Haldensleben l 175 Einsätze hat die Feuerwehr Haldensleben 2017 abgearbeitet - deutlich mehr, als in den Vorjahren. Der rasante Anstieg hatte einen Grund, wie Haldenslebens Stadtwehrleiter Frank Juhl bei einer Jahreshauptversammlung im Gerätehaus erläuterte. Allein 40 Einsätze waren wegen dreier Sturmtage nötig gewesen, an denen Orkane über Haldensleben fegten. 25 Einsätze erledigten die Haldensleber Kameraden bereits beim ersten Sturm am 22. Juni.

Zu weiteren Einsätzen gehörten unter anderem ein Wohnungsbrand durch Blitzeinschlag in Born und etliche Verkehrsunfälle, wie beispielsweise der Zusammenstoß eines Pkw mit einem Rettungswagen oder die Kollision eines Autos mit einem Streufahrzeug auf der Heidestraße. Zusätzlich wurden Ölspuren beseitigt, kleinere Brände gelöscht und der Rettungsdienst unterstützt, beispielsweise bei Türöffnungen. In der Regel rückte bei den Einsätzen das erste Feuerwehrfahrzeug nach sechs Minuten aus und war nach zehn Minuten an der Einsatzstelle. Teils konnte die Hilfsfrist von 12 Minuten aber auch nicht gehalten werden, erläuterte Frank Juhl.

Auch Ausbildungsstunden zählen zu den Tätigkeiten der Feuerwehr – am Standort Haldensleben wurden 2017 insgesamt 103 Stunden Ausbildung angeboten. Hinzu kamen externe Angebote, beispielsweise beim Wasser- und Schiffahrtsamt oder auf der A14 bei Colbitz.

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Kameraden den Kopf gewaschen

Zudem kommt die Feuerwehr vielen sozialen und gesellschaftlichen Funktionen nach. So besuchten Schulklassen und Kindergartengruppen das Gerätehaus, halfen die Kameraden bei Arbeitseinsätzen, bildeten im Caritas-Pflegeheim und bei der Volkssolidarität Brandschutz- und Evakuierungshelfer aus, begleiteten Räumungsübungen, die Teichentschlammung in Süplingen und etliche Veranstaltungen wie das Maibaumsetzen, Verkehrserziehungstage und Jubiläen von Einrichtungen.

All ihre Aufgaben deckte die Haldensleber Feuerwehr mit insgesamt 34 aktiven Kameraden ab. Im vergangenen Jahr verließen einige die Wehr, aber es kamen auch neue dazu. Der Bestand an Einsatzkräften sei ausgewogen, „es könnten aber ruhig noch ein paar mehr werden“, so Juhl. Er nutzte die Gelegenheit, um einigen Kameraden den Kopf zu waschen. Neben vielen fleißigen Mitgliedern gebe es wenige, die zum Dienst erscheinen, sich in Teilnehmerlisten eintragen und dann leise verschwinden, sowie andere, die an der Ausbildung kein Interesse hätten und nur zu Einsätzen mitfahren würden. Unter anderem dadurch habe die Feuerwehr Kameraden dabei, die ihre geforderten 40 Mindestausbildungsstunden 2017 nicht einhalten konnten. Im Großen und Ganzen lobte der Feuerwehrchef seine Mitglieder aber, dankte ihnen und auch ihren Familien für Engagement und Verständnis.

Kritik übte Frank Juhl allerdings auch an der Stadt Haldensleben und dem Landkreis Börde. So appellierte er an die Stadt als Arbeitgeber der Feuerwehr, Feuerwehrleute wieder vermehrt als Saisonkräfte für den Stadthof einzusetzen. Die Möglichkeit dazu sei mit dem Brandschutzgesetz geschaffen. „Es gab mal eine Vereinbarung, dass 50 Prozent der Saisonarbeiter im Stadthof mit Feuerwehrleuten besetzt werden“, sagte er. Dies sei offenbar in Vergessenheit geraten, so Juhl, weshalb die Tagesalarmbereitschaft der Wehr immer weiter sinke. Die Sachgebietsleiterin für Grünanlagen der Stadt wolle davon nichts gewusst haben.

Landkreis hat Bitten ignoriert

Der Landkreis Börde hingegen habe die Leistungsfähigkeit der Haldensleber Feuerwehr negativer bewertet, als zuvor. Der Landkreis solle „auf dem Teppich bleiben, denn wir können uns keine Einsatzkräfte backen“, sagte Frank Juhl. Seit der neuen Einstufung müsse die Haldensleber Feuerwehr immer mit zwei Ortsfeuerwehren zu Gebäuden mit hoher Menschenkonzentration ausrücken. Ein weiterer Kritikpunkt in Richtung Landkreis war das neue Landratsamt an der Bornschen Straße. Die Kameraden hatten in Abstimmungen darum gebeten, einen Hydranten als Überflurhydranten zu installieren und einen Löschteich vorzuhalten. Beides sei nicht passiert. „Wahrscheinlich wird Löschwasser von uns überbewertet“, kommentierte Juhl.

Meist habe die Zusammenarbeit mit Stadt und Kreis aber gut geklappt. So erzählte Frank Juhl, dass 2017 ein neues Löschfahrzeug in Dienst gestellt werden konnte, das den Stadthaushalt mit 465 000 Euro belastete. Zudem konnte neue Bekleidung für technische Hilfeleistungen und die Brandbekämpfung im Freien bestellt werden.

Nicht nur die Arbeit der aktiven Kameraden, sondern auch das Engagement der Betreuer der Kinder- und Jugendwehr lobten Juhl und einige Gastredner des Abends. So dankte Haldenslebens stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Wendler allen Kameraden für ihre Arbeit. Auch die Politik, so sagte sie, müsse wieder mehr dafür tun, dass die Feuerwehrarbeit den Respekt aus der Bevölkerung erhalte, den sie verdiene.