Haldensleben l Ausgerechnet ein Rotstift avancierte am Sonnabend in der Marienkirche zum hoffnungsvollen Utensil. Mit dem Stift, mit dem sonst gekürzt, gespart und korrigiert wird, wurden nämlich die Bilder von Maler Siegmund Heyme markiert, die künftig in privaten Wohnstuben ihr Zuhause finden werden. Und – was das Wichtigste daran ist – die Geld einbringen, das so dringend benötigt wird für die Sanierung des maroden Kirchturms der Marienkirche.

Und so waren alle Beteiligten froh, wenn Siegmund Heyme ein ums andere Mal seinen roten Stift zückte: Käufer frohlockten, eines der beliebten Werke des Haldensleber Malers erstanden zu haben, die evangelische Kirchengemeinde über die außergewöhnliche Spendenaktion und der Maler selbst, der sich dankbar zeigte, dass seine Werke Gefallen finden.

Siegmund Heymes Bilder hätten etwas helles, freundliches, etwas heilvolles in sich – und dennoch spare er nichts aus, zeige die Realität, lobte Pfarrer Matthias Simon in der Eröffnung der Verkaufsausstellung. Die Werke Heymes und die evangelische Kirchengemeinde zu St. Marien sind seit vielen Jahren eng miteinander verbunden. Jeden Dezember-Gemeindebrief ziert ein Bild Heymes. Und jedes dieser Werke wird Jahr für Jahr auch in der Kirche aufgehängt.

Bilder

Nun sind 65 weitere Ölgemälde und Bilder in Spachteltechnik im Gotteshaus zu sehen. Haldensleber Stadtansichten, Ortsansichten aus Hundisburg, Groß Ammensleben, Althaldensleben, Flechtingen und Hillersleben, Stillleben und Landschaften rings um die Kreisstadt.

„Die Malerei hat mir schon über manche schlimme Zeit hinweg geholfen. Ich danke Gott für diese Gabe“, sagt Siegmund Heyme. Das Malen hat er sich selbst beigebracht. Kurse habe er nie besucht. Umso mehr freute er sich, dass seine Arbeiten so gut ankommen. „Eines schöner als das andere“, war nur ein Lob, das er am Sonnabend von den ersten Interessenten bekam.

Und unter ihnen waren regelrechte Fans Heymes. Einer von ihnen – er möchte seinen Namen „lieber nicht in der Zeitung lesen“ – hat bereits 36 Kunstwerke des Haldenslebers bei sich zu Hause. Mindestens drei weitere Werke kamen am Sonnabend hinzu. „Ich habe 1996 angefangen, Werke von ihm zu kaufen“, gesteht der Kunstliebhaber. Da kam die Verkaufsausstellung für den guten Zweck gerade recht.

Auf die Idee der ungewöhnlichen Spendenaktion ist Siegmund Heyme über seine Enkelin gekommen. „Sie hatte mich gefragt, ob sie einmal zählen dürfe, wie viele Bilder ich zu Hause habe. Sie kam auf 293“, erzählt Siegmund Heyme. Da sei ihm die Idee gekommen, die Bilder zu verkaufen, um damit Geld für die Sanierung des Kirchturmes, der ihm so am Herzen liegt, zu sammeln.

Heymes Sammelaktion geht weiter. Das Gotteshaus ist parallel zum Sternenmarkt geöffnet – die Ausstellung versteht sich deshalb auch als Zusatzangebot zu dem Weihnachtsmarkt. Die Kirche ist sonnabends von 15 bis 17 Uhr geöffnet, sonntags von 11 bis 13 Uhr und täglich zum Sternenmarkt von 17 bis 19 Uhr.

335 000 Euro benötigt die Kirchengemeinde, um den Turm sanieren zu können, sagt Pfarrer Matthias Simon. Nach dem Auftakt durch Siegmund Heyme wird die Kirchengemeinde im nächsten Jahr eine Aktion starten und bei den Einwohnern und Gewerbetreibenden Haldenslebens um Spenden bitten. Der erste Bauabschnitt soll im nächsten Jahr starten können, so Pfarrer Simon.