Haldensleben l Trauriger Rekord im Juli: Sachsen-Anhalt war mit kaum 30 Litern Niederschläge pro Quadratmeter bei einem langjährigen Mittel von 52 Litern das niederschlagsärmste Bundesland. Seit Jahresbeginn meldet der Deutsche Wetterdienst (DWD) für unser Bundesland allmonatlich solche Rekorde. Im Januar gab es zwar mehr Niederschläge als im langjährigen Mittel, Sachsen-Anhalt ging in diesem Monat jedoch als sonnenscheinreichstes Bundesland in die Wetter-Geschichte ein.

Auch im Februar war Sachsen-Anhalt schon das trockenste Bundesland, da fielen sogar nur 15 Liter pro Quadratmeter, und im März zweittrockenstes Bundesland nach Mecklenburg-Vorpommern. Im April bescheinigte der DWD Sachsen-Anhalt und Thüringen aufgrund der Niederschläge in den vergangenen Monaten eine besonders geringe Bodenfeuchte. Selbst im Mai, als der DWD nach 13 zu warmen Monaten erstmals wieder einen Monat als zu kühl registrierte, gehörte Sachsen-Anhalt eher zu den warmen Bundesländern.

Während in ganz Deutschland 16 Prozent mehr Niederschläge fielen als im Durchschnitt, lag der Wert in Sachsen-Anhalt knapp unter dem Durchschnittswert. Der Juni wiederum war in ganz Deutschland der wärmste und sonnigste Juni seit dem Beginn flächendeckender Messungen. Der DWD bescheinigte Sachsen-Anhalt neue Wärme- und Sonnenscheinrekorde. Und der deutschlandweite Hitzerekord wurde in Bernburg gemessen.

55 Liter pro Quadratmeter

Keine rosigen Aussichten also für das Land zwischen Arendsee und Zeitz. Mit rund 55 Litern Niederschläge pro Quadratmeter fehlten dem Juli deutschlandweit 31 Prozent zu seinem Soll von 78 Litern pro Quadratmeter, meldete der DWD. Und Sachsen-Anhalt war erneut das niederschlagsärmste Bundesland! In Döhren am Westrand des Landkreises fiel im Juli mit 46,9 Litern pro Quadratmeter allerdings etwas mehr Regen. Die Hälfte davon, nämlich 23,5 Liter, fielen am 20. Juli, begleitet von einem Gewitter. Im Extremjahr 2018 standen hier gerade mal 15,6 Liter zu Buche, 2017 dagegen waren es gut 100 Liter mehr.

Die mittlere Temperatur in Sachsen-Anhalt lag im Juli bei 19,1 Grad Celsius – bei einem Mittel von 17,6 Grad, ganz Deutschland kam auf 18,6 Grad. Der Juli brachte im Gefolge des Hochs Yvonne einen neuen Hitzerekord – 42,6 Grad Celsius am 25. Juli, zum Glück nicht in Sachsen-Anhalt, aber immerhin im Nachbarbundesland, nämlich in Linden/Ems in Niedersachsen.

Hoch Yvonne bringt Hitzerekord

In Haldensleben gab es nur fünf Tage mit Temperaturen von weniger als 20 Grad, sie sind meist dem Tief Quinctilius zu verdanken, das die zweite Monatsdekade startete. 16 Tage jedoch waren reine Sommertage mit mehr als 25 Grad. Fast die Hälfte davon, genau sieben, waren extrem heiß. Das Thermometer stieg auf über 30 Grad. Am heißesten war es am 25. Juli mit 36 Grad. Beste Bedingungen für die Getreideernte, sicher auch tolles Ferienwetter.

Die sprichwörtlichen Hundstage begannen pünktlich am 23. Juli mit 33 Grad. „Hundstage heiß, Winter lange weiß“ besagen Überlieferungen. Auch Wetterregeln mit ähnlicher Aussage bescheinigt der Meteorologe Karsten Brandt eine hohe Trefferwahrscheinlichkeit. So zum Beispiel „Genauso wie der Juli war, wird nächstes Jahr der Januar“, also zu warmer Juli lässt auf einen zu kalten Januar schließen.

Klimawandel bringt Gefahren

Ob das zutrifft, werden wir bald wissen. Jedoch scheint das Wetter immer weniger verlässlich. Den Klimawandel könne man besonders gut daran festmachen, dass sich in den letzten Jahrzehnten die heißen Tage häufen, an denen die Temperatur 30 Grad übersteigt, sagt Klimaforscher Mojib Latif und warnt vor einer weltweiten Erwärmung. Das bestätigt dieser Tage auch eine Studie der Humboldt-Universität und des Climate Analytics Instituts in Berlin.

Nicht nur immer mehr Forstleute machen auf das Waldsterben aufmerksam, eine Folge der fehlenden Niederschläge, steigenden Temperaturen und Unwetter. Schädlinge haben so leichtes Spiel mit den geschwächten Bäumen. Abgestorbene Bäume sind aber auch in vielen Gärten und Grünanlagen zu finden. Der Ruf, in Städten mehr Bäume zu pflanzen, denn so könnten die extremen Temperaturen zumindest etwas gesenkt werden, wird immer lauter. Stattdessen aber bestimmen immer mehr Steinflächen auch Vorgärten. Steine nehmen tagsüber die Wärme auf und strahlen sie nachts wieder ab, so dass auch nachts keine Abkühlung eintritt, warnen Experten.

Der Erntemonat August hat offensichtlich auch keine Ambitionen, das Niederschlagsdefizit in unseren Regionen auszugleichen. Wärmer könnte es wohl auch noch einmal werden...