Klietz l So rechte Weihnachtsstimmung wollte bei den Ratsmitgliedern nicht aufkommen, obwohl sich der Chor der Grundschule zu Beginn der Zusammenkunft alle Mühe gegeben hatte. Traditionell läutet dieser mit Liedern und Gedichten zum Advent die „Pfefferkuchensitzung“ in Klietz ein. „Schenke Frieden, Wärme, Hoffnung – niemand soll alleine sein“ wünschten die Kinder unter Leitung von Carmen Koch unter anderem. Gemeinsam sangen alle zum Schluss „Guten Abend, schön Abend“. Der Weihnachtsmann beschenkte als Dankeschön die kleinen Sänger.

Weniger erfreulich ging es anschließend zu. „Zu Ostern, am 29. März 2016, wird die Filiale der Sparkasse in Klietz geschlossen“, informierte Hermann Paschke den Rat. Die Immobilie soll verkauft werden, so wird es auch keinen Auszugsdrucker oder Automaten in der Seegemeinde mehr geben. Letzterer sei ohnehin zu alt und unwirtschaftlich gewesen, hatte der Bürgermeister beim Gespräch in Tangermünde erfahren müssen.

Eine Mitarbeiterin wechselt nach Schönhausen, die andere nach Havelberg, entlassen wird also niemand. Als Ersatz werde einmal in der Woche ein Bus im Ort Station machen. Wann und wie lange, sei noch offen. Ebenso der Standort.

Uwe Brendel schlug den Parkplatz an der Feuerwehr vor, dieser sei zentral gelegen. Mit Verweis auf das etwa gleich große Arneburg forderte er, dass wenigstens der Geldautomat erhalten werden müsse.

Eberhard Wienmeister will die Kündigung nicht ohne Gegenwehr hinnehmen: „Wir sollten Briefe an den Landrat als Aufsichtsrat der Sparkasse sowie an die Landesregierung schicken!“ Die Region solle eigentlich attraktiver werden, um nicht noch mehr Einwohner zu verlieren, das Gegenteil sei nun der Fall: „Dann zieht hier keiner mehr her!“

Klietz könne doch froh sein, mit der Volksbank noch eine weitere Filiale im Ort zu haben, meinte Günter Bähne. Es gebe nur noch wenige kleine Orte, wo zwei Banken vertreten seien. Der Sparkasse seien in der Vergangenheit hohe Kosten entstanden, jetzt müsse sie sparen. Alternativ könnte die Volksbank, die erst vor kurzem ihre Öffnungszeiten reduziert hatte, wieder länger öffnen. Peter Handrick meinte ebenfalls, die Klietzer können doch froh sein, noch eine Bank im Ort zu haben – dann müsse man eben zu dieser wechseln.

Um die Finanzen ging es auch bei einem weiteren Thema, was Günter Bähne ansprach: „Wir haben ja in diesem Jahr als Kommune keinen Haushalt gehabt, man sollte aber wenigstens eine Ist-Rechnung aufstellen.“ Deren Ergebnis könne man dann mit dem alten Etat vergleichen und entsprechend beurteilen. So wie jetzt könne der Zustand nicht bleiben, auch die Kommunalaufsicht müsse eingreifen.

Ganz ohne Etat ist skurril

Die Verwaltung in Schönhausen sei überfordert, auch wegen der Doppik-Einführung, erklärte Peter Handrick. Dass Kommunen den Etat verspätet aufstellen, passiere öfter mal, aber das so etwas das ganze Jahr über nicht klappe, sei schon skurril, meinte der Verwaltungsfachmann. Dann müsse man eben nach dem alten Plan wirtschaften.

Die Kommunalaufsicht und das Rechnungsprüfungsamt als Aufsichtsbehörden hätten der Ausnahme zugestimmt, informierte Hermann Paschke dazu. Zugleich wurde eine Haushaltssperre verhängt, weshalb nur die nötigsten Ausgaben getätigt werden können – beispielsweise zur Gefahrenabwehr. Dazu zählten auch die Reparaturen der Straßenlampen in Neuermark-Lübars oder der defekten Bremsen des Multicars vom Bauhof. Oder dringende Sanierungen im Heizwerk.

Auch in Klietz seien Straßenlampen defekt, vor allem im Nordbereich, informierte Klaus Liebsch mit Verweis auf die Aufnahmestelle für Asylbewerber. Der Elektriker kontrolliere die Lampen im Ort des Öfteren, antwortete der Bürgermeister.