Calvörde l „Das Schönste an der Schulzeit waren die Ferien“, sind sich Willi Kühnel, Jürgen Schrader, Werner Püls und Achim Gadau einig. Alle vier Männer sind gebürtige Calvörder. Gemeinsam wurden sie 1945 eingeschult und drückten acht Jahre lang Seite an Seite in Calvörde die Schulbank.

„Wir waren als FDJler zwei Mal in den Ferien auf der Insel Rügen in Sassnitz“, denkt Willi Kühnel zurück. „Unser Lehrer Rudi Langkitsch hat dies damals organisiert“, erinnert sich Jürgen Schrader. „Ja, im Ferienlager hatten wir viel Spaß“, weiß auch Achim Gadau noch ganz genau. „Aber wir waren immer ganz brave Jungs“, ergänzt Werner Püls mit einem Augenzwinkern. „Wir haben heimlich geraucht. Und wenn wir nach Hause gekommen sind, drohten unsere Mütter immer damit, die Dorfpolizei zu informieren“, feixen die Freunde.

„1952 – als ich 14 Jahre war, sind meine Eltern und ich in den Westen nach Hannover gegangen. Ich habe in Göttingen Volkswirtschaft studiert und später als Geschäftsführer in Hannover, Wiesbaden und Berlin gearbeitet. Ab 1979 haben wir jedes Jahr die Freunde in der DDR besucht. Achim hat diese Treffen damals immer organisiert“, denkt Schrader zurück.

Willi Kühnel ist ein Diplom-Ökonom. Er war Kreissekretär zu DDR-Zeiten. „Willi hatte ein Amt und durfte eigentlich keinen Kontakt mit Westdeutschen pflegen. Wir mussten immer warten bis es dunkel wird, um ihn zu besuchen“, verrät Schrader. Nach der politischen Wende hat Kühnel zehn Jahre in einem Wirtschaftsverband in Wiesbaden gearbeitet.

Die Musik gehört zur Leidenschaft von Werner Püls. „Ich hatte 1951 mit dem Klavierunterricht angefangen. Drei Jahre später ging es in die Frisörlehre nach Gardelegen. Drei Jahre lang arbeitete ich als Frisör in Magdeburg. Dann hat es mich wieder nach Hause gezogen“, erzählt der Friseur-meister, der 1977 den elterlichen Friseurladen übernahm.

Gadau absolvierte eine Ausbildung zum Steinmetz und zum Bildhauer in der Dombauhütte in Magdeburg. Nach der Übernahme des Familienbetriebes arbeitete er ab 1977 als Meister des Steinmetzhandwerks.

Schönstes Dorf Calvörde

„Das schönste Dorf auf dieser Erde ist der Ort Calvörde“, betonen die Herren voller Überzeugung. Gern erinnert sich das Quartett an die Tanzabende, an Karnevalsvorstellungen und an Handwerkerbälle, bei denen so manches Mädchen erobert wurde. Beim Zickenball spielte Püls auch mit seiner Band „Sonora“. „Wir haben Rock ’n’ Roll getanzt“, schwärmt Gadau. „Nach den Tanzabenden sind manche Eltern in den Salon erschienen, um sich nach dem Benehmen ihrer Kinder zu erkundigen. Aber es herrschte Stillschweigen“, erklärt Püls mit geheimnisvollem Blick. So einige Heimlichkeiten wahren die vier Männer. „Wir teilen viele schöne Erlebnisse“, beschreibt Kühnel. „Wir haben auch die Reife der Früchte aus Nachbarsgarten geprüft“, sagt Püls schmunzelnd. „Das habe ich nie gemacht“, verkündet Kühne lächelnd.

„Als meine Frau Gisela und ich vor 22 Jahren wieder nach Calvörde gekommen sind, waren wir schnell wieder enger befreundet und trafen uns zu bestimmten Anlässen“, erzählt Schrader.

Im August feierte Püls sein 80. Wiegenfest und lud natürlich die anderen drei zum Geburtstag ein. „Wir haben immer ausgelassen gefeiert. Natürlich waren auch unsere Frauen dabei“, sagt Kühnel. „Außerdem ist unsere Generation treu. Wir haben immer noch unsere Ehefrauen und sind alle schon weit über 50 Jahre verheiratet“, verkünden die vier Freunde.

Nun stehen die einstigen Schulkameraden wieder vor dem Schulhaus. „Es ist doch toll, dass es die Schule nach so vielen Jahren noch gibt. Aus uns vier Schuljungs sind erfolgreiche Menschen geworden“, ziehen die Freunde zufrieden Bilanz und klopfen sich gegenseitig auf die Schultern.