Havelberg l So ergab es sich, dass in der Aula des Gymnasiums noch zusätzliche Stühle gestellt werden mussten, als der traditionelle Havelberger Chor zum diesjährigen Konzert einlud. Chorleiter Gottfried Förster schafft mit seinen Sängerinnen und Sängern stets eine besondere, ja familiäre Atmosphäre. Das Weihnachtskonzert wird dabei seit genau 20 Jahren – also ein kleines Jubiläum – unterstützt durch ein spielfreudiges „Ensemble Cristian Goldberg“ aus Magdeburg. Dadurch konnte Förster seinen Chor durchweg vom Dirigentenpult aus leiten, und entsprechend sangen seine Mitglieder so dynamisch, präzise, deutlich und klar, wie noch selten zu hören und wie es für den Laienchor einer so kleinen Stadt wie Havelberg wirklich erstaunlich ist. Die Frauenstimmen waren reich besetzt, und die leider viel zu wenigen Männer sangen konzentriert und mit großem Engagement.

Auch "Forrest Gump" dabei

Die „Liedertafel“ bietet immer ein reiches Programm. Natürlich kann Förster zur Weihnachtszeit aus einem übergroßen Fundus an Liedern zurückgreifen, und so hört man Bekanntes und weniger Bekanntes. Dazwischen gibt es immer einige Verse. Das Weihnachtskonzert wird zusätzlich bereichert durch hochwertige Instrumentalmusik und Sololieder. Dieses Mal spielte Cristian Goldberg mit seinen Musikern ein g-Moll-Adagio von Tomaso Albinoni (1671-1750), meditativ und kraftvoll zugleich, mit ausdrucksvollen Solostellen für die Violine. Als zweites Stück hatte man die Filmmusik aus „Forrest Gump“ von 1994 ausgewählt. Der Komponist Alan Silvestri (*1950) war 1995 für den Oskar nominiert worden. Man musizierte diese ungewöhnliche, aber sehr trostreiche Komposition („Es wird trotzdem alles gut!“) mit großem Einfühlungsvermögen. Gottfried Förster wirkte als Solist am Flügel. Ein weiterer Höhepunkt war Elisabeth Feldmann aus Bad Wilsnack, die mit ihrem strahlenden, makellosen Sopran zwei Sololieder darbot.

Beachtliche Chorleistung

Natürlich stand der Chor im Mittelpunkt. Von der schönen, familiären Stimmung war schon die Rede, von der beachtlichen Leistung ebenfalls. Försters maßgeschneiderte Sätze gaben ein Übriges. Einem fröhlich-flotten „Schneeflöckchen tanze“ folgte ein besinnliches „Durch den klaren Winterwald“ im Wechsel von Chor und feinem Solo, und zwar aus den Sängerinnen heraus. Marion Brütts zarter, ein wenig metallischer Sopran kontrastierte sehr schön mit dem klangvollen Tutti des Chors. Auch bei den „Weihnachtsglocken“ war sie als Oberstimme zu hören.

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Kräftiger Applaus für alle

Neben den Liedern gab es auch einige klassische Sätze wie „Ehre sei Gott“ des wichtigen Herrnhuters Christian Gregor (1723-1806), eine sehr gelungene kleine Weihnachtsmotette von Friedrich Silcher (1789-1860), einem der „Väter“ der volkstümlichen Chormusik, oder eine Version unseres traditionellen „Quempas“-Liedes nach einem Klaviersatz von Engelbert Humperdinck (1854-1921), dem Komponisten der berühmten Kinderoper „Hänsel und Gretel“. Dazwischen sorgten Gedichte, hervorzuheben vielleicht die lustige Geschichte vom Pfefferkuchenmann mit hübschen Pointen, für Abwechslung. Und natürlich durften die Zuhörer des Öfteren kräftig mitsingen, was auch mit viel Begeisterung genutzt wurde. Die Liedertafel würde sich bestimmt freuen, wenn sich einige der sangeskräftigen Herren aus dem Publikum bereit erklären würden, die Männerstimmen zu verstärken …

Das Konzert klang aus mit dem beliebten „Tausend Sterne sind ein Dom“ des DDR-Komponisten Siegfried Köhler (1927-1984) und mit anspruchsvollen Sätzen der Weihnachtslieder „Ihr Kinderlein kommet“ und „Stille Nacht“.

Es gab kräftigen Applaus und Blumen für alle – ein schönes Schlussbild. Und schließlich glänzte beim Herausgehen die Havelaue im winterlichen Abendrot. Da war für viele zufriedene Zuhörer klar: Jetzt kann es Weihnachten werden!