Haldensleben l Das Coronavirus macht viele Menschen unsicher. Kann ich den Termin beim HNO-Arzt ohne Bedenken wahrnehmen? Habe ich Corona-Symptome? Im Telefonforum des Ameos-Klinikums Haldensleben und der Volksstimme standen zwei Ärzte Rede und Antwort.

Frage: Ich habe eine Pollenallergie und habe im Sommer damit zu kämpfen. Mein Immunsystem ist in diesem Fall geschwächt. Bin ich damit anfälliger für eine Ansteckung mit dem Coronavirus?
Es gibt keine Beweise dafür, dass Allergiker oder Asthmatiker, die mit ihren Medikamenten gut eingestellt sind, anfälliger für eine Corona-Infektion sind. Die Empfehlung ist, dass Patienten die Medikamente weiterhin regelmäßig einnehmen sollten. Das gilt für Allergie-Sprays genauso wie für Allergie-Tabletten und eine Hyposensibilisierung. Die Behandlung sollte wegen des Coronavirus nicht gestoppt werden.

Kann das Atmen durch den Mund-Nasen-Schutz, wie man ihn derzeit beim Einkaufen tragen muss, gefährlich sein?
Bisher gibt es dafür keine Hinweise. Man sollte die Maske in regelmäßigen Abständen wechseln, um sich selbst nicht mit den eigenen Keimen oder jenen von außen zu belasten. Die Atembestandteile, die man ausatmet, wie beispielsweise Kohlenstoffdioxid, sind nicht gefährlich. Für Asthmatiker ist es natürlich schwieriger, durch diese Maske zu atmen. Man ist schneller erschöpft. Auch wir als Ärzte merken im Operationssaal, dass das Atmen durch dickere Masken schwieriger sind. Dabei kommt es auf den Stoff der Maske an. Auch Kinder können diese Mund-Nasen-Bedeckungen ohne Bedenken tragen. Ein leichterer Stoff ist dabei für ein angenehmes Atmen hilfreich.

Bilder

Ich hatte im Herbst 2019 eine Erkältung. Seither habe ich kaum noch Geruchs- und Geschmackssinn. Kann ich darauf hoffen, dass mein Geruchssinn je wiederkommt?
In der Altersgruppe ab 60 Jahren kommt es gehäuft bei Frauen vor, dass Geschmack- und Geruchssinn sich nach einem banalen Virusinfekt nicht mehr erholen. Ein MRT (Anm. d. Red.: Kurzform für Magnetresonanztomographie) ist sinnvoll, um eine chronische Entzündung auszuschließen. Eine Möglichkeit zur Behandlung wäre ein Cortison-Nasenspray. Sie könnten aber auch ein langfristiges Riechtraining absolvieren. Dabei nehmen Sie sich morgens und abends fünf Lebensmittel, an denen Sie riechen. Beispiele könnten Zitrone oder Kaffee sein. Nehmen Sie immer die gleichen Lebensmittel und machen Sie dies mehrere Monate lang. Etwa vierteljährlich sollten sie die Riechstoffe wechseln. In der Nase sitzen die einzigen Nervenzellen, die wieder nachwachsen können. Bei etwa einem Drittel der Betroffenen erholen sich die Nerven wieder. Wichtig ist in Ihrem falle, dass Sie Rauch- und Gasmelder in Ihrer Wohnung installieren, um die Gefahr durch ihren verlorenen Geruchssinn zu bannen.

Kann das Coronavirus über Oberflächen übertragen werden?
Das Coronavirus überträgt sich in der Regel als Tröpfcheninfektion, nicht als Schmierinfektion. Die Infektion wird also über Aerosole und die Luft, die wir einatmen, übertragen. Die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung über Oberflächen ist gering – sie liegt etwa bei fünf bis zehn Prozent. Die ständige Desinfektion von Oberflächen und Händen ist deshalb übertrieben. Es gibt natürlich ein gutes Gefühl, aber einen Effekt bringt es nicht wirklich. Sinnvoll hingegen ist das ausgiebige Händewaschen, insbesondere nach dem Niesen und Husten, um die Tröpfen nicht weiterzugeben. Ebenso entscheidend ist der Mindestabstand untereinander.

