Weltrotkreuztag

Wie das Deutsche Rote Kreuz in Haldensleben die Idee des Gründers bis heute umsetzt

Das Internationale Rote Kreuz ist wohl eine der bekanntesten Hilfsorganisation der Welt. Am Weltrotkreuztag, 8. Mai, wirft die Volksstimme deswegen einen Blick auf die Gründungsgeschichte, die Entwicklung des Roten Kreuzes und auf die Ehrenamtlichen.

Von Lena Bellon
Beim DRK gilt das Motto ?Menschen helfen, Gesellschaft gestalten?. Das lernt auch schon der Nachwuchs, wie hier bei einer Jugendrotkreuz-Übung in Rottmersleben vor einigen Jahren.
Beim DRK gilt das Motto ?Menschen helfen, Gesellschaft gestalten?. Das lernt auch schon der Nachwuchs, wie hier bei einer Jugendrotkreuz-Übung in Rottmersleben vor einigen Jahren. Archivfoto: Maik Schulz

Haldensleben

Kinder- und Jugendarbeit, Blutspende und Hilfe für Senioren sind nur einige der vielen Bereiche, die vom internationalen Roten Kreuz weltweit abgedeckt werden. Weniger bekannt als die Hilfsorganisation ist die Geschichte des Gründers und die Grundsätze, mit denen er das Rote Kreuz ins Leben gerufen hat. Bis heute ist seine ursprüngliche Idee der Organisation wichtiger Bestandteil der Arbeit.

Der Weltrotkreuztag, der jedes Jahr am 8. Mai gefeiert wird, ist der Geburtstag des Gründers Henry Dunant. Seit 100 Jahren gibt es die Hilfsorganisation in Deutschland. Doch wie entstand das Rote Kreuz eigentlich? Der Schweizer Henry Dunant sah 1859 bei der Schlacht von Solferino in Italien das Elend der Soldaten und war erschüttert über die rund 40.000 Toten. Er ging daraufhin durch die Dörfer und fand dort viele Menschen, die freiwillig die Verwundeten versorgen oder in Kirchen und Klöster brachten.

Wieder zu Hause angekommen, schrieb er ein Buch über seine Erfahrung bei der Schlacht und die bereitwilligen Helfer vor Ort. Vier Jahre nach den Erlebnissen gründet er mit mehreren Ärzten, einem Juristen und einflussreichen Unterstützern die erste Rotkreuz-Gesellschaft. Im Jahr 1864 wurde das erste Genfer Abkommen verabschiedet – als erster völkerrechtlicher Vertrag. Dort wurde festgehalten, wofür das Rote Kreuz steht: Den Schutz von Verwundeten und die Neutralität des Sanitätspersonals. Im Ersten und Zweiten Weltkrieg wurde das Abkommen erweitert – die Hilfsorganisation verarztete nicht mehr nur Soldaten, sondern auch Kriegsgefangenen und der Zivilbevölkerung.

Dunant und seine Mitbegründer stammen aus der Schweiz, darum wurde das Symbol der Helfer auch das rote Kreuz – angelehnt an die Schweizer Flagge. Als die Hilfsorganisation in immer mehr Kontinenten tätig wird, werden noch der rote Halbmond und ein roter Kristall als Symbol etabliert. Heute gibt es die Rotkreuz- und Rothalbmond-Gesellschaft in 189 von insgesamt 194 Staaten der Welt. Dunants Gründungsgedanken waren zu der Zeit revolutionär und sind bis heute die Säulen des Roten Kreuzes: Menschlichkeit, Freiwilligkeit und Unparteilichkeit.

Nur den Menschen gesehen

„Er hat bei der Schlacht nicht unterschieden zwischen Freund oder Feind, sondern nur den Menschen gesehen, der Hilfe benötigt“, weiß Ursula Geisthardt. Sie war über zehn Jahre ehrenamtlich beim Deutschen Roten Kreuz (DRK) in Haldensleben tätig, hat unter anderem die Einführungsseminare gehalten, wobei sie sich intensiv mit der Gründungsgeschichte befasst hat. Die Entstehung und Entwicklung des Roten Kreuz ist für sie essenziell, um zu verinnerlichen, auf welchen Werten der Verband aufgebaut ist. „Mit der Zeit kamen noch vier weitere Grundsätze hinzu: Unabhängigkeit, Einheit, Neutralität und Universalität“, sagt Ursula Geisthardt. Für sein humanitäres Denken und Handeln wurde Henry Dunant schließlich auch der erste Friedensnobelpreis verliehen.

„Ich mag den ursprünglichen Gedanken von ihm. Wir sind alles Menschen und wenn jemand Hilfe braucht, muss der Rest gleichgültig sein“, erklärt Ursula Geisthardt. Manchmal sei genau das auch ein Balanceakt, weil alle Helfer ihre eigene Gesinnung und Meinung in den Hintergrund stellen müssten, wenn sie im Namen des DRK unterwegs sind – das sei nicht immer leicht. „Wenn es radikale Demonstrationen gibt, dann ist das DRK immer da und hilft jedem – wir sind eben unpolitisch. Aber wenn es darum geht, an Ländergrenzen Hilfe zu leisten und ein anderes Land verwehrt uns den Zutritt, dann muss das DRK seine Neutralität bewahren und darf nicht einschreiten“, erklärt Geisthardt. Für all diese Fälle dürfe man nie die Werte vergessen, die das DRK vertritt.

Mit Freiwilligen kann mehr geleistet werden

„Das DRK hat viele aktive Ehrenamtliche, aber wenn wir noch mehr hätten, könnten wir noch mehr leisten“, erzählt Geisthardt. Sie wünscht sich, dass Kinder in der Schule schon dafür sensibilisiert werden, zu helfen und den Blick auf den Menschen an sich zu lenken, als in Kategorien zu denken. „Es ist ein Grundbedürfnis des Menschen, helfen zu wollen“, ist sie sich sicher. Ein Ehrenamt auszuüben sei für den Nehmenden und für den Gebenden eine Bereicherung.

Beim DRK hat Ursula Geisthardt gesehen, dass es möglich sei, Menschlichkeit zu leben. „Die Welt hätte doch schon begreifen müssen, dass Kriege keine Lösung sind“, sagt sie. „Seit der Gründung des Roten Kreuz hat sich so viel verändert, aber leider ist die uneingeschränkte Hilfe immer noch nicht selbstverständlich.“ Deswegen sei der Gründungsgedanke von Henry Dunant noch so zeitgemäß.