Haldensleben l Die Mitarbeiter der Winterdienste sind seit Freitagabend fast ununterbrochen im Einsatz. Die Schneeverwehungen entwickelten sich im Tagesverlauf zur größten Herausforderung: Kaum hatten die Räumdienste die Straßen geschoben, wurden sie binnen kürzester Zeit wieder zugeweht. Es glich einem Kampf gegen Winmühlen.

Am Sonntag rückte der Winterdienst nach kräftigen Schneefällen um 5 Uhr morgens aus, am Montag schon um 3 Uhr. Trotzdem kamen die beiden Trupps mit sechs Fahrzeugen kaum hinterher. Im sozialen Netzwerk Facebook baten sie um Verständnis, weil „es hier und da mit dem Räumen doch mal etwas länger dauern kann“. Bei den vorherrschenden Temperaturen nutzt das ausgebrachte Salz wenig, so dass in den nächsten Tagen gegebenenfalls mit Splitt gestreut wird. Das teilt Stadtpressesprecher Lutz Zimmermann mit.

Dabei werden die Straßen in Prioriäten unterteilt. Zunächst sind die Hauptverkehrswege an der Reihe sowie Steigungsstrecken. Auch Straßen, an denen Seniorenheime oder andere soziale oder medizinische Einrichtungen liegen, werden vorrangig bedient. „Dabei wird teilweise das Umfeld dieser Ziele mit beräumt, um das Quartier nicht nochmal extra anfahren zu müssen“, erklärt Lutz Zimmermann. Bei den mit der Hand freizulegenden Flächen stehen Fußgängerüberwege und Bushaltestellen im Vordergrund

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Nicht mehr Unfälle als gewöhnlich

Die Anzahl der Unfälle auf den verschneiten Strecken hielt sich laut dem Polizeirevier Börde in Grenzen. Insgesamt 21 zählten die Beamten seit Freitagnacht. „Das unterscheidet sich nicht von anderen Tagen ohne Schnee“, sagt Matthias Lütkemüller, Sprecher des Polizeirevier Börde. Die meisten Bürger hätten sich an die Ratschläge gehalten und seien Zuhause geblieben.

Seit Sonntagnachmittag war unter anderem die B  245 teilweise unpassierbar. Schneeverwehungen sorgen besonders zwischen Haldensleben und Uhrsleben (Gemeinde Erxleben) für massive Behinderungen. Viele Unfälle waren laut Lütkemüller witterungsbedingt. So seien mehrere Autos in Straßengräben gerutscht. „Die Polizeifahrzeuge rutschen genauso auf den Straßen wie alle anderen. Auch wir müssen also vorsichtig fahren“, betont Matthias Lütkemüller.

Der öffentliche Personennahverkehr kam fast komplett zum Erliegen. Das bestätigte gestern unter anderem Peter Kasper, Betriebsleiter vom Unternehmen Börde-Bus. Das Problem sei, dass viele Nebenstraßen nicht geräumt und auch die Bushaltestellen stark von den Schneeverwehungen verschneit seien, so Kasper zur aktuellen Situation. Gestern war noch nicht absehbar, bis wann die Busse wieder fahren könnten. „Wir müssen die Entwicklungen abwarten. Unser Personal ist unterwegs, um die Situation zu beobachten und einzuschätzen“, so Kasper. Der Verkehr sei voraussichtlich bis heute um 10 Uhr eingestellt. Aktualisierungen fänden sich auf der Homepage und könnten außerdem telefonisch erfragt werden.

Allerorts kam es zuVerspätungen

Auch Abellio Rail Mitteldeutschland musste angesichts der Schneemassen kapitulieren. Lediglich die Strecke Magdeburg – Haldensleben – Wolfsburg konnte am gestrigen Montag laut Abellio befahren werden. Dort rollten die Züge zwar, aber Fahrgäste mussten mit Verspätungen und Abweichungen vom Fahrplan rechnen.

Die erschwerte Verkehrslage machte auch Arbeitnehmern zu schaffen. So hatten die Erzieher der Kita Max und Moritz erhebliche Probleme, zu ihrer Arbeitsstätte zu gelangen. Auch vielen Eltern ging es so. Nur noch die Hälfte der Kinder, die Anspruch auf Notbetreuung haben, waren gestern anwesend. Das bestätigte beispielsweise Kita-Leiter Henrik Hoffmann. „Viele Kollegen kamen zu Fuß oder bildeten Fahrgemeinschaften. Einer kam sogar mit dem Fahrrad“, sagt er. Ähnlich sah es bei der Kita Birkenwäldchen in Satuelle aus. „Die Straße zwischen Haldensleben und Satuelle war kaum befahrbar. Viele Eltern sind wieder umgekehrt“, berichtet Erzieherin Daniela Pickert.

Die Verkäufer des Edeka Centers am Gänseanger mussten wegen der Schneemassen früher losfahren, erzählt Filialleiterin Heidemarie Maaß. „Zwei meiner Mitarbeiter konnten nicht kommen, weil sie total eingeschneit waren“, so Maaß. Im Gegensatz zu den Verkäufern kämen Lkw mit den Warenlieferungen erst am heutigen Dienstag verspätet. „Wir haben schon einige Anrufe dazu bekommen. Aber bei der Versorgung ist alles im grünen Bereich“, erklärt die Fillalleiterin.

Die Mitarbeiter des ambulanten Pflegedienstes von der Seniorenhilfe hatten auf ihren Touren ebenfalls zu kämpfen. Dennoch konnten alle Touren gefahren werden, berichtet Pflegedienstleiterin Simone Ritter. „Die Nebenstraßen waren für uns mit den Schneeverwehungen ein großes Problem“, erklärt sie. Mit Verspätung konnten die Pflegekräfte aber alle Kunden versorgen und manche sagten die Termine sogar ab. „Wir haben aber auch sehr nette Kunden, die sich sehr verständnisvoll zeigten“, meint Ritter.

Am Hafen, wo der Wind teils noch heftiger wehte, standen die Mitarbeiter der Umschlags- und Handelsgesellschaft Haldenslebens (UHH) vor bis zu zwei Meter hohen Schneewehen. Laut Betriebsleiter Hendrik Meincke waren die Mitarbeiter bereits am Sonntag mit eigenen Räumfahrzeugen auf den vielen Hektar großen Geländen am Kanal unterwegs, um Schnee zu räumen. „Durch Eis und Schnee haben natürlich auch die ankommenden LKW, Züge und Binnenschiffe Verzögerungen, bis hin zu Ausfällen. Wir sind im Großen und Ganzen betriebsfähig, jedoch erschwert natürlich die Wetterlage jede einzelne Verladung“, sagt Hendrick Meincke.

Er schätzt, dass der Mittellandkanal bei den angekündigten Temperaturen von bis zu -16 Grad Celsius in den kommenden Tagen zufrieren wird. Das werde das Kerngeschäft der UHH, nämlich die Schiffsverladungen, zum Erliegen bringen. „Ich bin jetzt im achten Jahr bei der UHH beschäftigt und kann mich an solche Schneemassen und niedrigen Temperaturen mit wohl bald dick einfrierendem Kanal nicht erinnern“, sagt er.