Havelberg l Alljährlich im Herbst ist der Weg von Wöplitz aus Richtung Vehlgast ein beliebtes Ausflugsziel für Leute, die die Kraniche beim Einflug zu ihren Schlafplätzen an der Havel beobachten wollen. Ausgestattet mit Ferngläsern und Fotoapparaten kommen nicht nur Naturfreunde aus der Region dorthin, viele Autokennzeichen sind von Berlinern und Brandenburgern. Nachdem Gabriela Ecke von der Biosphärenreservatsverwaltung Mittelelbe bereits am Sonnabend zuvor mit dem ehrenamtlichen Ornithologen Manfred Kuhnert aus Wulkau zur fachkundigen Beobachtung eingeladen hatte, war es am vergangenen Sonnabend Klaus Schlegelmilch, der zusammen mit dem Förderverein „Naturschutz im Elb-Havel-Winkel“ dazu im Stremelgebiet willkommen hieß.

Vom Haus der Flüsse in Havelberg aus machte sich eine kleine Gruppe mit Fahrrädern auf in Richtung Wöplitz. Einige Kilometer weiter steht der Lütow-Turm, von dem aus sich die Kraniche gut beobachten lassen. Dort hatten sich weitere Interessierte eingefunden. Auch Manfred Kuhnert stand wieder als fachkundiger Ansprechpartner bereit. Waren es anfangs erst wenige Kraniche, die einflogen, kamen sie mit zunehmender Dämmerung aus allen Himmelsrichtungen zu ihren Schlafplätzen an der Havel. Nahe dem Turm befinden sich an der Jäglitz überschwemmte Wiesen, die vor Jahrzehnten, noch zu DDR-Zeiten, künstlich angelegt worden sind. Das Wasser wird dort angestaut. Die Kraniche übernachten im Wasser, um sich vor anderen Tieren zu schützen. Ruhe herrscht auf den Schlafplätzen allerdings nicht. Sie rufen die ganze Nacht durch, um ihren Artgenossen zu signalisieren, wohin sie müssen, erklärte Manfred Kuhnert.

Zu Hochzeiten sind es 10 000 Kraniche, die in dem Gebiet übernachten. Im Schnitt sind es 5000 bis 6000 Vögel. Ende August, Anfang September sammeln sich die ersten Kraniche zum Abflug in den warmen Süden. Sie kommen meist aus der Region. Später folgen die aus dem Norden wie Schweden und Norwegen. Anhand ihrer Kennringe über dem Gelenk hat er davon in den vergangenen Tagen bereits welche gesichtet, berichtete Manfred Kuhnert. Sie sind es übrigens, die oft auch am weitesten in den Süden nach Spanien oder Nordafrika ziehen. Andere fliegen nur bis Frankreich.

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Spontan hatten sich die Arnimerin Rita Kaczmarek mit ihrem Mann und Freunden zu der Radtour entschieden. „Wir haben einen Bungalow in Kamern. Wenn wir dort sind, kaufen wir uns die Volksstimme und schauen, was los ist. So haben wir von der Radtour erfahren“, berichtete sie und war ganz begeistert von den Erklärungen, die Klaus Schlegelmilch schon unterwegs gegeben hatte. So zum Beispiel, dass Kraniche in der Luft an ihrem ruhigerem Flügelschlag zu erkennen sind. Der rote Fleck auf dem Kopf des Kranichs ist übrigens eine Glatze, da hat er keine Federn. Bei dem auch für die nächsten Tage vorhergesagten schönen Herbstwetter dürfte es sich weiterhin lohnen, den Kranicheinflug zu beobachten.