Calvörde l „Unser Winterhafen ist Pritzerbe an der Havel in Brandenburg“, erklären Maria und Reinhard Frisch, die einen Zwischenstopp im Calvörder Sportboothafen machen. Eigentlich wollten sie auf der Elbe fahren. Dort hätten sie aber nicht genug Wasser unter dem Bug gehabt. Und so kommt es, dass die beiden Reisenden mit den ortsansässigen Süßwasserkapitänen ins Plaudern geraten.

Vor mehr als 20 Jahren haben Maria und Reinhard Frisch das Bootfahren für sich entdeckt. Jetzt, wo beide im Ruhestand sind, genießen sie als Aussteiger die Freiheit auf dem Wasser. „Wir kommen ursprünglich aus Regensburg, das liegt in Bayern am nördlichsten Punkt der Donau. Wir haben unseren Hausstand verkauft und uns 2015 das Boot geleistet“, schildert Frisch, der in der Verwaltung eines Krankenhauses beschäftigt war. Maria Frisch betreute in ihrem Berufsleben als Erzieherin Kinder. „Nach meinem Studium habe ich später als Dozentin an einer Fachakademie gearbeitet“, erinnert sich Maria Frisch.

„Vorher sind wir aber schon mit Charterbooten gefahren. Wir waren in Irland, in Schottland und sind schon durch ganz Europa gereist“, berichtet der Sportbootführer, während seine Gattin in der Kajüte einen schwarzen Tee kocht. „Meine Frau ist an Bord für mich alles, Smutje, erster Offizier …. Ihr Essen schmeckt immer top“, schwärmt der Kapitän. „Er isst am liebsten zuhause – also an Bord. An unserem Hochzeitstag, den wir bald feiern, wollen wir aber essen gehen“, verrät Maria Frisch.

Nicht immer sei es als Paar einfach, die ganze Zeit so eng miteinander zu verbringen. „Man muss sich natürlich arrangieren. Aber im Großen und Ganzen funktioniert das schon“, verrät Reinhard Frisch. „Wir sind schließlich schon 47 Jahre miteinander verheiratet und so ein eingespieltes Team“, betont sie.

Eine Schwedin habe ihr eine Lebensweisheit erzählt. „Wenn man es mit seinem Partner gemeinsam durch den 190 Kilometer langen Göta-Kanal schafft, muss man nur noch mit ihm in einen IKEA-Markt gehen. Wer da zu zweit wieder raus kommt, könnte den Typen neben sich ruhig heiraten“, erzählt sie. Schon drei Mal seien ihr Mann und sie durch den Göta-Kanal gefahren. In lustiger Runde fragt ein anderer Kapitän: „Wenn ich nicht mit meiner Frau durch den Göta-Kanal fahren will, was mache ich dann?“ Frisch hat natürlich eine Lösung parat: „Dann gib sie bei IKEA im Bällebad ab.“

Crew erlebt Spannendes

Im April sind Frisches mit ihrem Boot und dem 100-PS-starken Motor zu der jetzigen Tour gestartet. „Wir waren in diesem Jahr schon in Stockholm. Entlang der deutschen Ostseeküste und vorbei an den dänischen Inseln sind wir nach Schweden gefahren. Durch den Göta-Kanal bis nach Stockholm und wieder zurück. Bisher haben wir über 4 200 Kilometer zurückgelegt“, beschreibt der weit gereiste Kapitän. Um die 50 Schleusen galt es, im Göta-Kanal zu passieren. Nach den Erzählungen der zweiköpfigen Crew gibt es auf ihren Reisen jeden Tag etwas Neues zu entdecken. Langeweile gäbe es nie. Viele liebenswürdige Menschen seien ihnen bisher begegnet. Unter den Bootsführern gäbe es eine ständige Hilfsbereitschaft.

Das Paar lobt den Services im Calvörder Sportboothafen. Laut Buchführung haben 2019 im Hafen mehr als 200 Boote festgemacht. Familien in mehr als 120 Wohnmobilen waren auf dem Gelände zu Gast. „Die Auslastung ist ganz gut. Ein paar Boote mehr wird es sicher noch geben. Die Saison geht bis Ende Oktober“, erzählt Ulrich Ueckert, der an diesem Tag die Aufgabe des Hafenmeisters hat.

Mitte des Jahres wählten die Sportbootfreunde einen neuen Vorstand, deren Vorsitz Hansjoachim Schumann hat. Im Vorstand des Vereins, der 30 Mitglieder zählt, sind auch Ingo Lüer, als stellvertretender Vorsitzender, Tobias Wachsmann, Andreas Zellmer und Ulrich Ueckert. „Ein großes Hafenfest soll es im nächsten Jahr nicht geben, dafür planen wir einen Tag der offenen Tür“, blickt Schumann voraus.

„Die Leute hier sind nett und freundlich. Es gibt sogar ein kleines Bierchen“, lobt Kapitän Frisch. Seine Frau ergänzt: „Hier ist alles picobello sauber.“

Von Calvörde aus soll es wieder nach Pritzerbe gehen. „Da bleibt unser Boot den Winter über liegen“, erklärt der Ehemann. Am nächsten Morgen startet das Paar bei strömendem Regen. „Wir sind schlimmeres gewöhnt“, sagt Maria Frisch schmunzelnd.