Wust l Einen der sicherlich schönsten Berufe der Welt hatte die Wusterin Elli Reim ausgeübt: Sie war viele Jahre als Hebamme erst um Wust und danach im Havelberger Krankenhaus tätig. Kürzlich feierte die inzwischen älteste Wusterin ihren 99. Geburtstag, wozu auch die Kinder aus der Tagesstätte mit einem kleinen Ständchen gratulierten.

Geboren und aufgewachsen war Elli Reim in Sydow, einem der Wuster Ortsteile. Dort besuchte sie die Dorfschule, welche sich in der Lindenstraße befand. Alle acht Klassen mussten in einem Klassenraum unterkommen.

„Ab dem 10. Lebensjahr war ich nach der Schule über vier Jahre als Kindermädchen tätig“, berichtete die Seniorin an einem früheren Geburtstag. Die Eltern betrieben Landwirtschaft, deshalb erlernte sie schon in jungen Jahren das Melken und war nach der Schule auf dem Sydower Bauernhof tätig.

Magdeburg

1942 ging es in die Großstadt, in Magdeburg erlernte sie den Beruf der Hebamme. Nach der Ausbildung wurde sie wieder in der Heimat eingesetzt, als Landhebamme war sie 16 Jahre lang rings um Sydow tätig. So war sie bei Geburten immer rasch vor Ort.

Anschließend verlagerte sich ihr Arbeitsplatz nach Havelberg, im Krankenhaus war sie bis zur Rente als Hebamme tätig. Im Laufe ihres Lebens begleitete Elli Reim etwa 2700 Geburten, darunter waren auch etliche Zwillinge.

Als Rentnerin zog sie von Havelberg nach Rathenow zur Tochter, 1994 folgte dann der gemeinsame Umzug nach Wust. Hier wohnt die auf den Rollstuhl angewiesene Senioren nun in einem barrierefreiem Haus im Fontaneweg. Früher strickte, las und rätselte sie gerne, besuchte die Treffs der inzwischen aufgelösten Wuster Ortsgruppe der Volkssolidarität und ging oft mit den anderen Senioren auf Reisen, zudem war sie Mitglied der Kirchgemeinde.

Elli Reim brachte selbst sechs Kinder zur Welt – allerdings alle ohne die Hilfe einer Hebamme.