Calvörde l „Hereinspaziert zum Sommerfest!“, heißt es auf dem Hof der Villa „Bonin“. Michael Lange, Teamleiter der Einrichtung „Wohnen und Leben“, die zur Evangelischen Stiftung Neinstedt gehört, begrüßt die Bewohner und die zahlreichen Gäste. Lange heißt auch die Förderer und Freunde aus Neinstedt, Wolmirstedt, Halberstadt und aus vielen Orten der Region willkommen.

Hans Jaekel vom diakonischen Vorstand der Stiftung und Bernd Bergmann, Bereichsleiter der Nathusius-Höfe, überbringen Grüße von der Stiftung Neinstedt. Jaekel verkündet die Jahreslosung: „Den Durstigen soll gegeben werden.“ Kurze Zeit später kommt Regenwasser von oben. Die Gäste rücken einfach unter dem Zeltdach dicht zusammen.

Hunde zeigen Kunststücke

„Jaaa, ein Hund!“, so schallt es im Festzelt, als Amélie, die sechsjährige Hündin, plötzlich auf ihren Hocker in der Manege springt. Hinter ihr kommt „Herrchen“ Janko Behring mit der Kakadu-Dame Paula auf dem Arm sowie mit einem geheimnisvollen Korb und einem verdächtigen Koffer. Behring gehört zum Team vom „Hof der klugen Tiere“ in Atzendorf.

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Der Tiertrainer weiß genau, wie er gemeinsam mit seinen tierischen Schülern das Publikum von Anfang an in seinen Bann ziehen kann. Unter jeder Menge Lachen lässt er Amélie durch Reifen, über ein Seil, Arme und Beine springen. Der Trainer lässt die Hündin sogar Rechenaufgaben lösen. Die gefiederte Paula hingegen scheint ihren eigenen Kopf zu haben und widersetzt sich sehr zur Freude der Zuschauer den Anweisungen ihres Trainers.

Ratte und Vogelspinne im Einsatz

Bei den Ratten, die Behring aus dem Korb holt, scheiden sich im Publikum die Geister. Dabei handelt es sich um Farbratten, die domestizierte und viel zahmere Version der wilden Wanderratte. Während manche Besucherinnen bei dem Anblick fluchtartig von ihren Plätzen flitzen, wollen die meisten Gäste die kleinen Nager unbedingt einmal streicheln.

Und auch bei der mexikanischen Rotknie-Vogelspinne scheinen einige Zuschauer Bedenken zu haben. „Sie heißt Killer“, scherzt Behring, „weil man sie schön killern kann.“ Der zertifizierte Tierpsychologe hat es bereits geschafft, Vogelspinnen auf Kommando von einer Hand in die andere krabbeln zu lassen. Zu seinen tierischen Schülern gehören auch Pferde, Lamas, Alpaka und Perserkatzen.

Balanceakt mit Eimer

Auf einem Seil balanciert Paula in schwindelerregender Höhe – zumindest für ihre Körpergröße. Auch einen hängenden Mini-Eimer kann sie mühelos empor ziehen. Mit ihrem Schnabel zieht sie ein befestigtes Band Stück für Stück hoch, bis der Eimer auf dem Tisch landet. Nicht schlecht für einen Kakadu.

„Tiere kommen bei unseren Bewohnern immer gut an“, freut sich Lange, als er beobachtet, wie glückselig und stolz alle sind, die die Tiere nach der Show streicheln dürfen.

Scheune als Begegnungsort

Vor 15 Jahren zogen zwölf Menschen mit geistiger Behinderung aus dem Schloss Detzel in ihr neues Domizil nach Calvörde. Inzwischen leben dort 45 Frauen und Männer unterschiedlichen Alters in der Villa „Johanne“, Haus „Bonin“ und dem „Intensiv Betreuten Wohnen“ in der Siedlung 13 in Calvörde sowie auf dem „Mariannenhof“ in Etingen.

Zu den Höhepunkten des Festes gehört die Ehrung der Wohnjubilare mit Urkunden und Geschenken. Hildegard Wichert wohnt seit 70 Jahren in den Häusern der kirchlichen Einrichtung. „Sie feiert im Juli ihren 93. Geburtstag. Sie ist immer noch agil und fleißig. Sie unterstützt uns morgens in der Wohngruppe beim Bettenmachen. Sie ist immer noch richtig gut unterwegs“, beschreibt Lange. Liane Schmidt ist seit 50 Jahren in den Einrichtungen zuhause. Cornelia Schulze wohnt seit 15 Jahren sowie Monika Thunig und Maik Hahn seit zehn Jahren in der Calvörder Einrichtung.

Dank für die Helfer

Lange bedankt sich bei allen Firmen, Freunden und Spendern für die gelebte Nächstenliebe. Ein besonderes Lob geht an die Mitarbeiter, die fleißig Kuchen gebacken hatten und an das „M&M DJ-Team“, das ehrenamtlich Musik erklingen lässt. Wolfgang Lindner, Calvördes stellvertretender Bürgermeister, überreicht im Namen der Gemeinde Calvörde eine kleine Geldspende.

Jaekel berichtet von den Plänen für den „Mariannenhof“ in Etingen. Auf dem Vierseitenhof haben sieben Frauen und Männer ihr neues Domizil bezogen. Es gibt noch freie Zimmer im sanierten Bauernhaus. Sechs Plätze sind noch zu haben. „Wir haben einen weiteren Antrag auf Fördermittel über das Dorferneuerungsprogramm gestellt, um eine Scheune als zentralen Begegnungsort auszubauen. Der Hof soll sich so weiter für die Bevölkerung öffnen“, schildert Jaekel. „Das Angebot wächst und entwickelt sich. Wir suchen auch noch Fachpflegekräfte, die die Bewohner betreuen“, ergänzt Bergmann.

Nächstes Fest kommt

Die nächste öffentliche Veranstaltung ist am 22. September das Herbstfest auf dem Mariannenhof in Etingen. „Dann wird unser Zirkus Bonini auftreten. Außerdem gibt es noch einige Überraschungen. Wir wollen beim Fest die Bewohner von Etingen und der Region mit einbeziehen“, blickt der Teamleiter voraus.