Rätzlingen l Eine Premiere ist das Schweineschießen für Heike Stenzel. „Ich wurde überredet, beim Wettbewerb mitzumachen. Ich habe noch nicht mal meine Brille mit“, gesteht die Rätzlingerin. Obwohl sie das erste Mal den Finger am Abzug eines Luftgewehres hat, bringt sie die Männer neben sich zum Staunen. „Wow, guckt mal, das war ein Treffer“, ruft sie aufgeregt.

Neben ihr sitzt Uwe Heidler. „Ich kann mich gar nicht konzentrieren, weil ich überlege, wie ich das Schwein nach Hause bekomme“, sagt Heidler mit einem Augenzwinkern. „Du musst nicht überlegen, weil ich es mit nach Hause nehme“, sagt Hartmut Hieronimus aus Bösdorf feixend.

Schießspaß für Generationen

Spaß beim Schießen hat nicht nur das Mutter-Sohn-Team. „Das Schweineschießen ist ein Höhepunkt im gesellschaftlichen Leben für alle Generationen“, beschreibt Rätzlingens Ortsbürgermeister Wilhelm Behrens, lobt das Engagement des Schützenvolkes und greift selbst im Schützendomizil zum Luftgewehr.

Bilder

Nun wird beim Rätzlinger Verein nicht auf freilaufende Wildschweine geschossen, sondern auf Pappscheiben. Jeder hat zehn Schuss. Die besten Teiler zählen. Die Teilermaschine ist der unbestechliche Schiedsrichter des Auswerters, mit der Millimeter genau der Abstand des Einschusses vom Zentrum technisch über einen sogenannten Exzenter festgestellt wird.

Konkurrenz ist groß

Viele kleine oder große Stücke vom Schwein gibt es ganz nach dem Talent und dem Glück des jeweiligen Schützen beim Wettschießen zu gewinnen. Unter über 50 Teilnehmern sind neben den heimischen Herausforderern zum größten Teil Freunde der Schützenvereine aus Wegenstedt, Flechtingen und Erxleben sowie der Schützengilden Oebisfelde und Haldensleben.

„Es ist sehr gut, dass nun auch viele Rätzlinger unsere Einladung angenommen haben. Das hat sicher damit zu tun, dass es eine getrennte Wertung gibt. Die Preise sind für Schützen und Nichtschützen die gleichen. Alles läuft fair“, betont Ralf-Peter Segeler, der Vorsitzende des Rätzlinger Vereins, der 30 Mitglieder hat. Segeler bedankt sich bei allen Helfern und im Besonderen bei den fleißigen Frauen. Die Schießpausen des Wettbewerbes nutzen viele Gäste, um in gemütlicher Runde beieinander zu sitzen, um die regionalen Köstlichkeiten zu genießen.

Sonntagsessen ist gesichert

Burkhard Jäger vom gastgebenden Verein schießt sich inzwischen mit ruhiger Hand auf den ersten Platz. Stolz nimmt der Oebisfelder, der bereits im vergangenen Jahr gewonnen hatte, eine große Schweinehinterkeule als Siegertrophäe in Empfang. Auch Marlies Trautvetter von der Haldensleber Schützengilde hat erfolgreich die Finger am Abzug, gewinnt den zweiten Platz und darf ein großes Kotelettstück mit nach Hause nehmen.

Mit Adleraugen trifft Walter Brandt vom SV Rätzlingen. Er holt sich den dritten Platz und gewinnt Schweinefleisch für das nächste Sonntagsessen. In der Platzierung folgen Andrea Brandt vom SV Rätzlingen und Uwe Trautvetter von der Haldensleber Gilde.

Aber auch Nichtschützen beweisen Treffsicherheit. So kommt es, dass Elke Winkler aus Haldensleben direkt ins Schwarze trifft und sich die Keule erkämpft. Und auch Rätzlingens Ortschef Wilhelm Behrens darf sich als Zweitplatzierter einen Schweinepreis mit nach Hause nehmen. Hartmut Hieronimus aus Bösdorf schießt sich auf den dritten Platz. Dicht gefolgt von René Feldmann und Walter Bittner, die beide in Rätzlingen zu Hause sind.

Spaß an Geselligkeit

Wer Lust am Vereinsleben hat, ist willkommen. Jeden Dienstag um 20 Uhr trainieren die Schützen. „Spaß an der Geselligkeit ist die einzige Voraussetzung. Das Schießen lernt man dann bei uns“, erklärt Segeler. Zum Schützenfest laden die Rätzlinger am 5. und 6. Mai alle Schützenfreunde und Gäste aus nah und fern ein.