Zur Person

Jan Weiler, 1967 in Düsseldorf geboren, arbeitete elf Jahre lang beim Süddeutsche Zeitung Magazin in unterschiedlichen Funktionen – die letzten fünf Jahre als Chefredakteur.

Nach einem Darmdurchbruch kündigte er den Chefposten und wurde als freier Schriftsteller aktiv.

Seither verfasst Jan Weiler Romane - bekannt sind vor allem das Buch „Maria, ihm schmeckt‘s nicht!“ und die Pubertier-Bände. Außerdem schreibt er Kolumnen, Hörspiele und Drehbücher.

Seit 2005 unternimmt der Autor auch Lesereisen durch ganz Deutschland.

Volksstimme: Herr Weiler, Ihr drittes Buch über die seltsamen Pubertiere heißt „Und ewig schläft das Pubertier“. Wie gehen Ihre Forschungen über die Spezies voran?
Jan Weiler:
Sie entwickelt sich weiter. Die Geschichten über die Pubertiere sind Teil der Zeitungskolumne „Mein Leben als Mensch“. Der Schreibstoff über die Kinder geht nie aus – auch wenn es nie um meine eigenen Kinder geht. Die Figuren in den Kolumnen sind erfunden, der Stoff kommt von Erzählungen. Das Drama in allen Familien ist ja: Eigentlich passiert gar nicht so viel. Wir sind auch eine ganze normale Familie.

Ein Date der Buchtochter Carla geht mit Magenbeschwerden zu Ende, weil die Suppe im Jahr 1993 abgelaufen war. Wohlwissend haben Sie als Vater ihr dazu geraten. Dürfen Eltern manchmal ihren Rachegelüsten nachgehen?
Aber sicher. Solange die Rache auf diesem Niveau abläuft, ist die elterliche Rache meines Erachtens grundsätzlich erlaubt. Und wenn ein Jugendlicher zum ersten Mal Wäsche aufhängt, die aber noch trocken und dreckig ist, dann muss das Pubertier da einfach selbständig durch – mit einem Schmunzeln meinerseits.

Ihre Tour führt durch mehr als 50 Städte Deutschlands. Haldensleben stellt sicher einen besonderen Halt dar.
Haldensleben stellt in der Tat einen sehr besonderen Halt dar, weil ich noch nie dort war. Es ist für mich einer der letzten weißen Flecken auf der Landkarte von Deutschland, der Rest ist abgegrast. Ich habe mir auferlegt, jeden Tag sieben Kilometer spazieren zu gehen. In Großstädten wie Hamburg sind diese Kilometer schnell abgelaufen, weil man so viele Dinge entdecken und sehen kann. In Haldensleben könnte ich mir vorstellen, dass sieben Kilometer sich ganz schön lang anfühlen können.

Für Ihre Bücher nehmen Sie eine Beobachterrolle ein. Können Sie Momente noch bewusst genießen?
Ich muss ein Beobachter sein. Ich empfinde das als persönliches Defizit, aber es ist eben so. Egal, ob ich auf Weihnachtsmärkten bin oder in Haldensleben aus der Bahn stolpere: Ich bin immer Beobachter. Ich höre auch immer zu, wenn Menschen sich unterhalten.

Ihre Diagnose 2004: Darmdurchbruch, Notarzt, Intensivstation. Wie haben Sie trotz dieses Umbruchs das Lachen nicht verlernt?
Es gab nicht viel zu verlernen. (lacht) Es war ein schwerer Einschnitt ins Leben. Irgendjemand möchte einem mitteilen: Ändere dein Leben. Da muss man genau zuhören und Dinge im Leben ändern. Ich bin auch heute noch dabei, diese Dinge zu lernen. Ich bin einfach ein Arbeitsmensch, kann schlecht abschalten. Am Wichtigsten ist doch: Ich habe daraus gelernt und kann mein Leben jetzt besser leben.

Die Lesung von Jan Weiler findet am 23. Januar 2018 um 19 Uhr in der Kulturfabrik Haldensleben statt.