Haldensleben l Es wird gesägt, gesprengt und zerschossen – Vandalismus im öffentlichen Raum ist ein Thema, mit dem einige Gemeinden und Städte des Landkreises schwer zu kämpfen haben. Dabei sind die Täter oft nur schwer greifbar, denn wenn ihre Taten auffallen, sind sie längst verschwunden. Für den Schaden zahlt der Steuerzahler.

Dabei zeigen die Zahlen der Polizei, dass die Fälle von Beschädigungen im öffentlichen Raum kaum zugenommen haben. Im Vergleich zum Jahr 2013 sind die Beschädigungen in Oschersleben und Wanzleben angestiegen, in Wolmirstedt sind sie nahezu gleich geblieben und in Haldensleben im Fünfjahresvergleich sogar zurückgegangen. Gab es hier 2013 noch 29 Sachbeschädigungen auf öffentlichem Grund, waren es 2018 nur noch 23. Insgesamt stiegen die gemeldeten Fälle im gesamten Landkreis von 210 im Jahr 2013 auf 238 im vergangenen Jahr an.

Trotzdem gibt es in vielen Städten und Gemeinden Plätze, die für Vandalismus geradezu bekannt sind. In der Kreisstadt ist die Hagenstraße in der Innenstadt immer wieder Ziel von Vandalismus. Die kurioseste Meldung gab es im April 2018, als eine Linde auf dem Alten Friedhof gefällt wurde. Der Baum war zehn Meter hoch und hatte einen Stammdurchschnitt von 20 Zentimetern. Die Täter wurden nie gefasst.

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In Wolmirstedt beschweren sich Anwohner zunehmend über Scherben und Müll auf der Schlossdomäne. Auch das Flüsschen Ohre wird immer wieder vermüllt. In der öffentlichen Rathaustoilette in der Innenstadt wurde bereits mehrfach gezündelt. In Wanzleben ist der Brunnen am Roßbachplatz mehrmals beschädigt worden. Der Busbahnhof in Oschersleben ist ebenfalls immer wieder von Vandalen heimgesucht worden.

Sprengung im Herzstück

Die wohl heftigste Zerstörung musste die Stadt Wolmirstedt auf der Schlossdomäne, dem Herzstück Wolmirstedts, hinnehmen. Dort wurde im März 2019 eine bronzene Gerberfigur, die dem einstigen Handwerk in der Stadt gewidmet war, regelrecht gesprengt. Gegen 2.30 Uhr hörten Anwohner die Detonation, anschließend war Rauch zu sehen. Die Figur ist hin, 30.000 Euro Schaden sind entstanden. Die Schlossdomäne macht der Stadt schon seit längerer Zeit zu schaffen. Schon vor der Sprengung des Gerberbrunnens hat es in diesem Areal viele Schäden durch Vandalismus gegeben, außerdem wurde dort viel Unrat hinterlassen.

Die Stadt Wolmirstedt hat sich eine Lösung für das Problem überlegt: Die Schlossdomäne soll per Video überwacht werden. Dazu werden sogenannte Dome-Kameras mit jeweils 180 Grad Blickrichtung angebracht. Die Bilder werden durch eine Sicherheitsfirma beobachtet und bei Bedarf Alarm ausgelöst. Das belastet die Stadtkasse mit insgesamt 15.000 Euro.

Eine ähnliche Lösung hat sich auch die Gemeinde Barleben für ihr spezielles Vandalismus-Problem überlegt. Ihnen macht vor allem die junge Generation zu schaffen, die sich in Scharen von bis zu 100 Personen am Wochenende vor dem Rathaus trifft und nichts als Scherben und Unrat hinterlässt. Sogar Kleidercontainer haben schon gebrannt. Die gusseisernen Streben am Geländer des Rathauses wurden von den Jugendlichen gewaltsam herausgerissen. In mehreren Gesprächen hat sich die Verwaltung mit den Jugendlichen verständigt, doch das Problem konnte nicht in den Griff gebracht werden. Nun soll die Videoüberwachung helfen, das Problem zu minimieren.

Doch eine Vertreibung der Jugendlichen führt nur selten zu einer Lösung. „Die Brennpunkte verlagern sich meist nur“, bestätigt Gerald Tiedge, Streetworker der Stadt Haldensleben. In seiner Arbeit sucht er Jugendliche im Stadtgebiet auf und hilft bei sämtlichen Problemlagen. Es sei typisch für Jugendliche, dass sie sich im öffentlichen Raum aufhalten wollen. Er warnt jedoch davor, die Jugendlichen grundsätzlich verantwortlich zu machen, wenn es um Vandalismus gehe. „Der Norm- und Werteverfall ist kein neues Phänomen und betrifft auch nicht nur Jugendliche“, sagt er.

Ob Graffiti an den Wänden der Haldensleber Ohrelandhalle, angezündete Bücher in der Wanzleber Sarre-Sporthalle oder Klapptische unter Wasser im Schwimmbad Altenweddingen – die Probleme mit Vandalismus sind zwar nicht neu, werden aber scheinbar heftiger. Und während einige Städte und Gemeinden Lösungen wie die Videoüberwachung gewählt haben, können andere nur tatenlos zusehen und den Vandalen die Scherben hinterherfegen.