Havelberg l Das ehemals marode Gebäude zeigte sich in einem frisch renovierten Zustand. Unverkennbar ist, wie viel Herzblut die beiden Neuhavelberger in das Projekt gesteckt haben.

Wunschwelt entsteht zu Hause

Martin Schmitz, Architekt und Verleger, eröffnete die Vortragsreihe mit dem Thema „Promenadologische Betrachtungen über Wahrnehmung und Gestaltung bei Lucius Burckhardt“. Die Promenadologie, auch Spaziergangswissenschaft genannt, wurde in den 1980er Jahren von L. Burckhardt entwickelt. Dabei geht es um den Widerspruch in der technokratischen Planungswissenschaft der 1960er bis 1980er Jahre. Stadtplanung befasste sich seinerzeit überwiegend mit der Umgestaltung zur autogerechten Stadt. Mit der aufkommenden individuellen Mobilität veränderten sich Bedürfnisse und in deren Folge die Stadtplanung. Heute bauen wir uns unsere Wunschwelt zu Hause. Beispiele hierfür sind: „Ein Stück Italien am Tiergarten“, „ Kleinamsterdam in der Innenstadt“, „Fjordurlaub in Bayern“, „Outlets im Alpenlook“. Durch Promenieren, durch reflexive Spaziergänge wird dieses Phänomen erkennbar. Die in dem Vortrag von Martin Schmitz gezeigten Fotografien verdeutlichten sehr eindringlich, dass wir etwas sehen, wie wir es sehen wollen beziehungsweise sollen. Stadt und Land verschmelzen dabei optisch zu einer Einheit – einer virtuellen Einheit?

Bilder machen nachdenklich

Elke Krasny lebt in Wien und unterrichtet dort an der Akademie der bildenden Künste. Sie ist Kuratorin der Ausstellung „Hands On Urbanism 1850 - 2012“, die bisher in Wien, Leipzig und Chicago gezeigt wurde. Bei der Ausstellung geht es anhand von historischen und aktuellen Beispielen und Fotos um das Phänomen der Stadtentwicklung aus der Bevölkerung heraus. Gerade in Mangelsituationen und Krisen wird das Recht auf Landnahme und Gärtnern in der Stadt von den Bürgern eingefordert, „Jedem sein Recht auf Grün“. Die Bilder von Elke Krasny machten teilweise sehr nachdenklich und zeigten das Problem Urbanität auf. Sie geben aber auch Hoffnung durch die vielen positiven Beispiele, bei denen sich die Bewohner ein Stück neuen Lebensraum zurückeroberten.

Keine kommunale Pflichtaufgabe

Karsten Wittke, bildender Künstler, ist im Netzwerk Raumordnung RUO tätig. Hierbei geht es um die Vernetzung und den Erfahrungsaustausch zu Kulturprojekten. Es werden lokale Initiativen und Akteure, die raumordnerisch agieren, zusammengeführt. Da die Kultur nicht zu den kommunalen Pflichtaufgaben gehört, ist es wichtig, auf Erfahrungen anderer aufzubauen, Stichwort: Wie sieht Strukturförderung aus, wie sieht die Wertschöpfungskette von Kultur und Kunst aus, wo bekomme ich Fördermittel her, wie spreche ich Ministerien an. Auch im Havelland, in Strodehne, besteht ein solches Projekt, die „WerkFreunde Strodehne e.V“.

Beeindruckende Musik

Zum Abschluss der Vortragsreihe in der Old School ging es ins nächste „Klassenzimmer“: Musik und Cinema-Performance vom Duo „Koschka & Heimprofi“..Es war ein Erlebnis, wie Edita Karkoschka leichthändig mit dem Keybord spielte, begleitet von ihrer ausdrucksstarken Stimme. Christa Burger zauberte dazu mit Videokamera, Overheadprojektor, Laptop und Beamer Bilder und Collagen an die Wand.

So macht Unterricht Spaß

Ein herrlicher Kontrast zwischen den anspruchsvollen Vorträgen und dem Abtauchen in das Land der Sinne. So macht Musikunterricht Spaß. Im „Schulhof“ klang dann der Abend bei Lagerfeuer und Chili con Carne aus.