Haldensleben l Eine Geschichte zwischen Obst- und Gemüseregalen eines Haldensleber Supermarktes zu hören oder zwischen Briefen und Päckchen in einer Postfiliale – die nächsten Haldensleber Stadtliteraturtage sollen genau das möglich machen. Zwar finden sie erst im September statt – die Kulturabteilung der Stadt Haldensleben plant aber schon jetzt gemeinsam mit vielen Partnern eine besondere Aktion im Rahmen der Literaturwoche. Unter dem Motto „Lustlesen an ungewöhnlichen Orten“ soll es genau dort Lesungen geben, wo sonst ganz andere Dinge geschehen.

„Erste Partner haben wir dafür schon gefunden“, sagt Renate Schmidt, Leiterin der Kulturabteilung im Haldensleber Rathaus. So möchte Optiker Frank Uebel eigene Texte in seinem Geschäft vorstellen, auch Manuela Bergmann möchte als Leiterin einer Friseurfiliale in ihrem Laden lesen. Ärztin Ulrike Grotjohann öffnet ihre Gemeinschaftspraxis für Literaturinteressierte und auch Peggy Hartmann, Inhaberin des Supermarktes Edeka Hartmann, lädt zu Lesungen am Gemüseregal und in der Postfiliale in ihrem Laden ein.

Schwellenängste abbauen

„Die Lesungen an ungewöhnlichen Orten sollen vor allem Schwellenängste abbauen“, erläutert Renate Schmidt. Ihr zufolge verbinden viele Menschen Lesungen noch heute mit steifen Veranstaltungen, für die man sich aufbrezeln und bei denen man mucksmäuschenstill herumsitzen muss. „Dabei gibt es doch nicht nur so viele verschiedene Lesungen, sondern auch der Literaturbegriff ist nicht eindeutig definiert“, sagt auch Judith Vater, die Leiterin des Haldensleber Museums. Veranstaltungen werden im Rahmen der Stadtliteraturtage natürlich auch in bewährter Form stattfinden – so laden unter anderem das Museum, die Kulturfabrik und die Stadtbibliothek zu Lesungen ein.

Hinzu kommen sollen aber eben diesmal auch ungewöhnliche Orte. „Wir rufen jeden Haldensleber auf, dabei zu sein“, sagt Renate Schmidt. Vielleicht wolle der eine oder andere schon lange mal sein hübsches Wohnzimmer für eine kulturelle Veranstaltung öffnen. Ob Schrebergarten, Garage, Partykeller oder Wohnwagen: Lesungen sind an allen möglichen Orten denkbar. Ein Bürger, der gern mitmachen würde, muss nicht zwangsläufig auch gleich einen Autor für „seine“ Lesung parat haben. „Melden Sie sich einfach bei uns und wir helfen Ihnen gern bei der Organisation“, sagt Renate Schmidt. Willkommen sei zudem jeder, der selbst Literatur zum Besten geben möchte, sagt wiederum Judith Vater. „Vielleicht kann jemand ja die Gebrauchsanweisung für seine Trompete so redegewand vortragen, dass wir ihn unbedingt lesen lassen müssen. Wenn er dann noch auf dem Instrument spielt, haben wir schon eine besondere Veranstaltung“, erfindet sie mit einem Augenzwinkern eine denkbare Situation.

Programm Anfang Juni fertig

Das Programmheft für die Stadtliteraturtage, die konkret vom 23. September bis 3. Oktober stattfinden, soll bereits Anfang Juni fertig sein. Jeder, der sich beteiligen möchte und mit seinem Part im Programmheft erscheinen möchte, wird deshalb gebeten, sich bis zum 28. April bei Renate Schmidt unter Telefon 03904/47 93 31 oder per E-Mail an renate.schmidt@haldensleben.de zu melden. Möglich sei auch eine finanzielle Förderung einzelner Projekte durch die Stadt, erklärt Renate Schmidt. Um eine rechtzeitige Bearbeitung gewährleisten zu können, sollten Antragstellungen aber schon bis zum 13. April erfolgen.