Haldensleben l Die ganze Region versinkt in Schnee. Seit 2010 hat Haldensleben solche Massen nicht mehr gesehen. Für die Kinder der Kita Max und Moritz  ist die weiße Pracht ein Vergnügen, viele Arbeitgeber und -nehmer hingegen kämpfen sich durch das Schneechaos. Der Winterdienst ist seit Sonntag ununterbrochen im Einsatz, um den Schnee Herr zu werden. Trotzdem gibt es noch Straßen, die nicht passierbar und von der Außenwelt abgeschnitten sind.

„Die Mitarbeiter des Stadthofes arbeiten am Rande ihrer Kräfte“, sagt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann. Er wirbt für Verständnis, dass die Räumdienste erst die priorisierten Hauptverkehrswege freiräumen und die anderen Straßen dann nach und nach abarbeiten.

Mehrere Unfälle ereigneten sich seit dem Scheechaos in und um Haldensleben aufgrund der Schneeglätte. Dabei kam es laut Polizeirevier Börde zum Beispiel zu Auffahrunfällen, weil das Auto beim Bremsen rutschte. Auch Unfälle, bei denen die Fahrzeuge einfach aufgrund der Glätte seitlich von der Fahrbahn wegrutschten und gegen Fahrzeuge oder Verkehrszeichen stießen, wurden aufgenommen. Zu schwerwiegenden Verletzungen bei Verkehrsteilnehmern ist es bisher nicht gekommen. Die Polizei rät von unnötigen Fahrten dringend ab.

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Weiterhin eingestellt ist auch der Busverkehr in der Stadt, wie der Betriebsleiter Peter Kasper vom Unternehmen Börde Bus berichtet. „Es ist ein kontinuierlicher Prozess bei den Überprüfungen der Straßen. Wir haben auch Probebefahrungen gemacht und noch einmal Kontakt mit den Straßenverkehrsbehörden wegen Schneeräumungen der Bushaltestellen aufgenommen“, erklärt Kasper.

Bauarbeiten auf B 71 n ruhen

Durch den Schnee ruhen auch die Arbeiten auf der Baustelle der B 71 n, wie die Landesstraßenbaubehörde mitteilt. „Aufgrund der tiefen Temperaturen und des enormen Schneefalls ist ein Weiterführen der Arbeiten im Moment nicht möglich“, berichtet Ulrike Schäfer, Fachbereichsleiterin Straßenbau im Regionalbereich Mitte. Bereits am vergangenen Freitag wurde der Verkehr aufgrund der Wetterprognosen auf eine provisorische Straße am Ortseingang von Haldensleben verlegt. Nach Besserung der Wetterlage werden die Arbeiten wieder beginnen, so Schäfer.

Doch nicht nur Straßen sind verschneit, auch auf dem Mittellandkanal ist ein Durchkommen kaum noch möglich. Seit dem Dienstagmorgen sind schwere Eisbrecher zwischen Wolfsburg und Magdeburg unterwegs. Ohne deren Hilfe könnten die Binnenschiffe nicht mehr aus den Häfen und Anlegestellen heraus, denn die Eisdicke beträgt teils über zehn Zentimeter. Die „Eised2“ startete noch vor Sonnenaufgang von Haldensleben in Richtung Magdeburg. Ein weiterer Eisbrecher soll folgen. Die beiden Schiffe gehören zu den Größten in Mitteldeutschland und werden unter anderem bei schwerer Eislage auf der Oder eingesetzt.

Erhebliche Probleme haben Fahrer sämtliche Zustell-, Fahr- oder Abholdienste. So kommt es auch zu Einschränkungen bei der Entsorgung der Müllbehälter. Die Kommunalservice Landkreis Börde AöR wird die schwarzen und blauen Tonnen leeren. Es werde versucht, die geplanten Touren so gut es geht zu bewältigen, heißt es vom Kommunalservice. Aktuelle Informationen gibt es auf der Website www.ks-boerde.de.

Bei Lieferungen nach Haldensleben kommt es wegen Staus auf der Autobahn ebenfalls zu Verzögerungen. Die Roland Apotheke ist davon ebenfalls betroffen. „Wir bekommen aktuell nur eine Lieferung am Tag. Normalerweise sind es vier“, berichtet Inhaber Alfred Schmidt. Auch Kunden, deren Medikamente nach Hause geliefert werden, müssen mitunter geduldig sein. „Wir konnten trotzdem alle versorgen“, beruhigt Schmidt.

Das betrifft auch den Einzelhandel. „Die frische Ware wie Obst und Gemüse ist bei uns angekommen. Probleme gibt es jedoch beim Trockensortiment wie Konserven“, erklärt Heidemarie Maaß vom Edeka Center am Gänseanger. Grund sei, dass der ganze Lieferablauf durch die Schneemassen gestört werde. Versorungsengpässe gebe es dennoch nicht, so Maaß. Aber auch bei Netto, Kaufland und Aldi könne es zu verspäteten Warenlieferungen kommen, wie Pressesprecher auf Anfrage der Volksstimme erklärten. Dennoch gäbe es keinen Grund für Hamsterkäufe, die Versorgung sei sichergestellt.

Zeitung kommt nicht in jedem Haushalt an

Auch die Zusteller der Volksstimme flächendeckend Probleme, die Zeitung zu liefern. Eine Nachlieferung der Volksstimme kann teilweise nicht erfolgen, wenn die Straßen nicht befahrbar sind. Wir bitten um Entschuldigung und Ihr Verständnis.

Neben den Geschäften haben außerdem Paketzusteller wie beispielsweise Hermes Schwierigkeiten. „Insgesamt führen die derzeitigen extremen Wetterverhältnisse dazu, dass es zu regionalen Laufzeitveränderungen kommen kann“, erklärt Regional Communications Manager Sebastian Kaltofen. Im Versandzentrum in Haldensleben habe es bisher nur geringe Probleme in der Logistik gegeben, erklärte Stefan Nießen, Leiter des Versandzentrums von Hermes Fulfilment in Haldensleben. Obwohl Waren aus Hamburg nicht geliefert werden konnten, sei das Versandzentrum lieferfähig geblieben. „Seit Dienstag sind wir wieder im Normalbetrieb“, so Nießen.

Für den „Essen auf Rädern“-Service der Volkssolidarität ist die extreme Wetterlage ebenfalls ein Problem. „Unsere Fahrer sind im Einsatz, aber es gestaltet sich schwierig“, erklärt Koordinatorin Grit Schrödter. Die Fahrer hätten neben den rutschigen Straßen auch mit teilweise meterhohen Schnee in den Einfahrten zu kämpfen. „Da müssen sie dann durchstapfen, weil nicht geräumt wurde“, so Schrödter. Einige Kunden würden sich wegen den Verspätungen beschweren, aber Schrödter betont, dass die Essenslieferanten nicht unter Druck gesetzt würden. „Es dauert jetzt einfach so lange, wie es dauert“, meint Grit Schrödter.