Ich habe Angst, dass ich mich beim Arzt mit dem Coronavirus anstecke, da Abstand bei der Behandlung kaum möglich ist. Welche Sicherheitsvorkehrungen sind im HNO-Bereich getroffen wurden?
Wir haben den gesamten Ambulanzbereich neu organisiert. Beispielsweise wurde das Wartezimmer ausgeweitet, um den Mindestabstand zwischen den Patienten zu gewährleisten. Die Einbestellungen der Patienten sind reduziert und zeitlich so angepasst worden, um den Aufenthalt möglichst kurz zu halten. Ebenfalls müssen Patienten einen Fragebogen zum Gesundheitszustand sowie Kontakten zu Covid-19-Patienten ausfüllen, bevor sie behandelt werden. Zusätzlich machen wir vor jeder Operation einen Corona-Test beim Patienten. Außerdem sind wir vom Mund-Nasen-Schutz auf die sogenannten FFP2-Masken gewechselt, die einen besseren Schutz für das Personal bieten. Diese filtrierenden Halbmasken bieten im Gegensatz zu den anderen Maskenarten nicht nur einen Fremd-, sondern auch einen Eigenschutz.

Ich habe von mehreren Arten des Corona-Tests gehört. Wo ist der Unterschied?
Um eine Akutinfektion auszuschließen, bringt nur der tiefe Nasen- und Rachenabstrich sinnvolle Ergebnisse. Dort kann man feststellen, ob der Virus vorhanden ist. Das kann bei einem asymptomatischen Patienten sein, bei Personen mit akuten Symptomen oder auch bei Menschen, die das Virus bereits überstanden haben. Auch drei bis vier Wochen nach der Infektion kann der Abstrich noch positiv sein, auch wenn die Menschen dann nicht mehr infektiös sind. Die zweite Variante sind Antikörpertests. Sie zeigen im Blut, ob sich der Körper schon einmal mit dem Virus auseinandergesetzt hat. Diese Tests bringen allerdings erst vier Wochen nach der Infektion Ergebnisse. Wenn eine Person Antikörper aufweist, heißt das jedoch nicht, dass sich die Person dann nicht noch einmal mit dem Coronavirus anstecken an. Wir gehen davon aus, dass zwei bis drei Jahre eine Art Infektionsschutz besteht, aber klar bewiesen ist das noch nicht. Durch die Antikörpertests in der Bevölkerung könnte man jedoch sehen, welche Menschen das Virus vielleicht auch ohne Symptome durchstanden haben. Dann wäre die Dunkelziffer ein wenig klarer. Als dritte Möglichkeit gibt es noch CT-Scans (Anm. d. Red.: Computertomographie), denn aufgrund der Veränderungen in der Lunge ist die durch das Coronavirus ausgelöste Erkrankung Covid 19 deutlich zu erkennen. Allerdings ist das eine recht kostenintensive Variante, auf die selten zurückgegriffen wird.

Ich habe eine chronische Nebenhöhlenentzündung und habe Angst, dass das Cortison meinen Körper schwächt. Was kann ich tun?
Hier kann man raten, die Behandlung damit wie bisher fortzusetzen. Damit bleibt die Schleimhaut intakt und stellt eine gute Barriere dar. Es könnte sonst zu einer zusätzlichen Entzündung kommen. Langfristig kann eine Operation notwendig werden, wenn die dauerhafte Behandlung mit Cortison keine ausreichende Linderung bringt.

Viele sprechen von einer „zweiten Welle“ des Coronavirus im Herbst. Wie wahrscheinlich ist das?
Dies hängt von den Zahlen der Infizierten zu diesem Zeitpunkt ab. Natürlich könnte sie kommen, aber man muss sagen, dass das Gesundheitssystem in Deutschland bisher nicht an seine Grenzen gestoßen ist. Eine zweite Welle wäre eine Katastrophe für unser Land, insbesondere für die Wirtschaft und damit den Wohlstand unseres Landes. Schon jetzt müssen die Folgegenerationen die Kosten der massiven Unterstützungs- und Konjunkturprogramme mittragen. Aus medizinischer Sicht ist das Gesundheitssystem ist darauf vorbereitet, aber ohne wirksame Therapie oder Impfung auch nur unterstützend an den Covid-19-Patienten tätig. Durch die Abstandsregeln und die Sicherheitsvorkehrungen könnte jedoch auch das Gegenteil passieren, nämlich dass die Kurve an Erkrankten weiter abebbt. Die derzeitigen Verhaltensregeln mit Mindestabstand und Mund-Nasen-Maske könnten sich auch auf anderen Viruserkrankungen wie die Grippewelle positiv auswirken. Ob das allerdings dauerhaft gut für das Immunsystem ist, ist eine andere Frage.