Wedringen l „Ich bin überglücklich. Nach so vielen Jahren ist es nun soweit“, sagt Sigrid Arnstedt von der Bürgerinitiative Wedringen und kann ihre Tränen nicht zurückhalten. „Das sind Freudentränen“, meint sie und hält den Spaten fest, mit dem kurz zuvor der Bau der Umgehungsstraße für den Haldensleber Ortsteil vollzogen worden ist. Den symbolischen Spatenstich hat sie sich mit Haldenslebens amtierender Bürgermeisterin Sabine Wendler „geteilt“.

Auch Ortsbürgermeister Martin Feuckert zeigt sich erleichtert. „Endlich ist es geschafft. Das ist ein schöner Tag heute, jetzt sind wir am Ziel – nach 20 Jahren“, sagt er. Denn so lange schon fordern die Wedringer eine Ortsumgehung.

„2003 ist das Vorhaben in den Bundesverkehrswegeplan erfolgt“, blickt Uwe Langkammer zurück. Der Präsident der Landesstraßenbaubehörde Sachsen-Anhalt weiß um die Bedeutung der B71n für Wedringen. „Laut der Verkehrszählung von 2015 rollen täglich mehr als 15.000 Fahrzeuge durch den Ort. Und das auf einer zweispurigen Bundesstraße“, betont er.

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Langkammer lobt die gute Zusammenarbeit mit den zuständigen Ministerien, Behörden, Ämtern und Unternehmen, die das Vorhaben in kurzer Zeit deutlich vorangebracht hätten, und erinnert daran, dass zwischen dem rechtskräftigen Planfeststellungsbeschluss und dem Baubeginn gerade einmal zwölf Monate liegen.

Archäologen kommen noch

Doch noch sei vieles auf den Weg zu bringen, damit die Baumaßnahme „zügig, unfallfrei und möglichst im Kostenrahmen“ realisiert werden kann, macht Sachsen-Anhalts Verkehrsminister, Thomas Webel, deutlich. Grunderwerb, Baufeldfreimachung, Leitungsverlegungen – all dies müsse noch erledigt werden. „Nicht zu vergessen sind die Archäologen, die noch kommen. Und die auch immer etwas finden“, so Webel weiter.

„Als 2015 die Ortsumgehung Bebertal freigegeben wurde, da kam Frau Arnstedt zu mir und bat: ,Vergessen Sie mir Wedringen nicht!‘. Ich habe Wedringen nicht vergessen, und heute, beim Spatenstich, regnet es auch vom Himmel Freudentränen“, kann der Minister sogar dem Dauerregen noch etwas Gutes abgewinnen.

Ihn freue besonders, dass Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt sein Wort gehalten hätte, lobt Webel. „Er versprach, wenn es Baurecht gebe, dann stelle sein Ministerium zeitnah die Mittel bereit. So ist es auch gekommen“, erinnert er daran, dass im September vergangenen Jahres die Zusage über die Finanzierung aus Berlin kam.

Allein 43 Millionen Euro investiere der Bund in die Ortsumfahrung Wedringen, nennt Enak Ferlemann konkrete Zahlen. „Doch die geben wir gerne“, unterstreicht der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur. 4,3 Kilometer lang wird die Trasse werden, die zum einen Teil vier-, zum anderen Teil dreispurig ausgebaut wird. Vier Jahre Bauzeit – bis zum Sommer 2021 – sind anvisiert. Vier Jahre, in denen Lärm, Staub und Stau auf die Wedringer und die Verkehrsteilnehmer zukommen. „Erst wird es schlechter werden, bevor es besser wird“, bittet Ferlemann um Verständnis.

Ganz optimistisch gibt sich jedoch der Bundestagsabgeordnete Manfred Behrens: „In Bebertal ist es ja auch schneller gegangen.“