Haldensleben l Der Draht, der um das Wiesengrundstück hinter der Ohrelandhalle verläuft, hängt auf allen vier Seiten auf dem Boden. „Sechs Mal hat er rundherum den Draht zerschnitten. Er muss wie im Rausch gewesen sein“, vermutet Holger Schulze beim Anblick der Umzäunung seiner Pferdekoppel.

Vor Kurzem hat in den frühen Morgenstunden ein zunächst Unbekannter die Zäune mehrerer Koppeln von Holger Schulze und seinen Nachbarn zerstört und die Pferde herausgetrieben. „Von alleine laufen die normalerweise nicht los“, sagt Holger Schulze.

Täter ist Polizei bereits bekannt

Dieser Vorfall war der Höhepunkt einer kleinen Serie. Angefangen hatte alles am Donnerstag, 13. September. An diesem Tag fand der Pferdebesitzer seine Koppel das erste Mal leer vor. „Der Draht hing runter und zunächst dachte ich, da sei ein Pfahl abgebrochen“, erzählt Holger Schulze. Die beiden entlaufenen Pferde konnten zum Glück rasch wieder eingefangen werden.

Eine Woche später in der Nacht von Freitag zu Sonnabend wurde er dann von einem Anruf der Polizei geweckt. Gleich mehrere Zäune waren beschädigt, das Tor eines fest verbauten Stalls mit Gewalt aufgebrochen worden. Drei Pferde und mehrere Ponys waren in der Stadt unterwegs. Ein Teil der Tiere konnte am Ortsausgang eingefangen werden, den Rest fanden sie in der Nähe vom Landratsamt. Notdürftig flickten Holger Schulze und seine Nachbarn die Zäune.

„Wir waren erst um viertel fünf zu Hause. Um viertel acht klingelte bereits erneut das Telefon.“ Wieder waren die Zäune geöffnet worden und die Pferde mussten ein drittes Mal eingefangen werden.

Als er sich die Wiese an der Ohrelandhalle genauer ansah, bemerkte Holger Schulze Spuren von Fahrradreifen. Beim Anblick den Profilabdrucks erinnerte er sich an einen jungen Mann mit Fahrrad, den er am Tag zuvor dabei beobachtet hatte, wie er die Pferde mit Äpfeln fütterte.

Pferdehalter fahren Patrouille

Zufälligerweise fand er den Mann auch am Sonnabendnachmittag wieder an der Koppel. Dieses Mal sprach er ihn an. „Ich fragte ihn, ob ihm die Pferde gefallen könnten und er antwortete, dass sie nichts zu fressen hätten. Als ich erwiderte, die Pferde bekämen doch Heu, wurde sein Ton sofort rauer. ‚Pferde brauchen frisches Gras‘ sagte er mir und haute ab.“ Er gab die Beschreibung des Fremden an die Polizei weiter, die ihn am Sonntag stellen konnte. Das Tatwerkzeug hätte er im Rucksack dabei gehabt, so Holger Schulze.

„Der 38-jährige Beschuldigte ist namentlich bekannt gemacht und ein Ermittlungsverfahren wegen Sachbeschädigung und Hausfriedensbruchs eingeleitet worden“, bestätigt Polizeisprecher Joachim Albrecht. Außerdem sei dem polizeilich nicht ganz Unbekannten ein Platzverweis erteilt worden. Bis es zu einer Vorladung und Vernehmung kommt, rät Joachim Albrecht den Anwohnern zu kontrollieren, „dass er das nicht nochmal macht“. Das haben auch Holger Schulze und seine Nachbarn vor. Sie seien die letzten Tage regelmäßig nachts Patrouille gefahren. Trotzdem ist die Verunsicherung groß.

Gefahr für Tiere und Menschen

„Wie sollen wir uns schützen, wenn jemandem etwas passiert?“, fragt Holger Schulze. Er befürchtet, für einen eventuell durch die Pferde entstehenden Schaden geradestehen zu müssen, sollte der Täter nicht zahlungsfähig sein.

„Wenn Pferde in Panik geraten, lassen sie sich durch nichts aufhalten“, weiß Holger Schulze. „Wir hatten wirklich Dusel, dass bisher niemandem etwas passiert ist.“ Davon ausgenommen sind die Pferde, deren deutlich sichtbare Blessuren auf die Begegnungen mit ihren Artgenossen schließen lassen – auch für die Tiere kann es gefährlich werden, wenn sie unkontrolliert aufeinander treffen.