Satuelle l Ein besonderer Fall der Tierbeschlagnahmung hat sich vor Kurzem im Landkreis Börde ereignet. Eine Frau hatte seit Jahren Kleintiere gehortet und sie nicht artgerecht behandelt.

Dabei handelt es sich um einen speziellen Fall des Messie-Syndroms. Am Ende betrug die Zahl 276 Tiere, nämlich 88 Zwergkaninchen und 188 Meerschweinchen. Nachdem das Veterinäramt darauf aufmerksam wurde, wurden die Säuger konfisziert und dem Tierheim in Satuelle übergeben.

„Die Tiere haben sich ungehindert immer weiter vermehrt. Viele der Tiere sind auch derzeit trächtig. Außerdem weisen einige von ihnen Bissspuren auf, was bei Tieren in Stresssituationen leider häufig vorkommt“ zeigt sich Kathrin Behrends bestürzt. Sie ist Leiterin des Tierheims.

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88 Zwergkaninchen

Bei der Frau handele es sich laut Behrends um eine Züchterin, die die Tiere zum Verkauf großgezogen, aber dann die Kontrolle darüber verloren habe. „Das war nicht das erste Mal, dass Tiere von ihr abgeholt werden mussten. Sie hat vom Veterinäramt bereits ein Tierhalteverbot bekommen, doch hat sich nicht daran gehalten. Einmal Tiermessie, immer Tiermessie“, sagt Behrends kopfschüttelnd.

„Sich als Einzelperson um fast 300 Tiere zu kümmern, geht einfach nicht. Wir sind hier im Tierheim schon alle den ganzen Tag zugange, um die Tiere zu versorgen. Gerade bei solch einem Wetter wie jetzt, brauchen die Tiere andauernd frisches Wasser“, so die Tierheimleiterin weiter.

Es sei zwar genügend Platz für die Tiere da und die Mitarbeiter hätten extra ein Freigehege gebaut, dennoch sei das nur eine Notlösung. Behrends wünscht sich, dass sie schnellstmöglich ein neues Zuhause bekommen. Auch über anderweitige Unterstützung, beispielsweise in Form von Heu, Stroh und Möhren würden sich die Mitarbeiter des Tierheims sehr freuen.

Beschlagnahmungen kommen zuweilen vor

Es handele sich nicht um das erste Mal, dass eine so große Anzahl an Tieren vom Veterinäramt beschlagnahmt und in das Tierheim gebracht wurden. „Wir hatten diesen Fall bereits bei Geflügel. So viele Kaninchen und Meerschweinchen kamen jedoch noch nie auf einen Schlag zu uns“, so Behrends, die bereits seit 21 Jahren im Tierheim Satuelle arbeitet.

Auch Uwe Baumgart, Pressesprecher des Landkreises Börde, sagt, dass solche Beschlagnahmungen zuweilen vorkämen. Die Fallzahlen dazu lägen aber jährlich im unteren einstelligen Bereich. Der exotischste Fall in diesem Zusammenhang ereignete sich laut Baumgart vor zwei Jahren um die Weihnachtszeit.

Dabei wurden einem Mann aus Zielitz zwei Löwenbabies abgenommen. Er hatte die Tiere im Internet aus Rumänien bestellt. Die Raubkatzen wurden zunächst in den Zoo Magdeburg gebracht und anschließend an ein Tiergehege in Spanien übergeben.