Satuelle l Im Streit um die Erweiterung des Schießstandes „Dachsburg“ kommt seit Monaten und Jahren keine Ruhe. Die Schützen wollen den Schießstand erweitern, die Satueller wollen ihn schließen. Um auf die Dringlichkeit aufmerksam zu machen, haben Satueller Bürger am Donnerstag vor der Stadtratsitzung demonstriert. Im nichtöffentlichen Teil der Sitzung war die Dachsburg zwar Thema, eine Lösung gab es jedoch nicht.

Aus Kreisen des Stadtrates ist zu vernehmen, dass es im nichtöffentlichen Teil um die Grundstücksangelegenheit ging. Denn der Schießstand befindet sich auf Boden der Stadt und ist von den Schützen gepachtet. Würde die Stadt den Pachtvertrag kündigen, würde dies das Aus für die langjährige Schützentradition am Rande der Ortschaft bedeuten.

Hoffen auf die Stadt

Seit Monaten erhoffen sich die Schützen eine Stellungnahme der Stadt. Sie ist sozusagen das Zünglein an der Waage und kann dem Streit ein Ende setzen. Ortwin Görke, Vorsitzender des Schießstandvereines Dachsburg, hat auf Volksstimme-Anfrage bereits im Oktober verkündet, dass er noch auf einen Termin bei der Stadt wartet. Denn Anlass für den erneuten Streit ist der Ausbau der Anlage.

Aktuell möchte der Verein eine multifunktionale Bahn errichten, die das Schießen über 25, 50 und 100 Meter sowie auf bewegliche Ziele erlaubt. Das ist jedoch mit hohen Kosten verbunden. Die Förderanträge können jedoch nicht gestellt werden, solange die Stadt keine Stellung bezieht. „Wir können keine Anträge stellen, solange die Lage so unsicher ist“, sagt Görke. „Wir brauchen eine klare Meinung der Stadt. Uns sind die Hände gebunden.“ Er habe in dieser Woche einen Gesprächstermin mit der stellvertretenden Bürgermeisterin Sabine Wendler, sagt Görke. Er habe der Stadt einen Vorschlag unterbreitet. Die Stadt wollte sich auf Volksstimme-Anfrage dazu nicht äußern.

Bereit zu Kompromissen

Grundsätzlich seien die Schützen bereit, Kompromisse einzugehen, damit die Satueller sich nicht belästigt fühlen. Diese klagen über hohe Lärmbelästigung – mit langen Schießzeiten vor allem am Wochenende. „Für die Satueller ist es eine unzumutbare Situation“, sagt Ortsbürgermeister Mario Schumacher (CDU). Der Ortschaftsrat setze sich seit Monaten dafür ein, dass der Streit gelöst werde.

Nach dem Stadtrat am Donnerstag wurde entschieden, dass ein erneutes Gespräch alle an einen Tisch bringen solle – den Ortschaftsrat, die Satueller Anwohner und die Schützen. Die Stadt wird ebenfalls hinzugezogen. „Wir müssen sachlich Lösungsvorschläge erarbeiten, mit denen beide Seiten leben können“, sagt Mario Schumacher.

So würden sich die Satueller verkürzte Schießzeiten sowie den Betrieb alle zwei Wochen an den Sonnabenden wünschen. Auch das Schießen mit Schalldämpfern sei eine Idee, die zumindest in Sachen Lärmschutz den Streit beilegen könnte. Der Schießstandverein sieht das anders. Bereits im Ortschaftsrat haben die Schützen Messungen einer externen Firma vorgelegt, die zeigen, dass die zulässigen Schallgrenzwerte nicht überschritten werden. „In den 90er Jahren war deutlich mehr Schießbetrieb auf der Anlage als heute. Wir können die Aufregung der Anwohner nicht verstehen“, so Ortwin Görke.

Nahe am Kindergarten

Auch die Nähe zum Waldkindergarten ist immer wieder ein Kritikpunkt. Schumacher macht klar, dass es in der heutigen Zeit für eine solche Schießanlage aufgrund der Nähe zum Ort gar keine Baugenehmigung mehr geben würde. Ortwin hält dagegen, dass der Schießstand zuerst da gewesen sei, erst später wurde der Waldkindergarten so nah an die Anlage gebaut. Außerdem habe der Schießstand Bestandsschutz.

Zum Schießstand gehören die Jägerschaft, die Schützengilde und die junge Schützengesellschaft Haldensleben Alles in allem gibt es rund 600 Mitglieder. Einst war die Dachsburg laut Ortwin Görke einer der modernsten Schießstände der DDR. Inzwischen wird nur noch der Wurfscheibenstand für das Trap- und Skeet-Schießen genutzt, die anderen vier Stände sind außer Betrieb. Auch die Ausbildung von Jungjägern findet dort statt. Die Sanierungspläne der Dachsburg sind nicht neu, bereits im Jahr 2013 gab es Ambitionen seitens der Schützen.