Altenhausen/Süplingen l Seine Kindheit und Jugend verbrachte Helmut Taege in Süplingen. Bis er für seine eigene Familie 1960 das Haus in Altenhausen fertiggestellt hatte, gibt es sehr viele Erinnerungen an Süplingen. Zu diesen Wurzeln wollte Helmut Taege seine Kinder, Schwiegerkinder, Enkel und Urenkel einmal mitnehmen und lud zu einer Wanderung in die Vergangenheit ein.

Süplingen ist eine von vielen kleinen und größeren Brüchen und Canyons geprägte Landschaft, die einst zum Abbau von Bodenschätzen immer weiter geöffnet wurden.

Eine harte unvergessliche Kindheit

Er wuchs zu Kriegszeiten auf, hat erlebt, wie in den Jahren bis 1945 Zwangsarbeiter und Gefangene in den Tagebauen schuften mussten, in den Gefangenenlagern gequält und gepeinigt wurden und unter miserabelsten Bedingungen ihr Dasein fristeten. „Wenn man so etwas erlebt hat, vergisst man das nicht wieder“, sagt Helmut Taege. Die Baracke vom Hort, so weiß er bis heute, diente als Gefangenenunterkunft für jene, die an der Schmiede schuften mussten.

1945 befreiten Engländer und Amerikaner die Gefangenen und lösten das Lager in Süplingen auf. Von der Treuhandgesellschaft wechselten die Brüche 1949 in Volkseigentum, die VEB Zuschlagstoffe wurden gegründet.

Um seinen Nachfahren Auskunft geben zu können, hatte er in alten Dokumenten und Erinnerungen gestöbert. So wusste er, dass von 1882 bis 1919 der erste Steinbruch überhaupt bei Süplingen ausgebeutet wurde, ehe er einen neuen Besitzer fand. Das sogenannte Hainberg-Wasserloch wurde noch bis 1926 weiter genutzt, dann aber bewusst geflutet.

Spuren als Zeitzeugen

Hüsig I und II sowie der Steinbruch an der Schmiede folgten. Die schweren Steinbrecher, die in Loren herangekarrt wurden, klingen ihm bis heute in den Ohren, einer befand sich unmittelbar am Schmiede-Steinbruch.

Helmut Taege weiß noch, dass 1964 das Loch an der Schmiede mit Wasser volllief und seitdem dort wild gebadet wurde. Zehn Jahre später wurde aus dem Areal an der Schmiede ein Naherholungsgebiet, das bis heute fortbesteht. In den Wäldern sind Bungalows und Wochenenddomizile entstanden. Auch sind Spuren als Zeitzeugen der Vergangenheit zu entdecken, teilweise überdeckt von der Natur, teilweise aber auch noch sichtbar.

Der so genannte Canyon nordwestlich vom Ort befand sich 1919 im Besitz der Schulenburgs. Als der Graf das Gelände an die Kleinbahn AG verkaufte, wurde es 1925 weiter verpachtet und genutzt. Der Steinbruch brachte Quarz, Granit und Porphyr zutage. Die Pflastersteine für den Straßenbau, erinnert sich Helmut Taege, wurden damals mühsam mit der Hand geklopft.

Vom Canyon bis zu den Baracken

Im Jahr 1972 lief der Canyon voll. Seine Tief von rund 15 Metern bildet bis heute eine reizvolle Kulisse für Taucher. Vom Canyon wanderte der Familienverbund zu den Baracken am Ortsrand, die einstmals zehn Familien mit 32 Kindern Platz boten. Der Brunnen, aus dem die Familien lebten, war öfter mal leer, erinnert sich Helmut Taege, dann musste das Wasser vom Friedhof herangeschleppt werden.

Bis heute erinnert ein Gedenkstein auf dem Friedhof für 20 Gefangene, die in Süplingen ums Leben kamen, an die Zeit der Zwangsarbeit. Dorthin führte die Familie ein Weg.

Erinnerungen weitergeben

Zurück in Altenhausen, wo zur Stärkung gegrillt wurde, gab es noch viel zu erzählen. Fotos und Dokumente machten die Runde. Helmut Taege findet es wichtig, dass nachfolgende Generationen, auch wenn sie zum Glück nicht mit Krieg konfrontiert wurden, davon erfahren, um alles dafür zu tun, dass so etwas nicht noch einmal passiert.