Erxleben l Dem Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg ist der WTA-Preis 2018 zuerkannt worden. Normalerweise können sich Projekte aus Wissenschaft und Forschung, Handwerk und Ausführung bewerben, die sich mit der Erhaltung und Restaurierung historischer Bausubstanz befassen.

Beim Deutschen Fachwerkzentrum fiel die Entscheidung spontan, sagte Prof. Dr.-Ing. Harald Garrecht, Präsident der WTA (wissenschaftlich-technische Arbeitsgemeinschaft) und Professor an der Universität Stuttgart. Als Ausrichter einer dreitägigen Jahrestagung der WTA konnten Geschäftsführerin Claudia Hennrich und ihr Team besonders am zweiten und dritten Tagungstag einen umfassenden Einblick in das Wirken des gemeinnützigen Vereins geben.

Delegation besuchte das Schloss

Substanzschonendes Sichern und Sanieren sowie ressourcenschonendes Sanieren denkmalgeschützter Gemäuer sind am Beispiel von Schloss II in Erxleben seitens des Fachwerkzentrums mittlerweile gut darstellbar. Seitdem das Fachwerkzentrum im Joachimsbau aktiv ist, hat sich bereits sehr viel getan. Mathias Weiß, Bürgermeister der Verbandsgemeinde Flechtingen, begrüßte die Delegation bei ihrem Eintreffen in Erxleben stellvertretend für den verhinderten Erxleber Bürgermeister Gerhard Jacobs.

Gemeinsam mit Flüchtlingen und Studenten konnten ein Großteil der Räume vermessen und deren Mauerwerk auf historische Bauweisen untersucht und katalogisiert werden. Ziel ist es, noch in diesem Jahr mittels einer Wärmebehandlung Schadinsekten und Pilze aus dem Mauerwerk herauszubekommen. Auch dieses Verfahren wurde den rund 40 Tagungsteilnehmern im Rahmen eines Besuches in Erxleben vorgestellt.

„Wir sind erstaunt und überrascht, welch hervorragende Arbeit hier durch das Deutsche Fachwerkzentrum geleistet wird“, sagte Harald Garrecht am Rande einer Führung durch die Räumlichkeiten des Schlosses. Der Einsatz vor Ort fernab industrieller Technologien passt genau in das Anliegen der WTA, kreative und innovative Werterhaltungsstrategien unter Einbeziehung der orts- und landestypischen Kulturen auszuarbeiten und anzuwenden.

Erfahrungen werden geteilt

Die WTA, mittlerweile nicht nur in Deutschland, sondern auch in der Schweiz, den Niederlanden, Tschechien und - ganz neu - auch in Russland aktiv, legt Wert auf den Austausch von Forschungs- und Arbeitsergebnissen, allerdings immer mit dem Ziel der individuellen Anwendung am Objekt.

Als gemeinnütziger Verein profitiert die WTA vom Know-how seiner Mitglieder vom Handwerker bis zum Uni-Professor, die ihre Arbeitsergebnisse an vorhandener Bausubstanz oder beim wissenschaftlichen Erarbeiten bestimmter Verfahren in sogenannten Merkblättern gern mit anderen teilen.

Dafür entstehen die Arbeitsblätter, die als Erklärungshilfe beim Einsatz von kreativen Technologien abseits der Industrieproduktion Verwendung finden, wenn es darum geht, Vorhandenes zu erhalten und zu sanieren, stets unter Einbeziehung der kulturellen Besonderheit in den Ländern.

Flüchtlinge und Studenten arbeiten zusam

Der Joachimsbau von Schloss Erxleben bietet dafür ein eindrucksvolles Beispiel. Die Zusammenarbeit von Flüchtlingen, die zum Teil im Fachwerkzentrum eine Ausbildung und Beschäftigung gefunden haben, und von Studenten des Fachbereiches Architektur der Hochschule Anhalt, fruchtete in der Vergangenheit. Unter Einbeziehung individueller Arbeitsmittel und -geräte, davon konnten sich die WTA-Tagungsteilnehmer beim Rundgang überzeugen, entstanden erstaunliche Ergebnisse und Synergien.

WTA-Präsident Harald Garrecht und seine Mitglieder überzeugten Engagement und Arbeitstechniken so sehr, dass dem Deutschen Fachwerkzentrum Quedlinburg ganz spontan der Preis verliehen werden konnte.