Havelberg l Zum weihnachtlichen Konzert in der Aula des Schulzentrums überraschte allerdings zunächst einmal die erstaunlich geringe Besucherresonanz. Vielleicht hatte manch einer befürchtet, das Weihnachtsfest würde allzu despektierlich behandelt. Dem war keineswegs so. Es gab wohl einiges zum Lachen und noch mehr zum Schmunzeln, es gab auch Gelegenheiten zum lauten Mitklatschen und sogar zum Schunkeln – jedenfalls in der Zugabe bei einer sarkastischen Version unseres vielleicht kitschigsten Weihnachtslieds – aber insgesamt wurde das Konzert von Nobody Knows ein langer, abwechslungsreicher und sehr nachdenklicher Musikabend.

Positiv überraschte denn den unvoreingenommenen Besucher die Qualität der Band. Da stimmte alles: Bühnenpräsenz, Musikalität, Intelligenz – kurz, eine solche Professionalität aus unserer Kreisstadt Stendal, also unserer dünn besiedelten Provinz, darf man nicht alle Tage erwarten. In der Mitte steht Max Heckel, nicht nur Frontmann und Sänger, nicht nur musik-, sondern auch textverrückt. Er wählt aus, verfremdet und erfindet, hält den Kontakt zum Publikum, ohne je anbiedernd zu werden und schafft es, auch in dem trotz weihnachtlichem Schmuck ziemlich sterilen Saal drei Stunden lang seine Zuhörer zu fesseln.

Texte zum Nachdenken

Nein, es gibt wirklich keine Comedy. Die Texte regen zum Nachdenken an, und wirklich: Wie feiern wir denn heute Weihnachten, nach jenen 2000 Jahren, in einer säkularisierten, ja zum Teil antireligiösen Welt? Was erlebt der kleine Junge beim letzten gemeinsamen Weihnachtsfest mit den sich trennenden Eltern, was tut man an den Feiertagen beim Besuch der zersplitterten Verwandtschaft, kilometerfressend „auf der Autobahn“? Ja, man kann auch lächelnd ernsthaft nachdenken, Max Heckel ist der Beweis.

Und die Musik? Da sitzen sechs ganz unterschiedliche Musiker unterschiedlichsten Alters und kommunizieren untereinander und mit dem Publikum, wie man es bei „Kunst im Rathaus“ kennt.

Max Heckel arrangiert alles

Und sie spielen und singen: Max Heckel mit Gitarren, singt mit rauchig-bluesiger Stimme, moderiert, spielt auch mal Geige und hat alles arrangiert. Daneben „Papa“ Ronny Heckel, ein sehr jugendlicher, aber offensichtlich echter Vater des Letzteren, sensibler Gitarren- und Mandolinenspieler, fasziniert den ganzen Saal, wenn er die Mundharmonika ansetzt.

Georg Marth sorgt mit seiner Geige für den unverwechselbaren Nobody-Knows-Sound und bedient nebenher das Mischpult („Mach mal Hall, jetzt wird’s romantisch!“).

Die Jüngsten sind Aron Thalis, schon jetzt ein Charakter am Schlagzeug, und Marcel Storjohann am Bass, überwiegend am Kontrabass und gerne mit Bogen den Streichersound verstärkend.

Dazu kam als Gast die junge Pianistin und Sängerin „Tabi“ Harzer, souverän am K-Board, mit prächtiger Stimme und erstaunlichem Tonumfang eine großartige Ergänzung, die hoffentlich noch oft zu hören sein wird.

Alle zusammen musikalisch und interpretatorisch anspruchsvoll. Soli und ausgeklügelte Polyphonien bringen Spannung, und im Hintergrund, aber doch prägend und für die besondere Stimmung verantwortlich, Georgs virtuose Geige.

Ein fetziges "Jingle Bells"

Die Titel selbst zeigen das ganze breite Repertoire der Gruppe, abwechslungsreich und eher nachdenklich-kritisch, viel Tucholsky und auch Eigenes, dazwischen Weihnachtliches, zum Beispiel ein rockig-verfremdetes „O du fröhliche…“, ein leicht verändertes „Morgen, Kinder ….“ aus Kinderperspektive oder das Lied vom Tannenbaum mit dem grünen Zweig in engagierter plattdeutscher Originalversion und besonders schönem Arrangement von Querflöte (Tabi), Geige und Mandoline. Schließlich auch ein wunderbar-fetziges „Jingle Bells“, als wär’s für „Nobody Knows“ geschrieben.