Beisetzung

Wenn das Geld nicht reicht: Sozialbestattungen im Landkreis Börde

Überführungskosten, Bestattung, Sarg oder Urne, Trauerredner und Grabstein – bei einer Beerdigung fallen zahlreiche Anschaffungen und Dienstleistungen an, die sich schnell summieren. Doch was passiert, wenn es keine Angehörige gibt oder keine, die eine Beisetzung bezahlen können?

Von Lena Bellon
Wenn es keine Angehörigen gibt, sorgt der Landkreis für eine Sozialbestattung.
Wenn es keine Angehörigen gibt, sorgt der Landkreis für eine Sozialbestattung. Foto: Soeren Stache/dpa

Haldensleben - Wenn es niemanden gibt, der für die Kosten einer Beisetzung aufkommen kann, springt die öffentliche Hand ein und sorgt für sogenannte Sozialbestattungen. Im Jahr 2019 wurde diese Leistung laut statistischem Landesamt in Sachsen-Anhalt für knapp 900 Verstorbene in Anspruch genommen. Die Tendenz ist zwar sinkend, dennoch wurden 2019 rund 1,3 Millionen Euro Sozialbestattungen bereitgestellt.

„Familiäre Zerwürfnisse führen meist zur Antragstellung aber nicht gleichzeitig zur Bewilligung von einer Sozialbestattung“, weiß Marlen Fehlig vom Amt für Soziales und Integration im Landkreis Börde. „Nach der Antragstellung kommt es erst zur Prüfung des Einkommens und Vermögens der Angehörigen. Häufig finden Sozialbestattungen statt, wenn nur noch wenige oder keine Angehörigen vorhanden sind.“ Je nach Situation könne das Auffinden und Überprüfen der Angehörigen bis zu einem halben Jahr dauern. Ehepartner und leibliche Kinder sind an erster Stelle der Angehörigen, die für eine Bestattung des Verstorbenen aufkommen müssen. Aber auch Eltern, Geschwister, Großeltern und Enkelkinder können zur Verantwortung gezogen werden.

Welche Kosten übernommen werden

„Der Anspruch kann auch im Nachhinein, innerhalb von zwei Monaten nach Feststellung der Kostentragungspflicht, geltend gemacht werden“, sagt Fehlig. Übernommen werden die Kosten der Leichenschau und Leichenbeförderung, die Leichenhausgebühren, die Aufwendungen für Waschen, Kleiden sowie Einsargen der Leiche und für die Sargträger, die Kosten eines Sarges oder einer Urne, die Durchführung einer Trauerfeier und das Öffnen und Schließen des Grabes einschließlich eines Sarg- oder Urnengestecks. Derzeit gilt für Erdbestattungen ein Richtwert von 1.600 Euro und für Urnenbestattungen ein Wert von rund 1.200 Euro. Zusätzlich werden bei einer Sozialbestattung auch die Friedhofsgebühren übernommen.

„Sozialbestattungen sind für uns logistisch und finanziell häufig mit viel Aufwand verbunden“, erklärt Norman Stadler, Bestatter und Inhaber des Bestattungsinstituts Stadler in Haldensleben. Das liege hauptsächlich an den vielen Unklarheiten, die eine solche Bestattung mit sich bringt. „Da kann es schon vorkommen, dass ich die verstorbene Person viele Wochen in der Kühlung aufbewahren muss bis alles geklärt ist. Dazu kommt, dass das Sozialamt oft erst Monate später die Kosten deckt“, erzählt der Bestatter.

Ein Fall blieb dem Bestatter besonders in Erinnerung: „Für eine verstorbene Person wurde eine Sozialbestattung beantragt, weil sich keine Angehörigen gefunden haben. Als die Person schon beerdigt war, kamen ganz neue Informationen ans Tageslicht: Die Person hatte viel Geld und bereits einen festen Platz in einem Familiengrab. Also habe ich die Person wieder ausgegraben und anschließend im Familiengrab beerdigt.“