Haldensleben l Der Sternenmarkt sorgt in der Vorweihnachtszeit für Gemütlichkeit, eine besinnliche Stimmung und eine schöne Zeit mit Freunden und der Familie. Für die Budenbesitzer und Veranstalter ist es normalerweise das komplette Gegenteil: viel Stress und Arbeit. Dennoch ist das Weihnachtsgeschäft für sie ein wichtiger Teil ihres Jahresgewinns, deshalb hat sie die Absage der Veranstaltung hart getroffen. Wie gehen sie damit um und was bedeutet das für ihre Zukunft?

Jens Ganso ist mit seiner Eisbahn und den Buden mit Glühwein oder Bratwurst schon seit zehn Jahren ein fester Bestandteil des Sternenmarkts. „Wir waren immer gerne in Haldensleben“, sagt er. Mit der Absage spitze sich für ihn und sein Unternehmen die Situation weiter zu. Dennoch sei es eine vernünftige Entscheidung gewesen, bekräftigt Ganso.

Die Folgen für den Unternehmer sind gravierend, da seine Veranstaltungsfirma in vier weiteren Städten mit weiteren Attraktionen und Buden vertreten wäre. Die große Eisenbahn, die Jens Ganso erst im Herbst gekauft hat, wird vorerst stillstehen. Alles steht jetzt in seiner Lagerhalle und staube zu. Für die 40 bis 50 Angestellten von Ganso bedeutet das ebenfalls eine Umstellung und einen Jobwechsel. Sie können momentan nicht arbeiten, da alles im Unternehmen still steht. Weiterhin bezahlen kann sie Jens Ganso nicht, er musste ihnen kündigen. Die Winterzeit und der Sternenmarkt wären für Jens Ganso die wichtigsten Einnahmen des Jahres. Trotz dieser herben Rückschläge müsse man weiterhin positiv denken, betont er.

Ruhigste Weihnachtssaison

Ähnlich sieht das auch der Haldensleber Gastronom Sascha Oldenburg. Die diesjährige Weihnachtssaison ist für ihn und seine Mitarbeiter die bisher ruhigste, erzählt er. „Dass das Weihnachtsgeschäft ausfällt, ist eine Katastrophe“, sagt er. Der November und Dezember machen bei ihm ein Viertel seines Jahreseinkommens aus. Mit finanzieller Hilfen vom Staat rechnet Oldenburg erst im neuen Jahr. Dennoch bleibt Sascha Oldenburg optimistisch: „Es gibt zwar an der aktuellen Situation nichts schönzureden, aber es könnte auch noch schlimmer sein.“ Bei ihm seien alle Mitarbeiter in Kurzarbeit, entlassen musste er vorerst niemanden.

„Wir haben uns trotzdem gesagt, dass wir etwas gegen diese schwierige Zeit setzen wollen und den Leuten eine Abwechslung bieten wollen“, erklärt Oldenburg. So entstand die Idee einer „Quer über den Weihnachtsmarkt“-Box mit Glühwein, Grünkohl und anderen Spezialitäten, die Sascha Oldenburg und sein Team sonst auf dem Sternenmarkt anbieten. „So wie unser Weihnachtsmarktstand normal stattfindet, gibt es ihn nun in einer kleineren Version für Zuhause“, erklärt der Koch. Es sei zwar in wirtschaftlicher Sicht nur ein Tropfen auf dem heißen Stein, aber für die Menschen eine kleine Aufmunterung. „Wir haben schon positives Feedback bekommen: Kürzlich hat uns eine Familie angerufen und uns erzählt, dass sie es sich mit den Leckereien der Box in ihrem Garten gemütlich gemacht haben“, berichtet er.

Mit finanziellen Einbußen hat auch Dimitar Jabs mit seinem mobilen Irish Pub und seiner Whisky-Kutsche zu kämpfen, die normalerweise auch auf dem Sternenmarkt zu finden ist. „Ein Drittel unseres Jahresumsatzes fällt weg, da alle Weihnachtsmärkte, auf denen wir sonst gewesen wären ausfallen“, so Jabs.

Die vielen Musiker die sonst für gute Unterhaltung sorgen würden, träfe es noch härter, so Jabs: „Sie sind alle selbständig und für sie sieht es noch schlechter aus.“ Die Folgen seien noch nicht wirklich abzusehen. Die Alternative, einen Lieferservice oder Online-Handel anzubieten, sei für ihn wenig zielführend, da der Markt bereits sehr gesättigt sei. „Es ist im Moment ein Stillstand“, so Dimitar Jabs.