Schackensleben l „Das war natürlich ein erhebender Moment, den ich mit Familienanghörigen und langjährigen Weggefährten geteilt habe“, erzählt die 69-jährige Schackensleberin von der Auszeichnungsveranstaltung mit Ministerpräsident Reiner Haseloff in der Staatskanzlei. „Diese haben einen großen Anteil daran, dass es zu der Verleihung gekommen ist. Ohne ihre Unterstützung wäre das nicht möglich gewesen.“ Um nach Ehren zu streben, habe sie ihr Leben und das Engagement aber nicht ausgerichtet. „Es ging mir immer darum, der Gesellschaft zu dienen. Es gibt nichts Schöneres, als Werte schaffen zu dürfen und Hilfe in vielfältiger Weise zu geben“, sagt sie.

Die bescheidene, gläubige Christin zitiert: „An den Taten sollst du sie erkennen“, und fügt schmunzelnd hinzu: „Und nicht an den Auszeichnungen.“ Die hohe Ehre sei ihr auch erst im Nachgang wirklich bewusst geworden. „Das braucht schon einige Tage, um die Dimension zu erfassen.“ Dann spricht sie über ihren Lebensweg, der schließlich zu diesem besonderen Moment geführt hat.

Als Rinderzüchterin begonnen

Rosemarie Kaatz begann einst eine Ausbildung als Rinderzüchterin in der LPG in Schackensleben und war dann dort tätig. Sie absolvierte die Meisterprüfung, die Fachhochschule und wurde Diplom-Agraringenieur. „In Schackensleben bin ich geboren und dort wohne ich auch heute noch“, sagt die engagierte Frau. Sie hat 1968 geheiratet, zwei Söhne aufgezogen und ist heute ganz stolz auf fünf Enkel.

Anfang der 1970-er Jahre war sie mit 21 Jahren die jüngste Kirchenälteste der Region, später auch in der Kreissynode tätig. Ihre politische Laufbahn begann sie in der Bauernpartei. In der Wendezeit wurde sie das erste Mal in den Gemeinderat gewählt. Dieser kürte sie wiederum zur Bürgermeisterin. Im Jahr 1990 zog sie erstmals in den neuen Kreistag ein – und das noch für die Bauernpartei. In der Folge ging die Bauernpartei in der CDU auf. „Damit hatte ich kein Problem, das entsprechende Verständnis für die Ziele der Partei war da und ich konnte mich von Anfang an gut damit identifizieren“, sagt sie.

Begeisterung für kommunale Arbeit

Die kommunale Arbeit nahm sie von Beginn an gefangen und begeisterte sie. „Die Wendezeit würde ich heute mit etwas wild umschreiben“, sagt sie. „Wir mussten uns alle eingewöhnen, die neuen Gesetze und Vorschriften verinnerlichen. Manchmal gab es auch noch keine richtigen Regelungen. Das haben wir uns dann alles erarbeitet.“ Zunächst tagten die Kreistage an Sonnabenden und dann mittwochs. Es sei seinerzeit ein gewaltiger Kraft- und Zeitaufwand gewesen. „Wir konnten jedoch vieles erreichen, was heute so nicht mehr möglich ist“, sagt Rosemarie Kaatz. „Gehandelt haben wir nach bestem Wissen und Gewissen.“ Im Kreistag war sie von 1994 bis 2007 als Vorsitzende aktiv, danach übernahm sie bis 2014 die Position der Stellvertreterin. Dabei war sie schon Mitglied in unzähligen Ausschüssen und Arbeitskreisen.

Bis 1994 hatte sie den Bürgermeisterposten in ihrem Heimatort inne, dann wechselte sie in die Verwaltung. „Von da an habe ich in der Verwaltungsgemeinschaft Nördliche Börde gearbeitet“, erzählt sie. So war sie Hauptamtsleiterin und im Ordnungsamt tätig. Diese Funktion nahm sie auch in der späteren Gemeinde Hohe Börde noch wahr, bevor sie in den Ruhestand ging.

Mit Stiftung Neinstedt verbunden

Nahezu ein Leben lang begleitet sie schon die evangelische Stiftung Neinstedt. „Die Verbindung kam über die Kirchengemeinde und das Schloss Detzel zustande“, sagt sie. „Es war immer üblich, dass wir Spenden übergaben.“ Da beide Häuser - Schloss Detzel und der spätere Hauptsitz Neinstedt - von der Familie Nathusius eingerichtet worden sind, sei schon immer eine gewisse Gemeinsamkeit gegeben gewesen. Als Präses im Kirchenkreis wurde Rosemarie Kaatz dann 1997 in das Kuratorium der Stiftung berufen und ist seit 2005 Vorsitzende dieses Gremiums.

„Uns sind viele Dinge gelungen, sowohl in der Stiftungsarbeit wie auch in unserem Landkreis“, resümiert sie rückblickend. „Allerdings gibt es auch Sachen, wo das nicht der Fall war.“ Ein wunder Punkt sei bei ihr immer noch der seinerzeit erfolgte Verkauf des Kreiskranknhauses in Haldensleben, den sie als nicht optimal empfindet.„Das haben wir erst kürzlich in der Stiftung mit der Lungenklinik in Ballenstedt besser gelöst“, fügt sie hinzu. Die Klinik ist inzwischen in das kreiseigene Harzklinikum eingegliedert worden. Das Haldensleber Klinikum ist privatisiert und wird von Ameos betrieben.

Präsidium des DRK

Seit dem Jahr 2001 ist Rosemarie Kaatz zudem im Präsidium des Deutschen Roten Kreuzes im Landkreis tätig. Seit 2004 bekleidet sie hier den Präsidentenposten, erst vor kurzem wurde sie in diesem Amt bestätigt. Auch im Verwaltungsausschuss der Sparkasse ist die 69-Jährige Mitglied. „Bei den Landfrauen in der Hohen Börde bin natürlich auch noch aktiv“, fügt die vielbeschäftigte Schackensleberin schmunzelnd hinzu.

In der Freizeit, die sie neben all ihren ehrenamtlichen Tätigkeiten immer noch findet, liest sie gern ein interessantes Buch im Sessel in der guten Stube.