.

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Derzeit nutzen laut Brunke sieben Menschen die Notfallschlafplätze der Unterkunft. Zwölf Betten gibt es insgesamt in den drei Mehrbettzimmern. In der ersten Etage befinden sich außerdem Räume für eine Familie. Nur selten würden diese allerdings genutzt, berichtet Brunke, zuletzt sei das zu Beginn des vergangenen Jahres der Fall gewesen.

Nutzer derzeit vor allem junge Männer

Die anderen Zimmer würden für gewöhnlich stetig genutzt, sagt Brunke. Zwar habe es im vergangenen Sommer zum allerersten Mal in seinen gut acht Jahren als Leiter wenige Wochen gegeben, in denen die Unterkunft von niemandem zum Schlafen aufgesucht wurde. Das sei aber nicht der Trend. Der zeige eher in die andere Richtung. Es seien heute mehr Menschen bei ihnen untergebracht als früher, was auch an der besseren Vernetzung mit anderen Behörden liege, sagt der Einrichtungsleiter.

Zwischen 1800 und 2200 Übernachtungen zählt die Unterkunft laut Brunke jährlich. Im Schnitt seien etwa fünf Leute jede Nacht zum Schlafen da. Um 18 Uhr öffnet das Haus, morgens müssen die Wohnungslosen es wieder verlassen. Was die Menschen dann tagsüber tun, sei sehr unterschiedlich, erläutert Brunke. Einer halte sich tagsüber im Wald auf und sammle Pilze, ein anderer komme dann bei einem Freund in der Stadt unter.

Sehr unterschiedlich seien auch die Gründe, wieso Menschen obdachlos werden, betont er. Einige würden sich einfach in einer schwierigen Lebensphase befinden, andere würden von Psychatrien auf die Straße gesetzt, weil sie sich nicht an die Hausordnung hielten. Lange bleiben die Obdachlosen oft nicht in der Unterkunft. Im Moment sei der Bewohner mit dem längsten Aufenthalt seit etwa drei Monate da, berichtet Brunke.

Ungewöhnlich sei zuletzt das Alter der zumeist männlichen Obdachlosen bei ihnen in der Notunterkunft gewesen. „Das Klientel wird immer jünger“, sagt Brunke. Das Durchschnittsalter liege derzeit bei etwa 25 Jahren.