Wedringen l Herbert Moldenhauer liebt die Ruhe. Auch deshalb ist er vor drei Jahren wieder nach Wedringen, seinen Geburtsort, zurückgekehrt. „Mit Wedringen verbinde ich Idylle und Kindheitserinnerungen“, sagt er. Aber an Ruhe und Idylle sei an der Dorfstraße mittlerweile nicht mehr zu denken.

Wenn Herbert Moldenhauer auf seinem Hof an der Dorfstraße 5 sitzt, dann hört er nicht nur normalen Verkehrslärm von Autos. Hier donnern täglich große Lastwagen, zum Teil 40-Tonner, über die enge Fahrbahn. Die Dorfstraße hat so ihre Tücken. „Sie hat vier Kurven und die sind alle gefährlich“, spricht Herbert Moldenhauer aus Erfahrung. Die erste Kurve müssen Kraftfahrzeuge schon gleich nach dem Befahren der Dorfstraße von der Magdeburger Straße aus, also der B 71, kommend nehmen. Sie beginnt hinter der Einmündung zur Straße der Einheit. Eine noch unübersichtlichere Kurve folgt wenige Meter später an der Kirche. Wer dort zu schnell ist, muss mitunter eine Vollbremsung hinlegen, vor allem wenn ein großer Lkw im Gegenverkehr wartet. Die Stelle ist so eng, dass der Fußweg dort hinter die Kirchmauer verlegt wurde, weil davor kein Platz dafür ist. Die dritte Kurve befindet sich hinter dem Anger, die letzte kurz vor der Ortsausfahrt in Richtung Hillersleben. Oft würden Verkehrsteilnehmer in den Kurven zu schnell fahren, erzählt Herbert Moldenhauer, das habe schon häufig zu brenzligen Situationen geführt.

Durchfahrtsverbot gefordert

Gravierender sei jedoch der Fakt, dass große Lastwagen täglich die Straße nutzen. Der Schwerlastverkehr, der sich über die Dorfstraße schiebe, habe mit der Bundesstraße 71 nichts zu tun, sagt Herbert Moldenhauer. „Bei uns fahren zum Beispiel die Lkws aus dem Kaliwerk Zielitz lang, die Salz für den Weitertransport zum Haldensleber Hafen bringen“, weiß er. Auch Sand aus der Sandkuhle Neuenhofe werde über die Dorfstraße an seine Bestimmungsorte gebracht. Die Fertigstellung der Wedringer Ortsumgehung würde laut Herbert Moldenhauer für die Anwohner der Dorfstraße darum nichts ändern. Denn die Lkw aus Zielitz und Neuenhofe würden weiter über die Dorfstraße donnern.

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Die großen Laster, die viele Tonnen wiegen, würden laut Moldenhauer nicht nur Lärm verursachen und die Fahrbahn schädigen. „Die Straße ist an vielen Stellen so eng, dass zwei 40-Tonner nicht aneinander vorbeipassen“, erklärt der Wedringer. Oft würden sie dann auf den Gehweg ausweichen, was nicht nur eine erhebliche Gefahr für Passanten bedeute, sondern schon mehrfach zu Beschädigungen an Hecken und Hauswänden geführt habe. Zudem würde das Gewicht der Laster und der Ladung in Verbindung mit erhöhter Geschwindigkeit zu Erschütterungen der Häuser führen, von denen die meisten weit über 100 Jahre alt seien.

Die Lkw, sagt Herbert Moldenhauer, würden Tag und Nacht fahren. Die Lärmbelästigung übersteige das zumutbare Maß. „Trotz neuer Schallschutzfenster ist an Nachtruhe nicht zu denken“, schreibt Herbert Moldenhauer in einem Brief, den er an den Fachdienst Straßenverkehr des Landkreises Börde geschickt hat. Darin bittet der Wedringer die Behörde, den Schwerlastverkehr in der Dorfstraße, die eine Kreisstraße ist, zu unterbinden. „Die erlaubte Geschwindigkeit herabzusetzen, würde in diesem Fall nichts bringen“, denkt Moldenhauer. Geholfen sei den Anwohnern der Wedringer Dorfstraße nur, wenn der Schwerlastverkehr ein Durchfahrtsverbot erhalte. Das sehen auch andere Anwohner so und unterzeichneten eine Unterschriftenliste, die der Wedringer seinem Schreiben an den Landkreis beifügte.

Eine Woche lang wird gemessen

Von dort bekam er prompt eine Antwort. „Straßenverkehrsrechtliche Maßnahmen wie Lkw-Fahrverbote (...) kommen grundsätzlich nur in Betracht, wenn die vom Straßenverkehr herrührenden Einwirkungen das nach allgemeiner Anschauung zumutbare Maß übersteigen“, heißt es in einem Schreiben vom Fachdienstleiter Straßenverkehr des Landkreises Börde, Jürgen Till. Eine Entscheidung darüber, ob verkehrsrechtliche Maßnahmen wie ein Fahrverbot erforderlich seien, könne erst getroffen werden, wenn Zahlen über eine Lärmbelastung vorlägen. Dafür wiederum sei sowohl eine Verkehrszählung als auch eine Lärmberechnung notwendig. Erst, wenn diese beiden Maßnahmen zeigen würden, dass tatsächlich eine erhöhte Belastung bestehe, könne der Landkreis einen Antrag bei der Fachaufsicht, dem Landesverwaltungsamt Halle, stellen.

Die nötige Verkehrszählung und die Lärmberechnung habe der Landkreis dem Schreiben von Jürgen Till zufolge umgehend beim Eigenbetrieb Straßenbau und -unterhaltung des Landkreises in Auftrag gegeben. Wann die Verkehrszählung umgesetzt werde, könne laut Birgit Heß, Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit beim Landkreis, nicht gesagt werden. Viel Zeit solle bis dahin allerdings nicht verstreichen. Damit ein vernünftiger Durchschnittswert ermittelt werden könne, laufe die Verkehrszählung Birgit Heß zufolge aber in der Regel fünf bis sieben Tage. Über das Ergebnis der Untersuchungen, so steht es im Brief, den Herbert Moldenhauer erhalten hat, werde er informiert.

Die Wedringer hoffen nun auf einen Ausschluss des Schwerlastverkehrs von ihrer Straße und darauf, dass dieser ihnen mehr Lebensqualität bringt.