Wust l Auch Enrico Reumann wird es schmerzlich vermissen, nicht wie in den zurückliegenden 29 Jahren auf der Theaterbühne zu stehen. Und Corona durchkreuzt noch weitere seiner Sommerpläne.

Vom Empire State Building den Blick über New York schweifen lassen, an der Freiheitsstaue vorbeischippern, über den Times Square und die Brocklyn Bridge schlendern... das alles hatte auf dem Plan für die Pfingstferien gestanden. Statt sich mit dem New-York-Besuch einen lang gehegten Traum zu erfüllen, sind Reumanns zu Hause in Wust geblieben – Corona ließ den Traum platzen. Auch Treffen mit dem New Yorker Theaterregisseur Arthur Shettle und anderen seit der Jahren liebgewonnenen Sommerschulfreunden sowie Studenten aus Texas, die einst den Sommer in Wust verbrachten, sind damit passé. „Nächstes Jahr...“ sagt Enrico Reumann, das aufgehoben nur aufgeschoben ist.

Seit 29 Jahren dabei

Dennoch ist die Wehmut groß, wenn er auf den Sommer blickt. Keine Dozenten als Gäste im Hause, keine abendlichen Veranstaltungen im Speicher und auf dem Sportplatz und vor allem keine Theaterproben. Die bestimmen seit 29 Jahren den Sommer des Wusters. Schon 1992 hat er beim allerersten Sommerschultheater „My Fair Lady“ unter Regie von Arthur Shettle und dem Berliner Oliver Haller auf der Bühne gestanden.

„Ich war völlig unerfahren, lediglich beim Krippenspiel in der Kirche hatte ich als Steppke mehrfach mitgemacht. Und dann spielte ich mit meinen 15 Jahren gleich den Liebhaber von Eliza Doolittle!“ Die Leidenschaft war geweckt und im Laufe der Jahre, in denen Versicherungskaufmann Enrico Reumann stets in eine der Hauptrollen schlüpfte, wächst zum Hobby-Schauspieler heran, der jede Bühne sein Zuhause nennt, „die Bühne ist quasi mein Wohnzimmer“. Denn Enrico Reumann ist auch als Komiker auf anderen Bühnen präsent, hat auch als Präsident des Wuster Karnevalvereins immer einen Spaß auf den Lippen und nimmt in der Bütt als Gemeindediener kein Blatt vor den Mund. Natürlich kann er Dank der Sommerschule gut Englisch sprechen, „auch das wird mir in diesem Sommer fehlen. Sogar das Büffeln der oft langen Texte binnen drei Wochen – aber das fällt mir zum Glück leicht.“

Auch Enrico und Sina Reumanns Kinder, Amber (12) und Alyssa (10) ,sind Sommerschulfans. „Wir müssen erst einmal sehen, wie wir den Sommer ausfüllen, der ja immer durch die Sommerschule bestimmt war und wo auch nichts anderes dazwischen kam. Langeweile werden wir wohl nicht haben, aber wir werden wohl jeden Tag denken: Schade!“

Hoffen auf 15. Oktoberfest

Schade wäre es auch, wenn andere Veranstaltungen, die für dieses Jahr geplant sind, wegen der Corona-Einschränkungen ausfallen müssten. Schon definitiv abgesagt ist das Sommerturnier des von Enrico Reumann geleiteten Sportvereins „Traktor Wust“, ebenso die für den 27. Juni geplante Dorfmeisterschaft im Tischtennis. Wann er wieder als „Maatin“ auf Brautschau gehen, als „Rodscha“ die Frauenherzen höher schlagen lassen oder als „Ausbilder Schmitz“ die Rekruten erziehen kann, ist ungewiss, „ich und auch meine Mitstreiter vom Comedy Dinner hoffen auf einen „goldenen Herbst“. Die jetzt verkündeten Lockerungen nähren diese Hoffnung. Vor allem auch auf das Wuster Oktoberfest, das Enrico Reumann nun schon zum 15. Mal in der Baracke organisiert. Termin ist der 3. Oktober, „bis dahin bleiben wir hoffentlich alle gesund, freuen uns über den zurückgewonnenen Alltag und auf all die Dinge, die im kommenden Jahr nachgeholt werden.“ So wie die 30. Sommerschule 2021, bei der des dann wie zur Premiere 1992 wieder „My Fair Lady“ sein wird. Ob Enrico Reumann dann wieder als Liebhaber auf der Bühne steht? Man darf gespannt sein, was sich Arthur Shettle für diese Neuinszenierung einfallen lässt.

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