Landtagswahl

SPD-Landtagskandidatin Katharina Zacharias: „Medizin sollte niemals profitabel sein“

Am 6. Juni wird ein neuer Landtag gewählt. In den nächsten Tagen stellt die Volksstimme die Kandidaten vor, die sich im Wahlkreis 7 – Haldensleben um ein Mandat bewerben. Katharina Zacharias (SPD) hat sich die Gesundheitsversorung im ländlichen Raum auf die Fahne geschrieben.

Von Juliane Just
Die 31-jährige Katharina Zacharias ist SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 7 - Haldensleben. Ihr liegt die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum am Herzen.
Die 31-jährige Katharina Zacharias ist SPD-Landtagskandidatin für den Wahlkreis 7 - Haldensleben. Ihr liegt die ärztliche Versorgung im ländlichen Raum am Herzen. Foto: Juliane Just

Haldensleben - Wenn sie sich einmal in ein Thema verbissen hat, dann lässt sie es nicht mehr los. Katharina Zacharias will die ärztliche Grundversorgung im ländlichen Raum wieder auf gesunde Füße stellen. „Es ist eine Frechheit, dass wir in einem Industrieland wie Deutschland einen Kreißsaal schließen, weil er nicht profitabel ist“, sagt sie mit Hinblick auf die Schließung in Haldensleben. Medizin solle niemals gewinnorientiert arbeiten.

Mehrfach ist sie mit auf die Straße gegangen, als die Mitarbeiter von Ameos gegen niedrige Löhne streikten. Außerdem hat sie 2019 eine Petition ins Rollen gebracht, die sich für einen kinderärztlichen Notdienst in Haldensleben einsetzte. Den konnte sie zwar nicht in die Region zurückholen, dafür aber Weiterbildung für Ärzte in Sachen Kindernotdienst.

Rekommunalisierung der Kliniken

„Die gynäkologische Station in Haldensleben wurde geschlossen, es gibt keine Kinderklinik. Um junge Familie herzulocken und zu halten, ist das aber notwendig“, ist sich die 31-Jährige sicher. Die zweifache Mutter habe es am eigenen Leibe erlebt, als ihr Kind ärztliche Hilfe benötigte. Sie spricht sich für reine Rekommunalisierung der Kliniken aus. „Es gibt zahlreiche Dinge, für die wir viel Geld aus dem Fenster werfen. Hier ist es an der richtigen Stelle“, sagt sie über die Finanzierung.

Des Weiteren hat sie sich auf die Fahne geschrieben, dass gleicher Lohn für gleiche Arbeit gezahlt werden muss. „Es kann nicht sein, dass wir 30 Jahre nach der Deutschen Einheit noch darüber diskutieren müssen“, sagt sie. Gerade im Norden des Landkreises, der an Niedersachsen angrenzt, würden Menschen mitunter nur 20 Kilometer entfernt voneinander arbeiten, aber unterschiedlich viel verdienen.

Schüler zwischen den Landesgrenzen

Die Teilung sieht sie auch beim Schulthema. Es gebe Schüler aus Harbke und Hötensleben, die mit dem Bus in die Gymnasien nach Oschersleben oder Weferlingen fahren. Bis zu drei Stunden seien sie täglich unterwegs. Dabei wären die Gymnasien in Helmstedt oder Schöningen (Niedersachsen) näher – doch der Landkreis verwehre es, die Schüler dort unterrichten zu lassen. „Die Schüler werden in Niedersachsen gebraucht, während Oschersleben überrannt wird“, sagt sie. Sie wolle sich für bilaterale Absprachen zwischen den Landkreisen oder eine vertragliche Regelung zwischen den Bundesländern einsetzen.

Ein weiteres Herzensthema ist die Gastronomie. Als gelernte Köchin leide sie mit den Gastronomen mit, die seit Beginn der Corona-Pandemie um ihre Existenz kämpfen. Als Vorbild sieht sie die österreichische Hauptstadt Wien, die 2020 eine Gutschein-Aktion gestartet hat. Via Einwohnermeldeamt wurden Gutscheine für gastronomische Einrichtungen zugeschickt, um die Restaurantszene zu retten. Damit könne man positive Effekte für die Gastronomie, aber auch die Menschen erzielen. Das Projekt habe sie bereits auf Landes- und Bundesebene angestoßen.