Rätzlingen l Die Firma Windpark GmbH & Co. Rätzlingen KG, hinter der der größte europäische Windanlagenhersteller Enercon aus Aurich steht, hat 2007 beim Landesverwaltungsamt die Errichtung von weiteren acht Windkraftanlagen beantragt. Das Landesverwaltungsamt hat 2011 den Antrag für die Erweiterung des Windparks nach Bundesimmissionsschutzgesetz aus naturschutzrechtlichen Gründen abgelehnt. Gegen diese Ablehnung hat die Firma Klage beim Verwaltungsgericht Magdeburg eingelegt. Das Verwaltungsgericht hat die Klage abgewiesen. Daraufhin hat die Windpark GmbH & Co. Rätzlingen KG Berufung beim Oberverwaltungsgericht Magdeburg eingelegt.

Von einem Termin im Oberverwaltungsgericht in Magdeburg berichtete Rätzlingens Ortsbürgermeister Wilhelm Behrens (Aktive WG Sport) bei der jüngsten Sitzung seines Ortschaftsrates. „Es ging um die Klage Windkraftbetreiber gegen das Landesverwaltungsamt. Das Urteil ist so, dass die acht Windräder doch gebaut werden dürfen. Es ist davon auszugehen, dass das Landesverwaltungsamt die Genehmigung noch in diesem Jahr erteilt“, erklärte Behrens.

„Dies hat zur Folge, dass das Genehmigungsverfahren vor dem Landesverwaltungsamt Sachsen-Anhalt zum Bau der geplanten Windenergieanlagen unter Berücksichtigung der Rechtsauffassung des Gerichts erneut durchgeführt werden muss“, sagte Enercon-Pressesprecher Felix Rehwald. Enercon begrüße die Entscheidung des Gerichts und sei zuversichtlich, dass das Genehmigungsverfahren einen für das Bauvorhaben positiven Ausgang finden wird. Aussagen bezüglich des Baubeginns wollte der Sprecher nicht machen, solange noch keine Baugenehmigung vorliegt.

Der Ortschef berichtete, dass erneut Vertreter einer Windenergiefirma aus Meißen im Ort unterwegs seien, um mit Grundstücksbesitzern Pachtverträge abzuschließen. Diese Ackerflächen liegen an der Everinger Straße am Birkenweg in Richtung Wald. Dort sollen noch acht Windräder aufgestellt werden.

„Als wir damals die ersten Windräder bauen ließen, taten wir das vor allem, um auch unsere Schulden zu tilgen. Aber wir haben bisher kein Geld bekommen. Das kann es nicht sein“, sagte Ortsrat Edwin Wietig (UWG Feuerwehr. Er betonte, dass er grundsätzlich nichts gegen Windenergie hätte, aber dass er gegen weitere Windräder in Rätzlingen sei. „Rätzlingen sollte 70 Prozent der Steuern und 30 Prozent Bremen, wo sich der Hauptsitz der Firma befindet, bekommen. Es heißt aber, dass die Firma noch keinen Gewinn erwirtschaftet hat. Aber wenn sie immer neue Windräder bauen wollen, dann muss doch da auch etwas bei rausspringen“, schlussfolgerte Behrens. „Es soll gar nichts überbleiben? Das kann ich nicht glauben“, zweifelte Ortschaftsrat Udo Müller (UWG Feuerwehr). „In unserer Landschaft stehen Windräder, Solarpark und Biogasanlage. Aber für unseren Kindergarten und für die Schule bezahlen wir die vollen Energiekosten. Wenn wir weniger Geld an Stromkosten bezahlen müssten, wäre das nur fair. So haben wir gar nichts davon“, sagte der Bürgermeister. „Ausgemacht war, dass der Schulförderverein vom Windenergiebetreiber jährlich eine finanzielle Unterstützung bekommt. Die Firma, mit der wir damals den Vertrag gemacht haben, die gibt es inzwischen gar nicht mehr. Alles ist hinfällig“, erklärte Ortsrat Sven-Uwe Hecker (WG Sport). „Wir können nur bei einem neuen Genehmigungsverfahren eine Stellung abgeben und sagen, dass wir keine Windräder mehr wollen“, sagte Behrens. Er verwies auf die Sitzung des Hauptausschusses am 24. Februar um 17 Uhr im Weferlinger Rathaus, wo das Thema wieder behandelt wird.